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BVMW

"Unternehmen brauchen keine Sterbeversicherung"

Kreis Göppingen: Zur Verabschiedung des Hilfspakets der Bundesregierung durch den Bundesrat erklärt der BVMW-Chef im Landkreis Göppingen, Lothar Lehner: „Das Hilfspaket der Bundesregierung verfehlt weitgehend den klassischen Mittelstand. Unternehmen zwischen elf und 249 Beschäftigten fallen in eine Förderlücke. Zugleich sehen sich die kleinen und mittleren Unternehmen in Baden-Württemberg einem wiehernden Amtsschimmel beim „Soforthilfe Antrag“, der seinen Namen nicht verdient, gegenüberstehen. Lehner: „seit der Veröffentlichung des Antrags haben sich knapp 100 verunsicherte Unternehmer*innen der BVMW-Geschäftsstelle, teilweise verzweifelt gemeldet.“ Weshalb? Es gibt beim Sofort-Hilfeantrag für Solo-Selbständige und Kleinunternehmen große Unterschiede bei der Antragstellung in Baden-Württemberg im Vergleich zu beispielsweise Bayern, Schleswig-Holstein oder Nordrhein-Westfalen. Der Antrag aus Baden-Württemberg umfasst 7 Seiten mit Querverweis sowie 9 Seiten- Richtlinien, komplizierten Fußnoten, und ca. 14 Seiten-FAQ`s des Wirtschaftsministeriums, insgesamt bis zu 30 Seiten lang und wenig attraktiv, mit hohen Hürden für Solo- Selbständige und kleine Mittelständler.

Bayern hat im Antrag lediglich 2 Seiten und viel weniger FAQ`s. Und diese sind, wie politisch angekündigt, äußerst unbürokratisch formuliert. Ein attraktives Zuschussprogramm für Solo- Selbständige und kleine Mittelständler. Ein weiteres Damoklesschwert für die kleinen Unternehmen: Vor Inanspruchnahme der Soforthilfe ist verfügbares liquides Privatvermögen einzusetzen, und was die Unternehmer*innen noch mehr irritiert, etwaige Falschangaben oder Fehler werden mit Androhung hoher Bußgelder und Gefängnisstrafen geahndet.

Lehner erhält von seinen Mitgliedern dazu Rückmeldungen wie diese: „Dies ist genau der Punkt, das Privatvermögen, was ich mit über Jahre angespart habe, zuerst auszugegeben, ist ein Unding“. Eine andere Stimme: „vollkommen richtig - da klafft eine Lücke und eine Ungerechtigkeit gegenüber kleinsten, kleinen und kleinen mittelständischen Unternehmen“. Eine weitere Stimme meint: „… genau wegen diesen Details, habe ich gestern und heute noch nicht den Antrag gestellt. Die rechtlichen Folgen sind nicht absehbar.“

Lehner weiter:“ es ist jetzt an der Zeit, der Gewaltenteilung zwischen Legislative (Parlament) und Exekutive (Verwaltung) eine neue Qualität zu geben. Die Politik beschließt großzügige Hilfen, die auf der psychologischen und tatsächlichen Bühne des Lebens von den Verwaltungen ins Negative gedreht werden. Hier sind die Parlamente gefordert, das Heft wieder in die Hand zu nehmen.“

Von den Soforthilfen profitieren in erster Linie Großunternehmen und Konzerne. Hier muss der Gesetzgeber schnellstens mit Liquidität sichernden Maßnahmen nachbessern. Die vom Bundeswirtschaftsminister für den Kernmittelstand zugesagten Kredite und Bürgschaften helfen bestenfalls mittel- und langfristig, aber nicht in der akuten Notsituation. Die mittelständischen Unternehmer brauchen jetzt keine Sterbeversicherung, sondern direkte Finanzspritzen. Andernfalls droht auch in Region Stuttgart ein wirtschaftlicher Kahlschlag ungeahnten Ausmaßes.“
27.3.20

 

 

 

 

Lieferkette auch in schweren Zeiten halten

Kai Steffen Meier ist mit der Geschäftsentwicklung bei Mehler in Süßen zufrieden. Foto: Privat

Kreis Göppingen. Wenn bei Unternehmen Lieferketten zusammenbrechen, kann schnell die Produktion ins Stocken geraten oder gar stillstehen. „Gerade jetzt in der Corona-Krise können solche Störungen schnell fatale Folgen haben“, wie Lothar Lehner, der Kreisvorsitzende des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) erklärt. Die Firmenchefs sollten sich dessen bewusst sein und engen Kontakt zu ihren Lieferanten suchen und offen kommunizieren, rät Lehner. Dass eine funktionierende Lieferkette Unternehmen retten kann, wird für Lehner am Beispiel des Süßener Blechspezialisten Mehler deutlich.

Kai Steffen Meier schaut in die Auftragsbücher. „Bei Mehler läuft es gut“, stellt der Geschäftsführer fest und ist zufrieden. Zufrieden, wie sich das Unternehmen nach der Insolvenz vergangenen Jahres entwickelt hat. Seit August 2019 gehört die Firma, die sich auf Blechverarbeitung spezialisiert hat, zur Degginger Wiedmann-Group. Seither gehören die stürmischen Monate zuvor der Vergangenheit an.

Aus der zeitlichen Distanz heraus kann Kai Steffen Meier die schwierigen Monate bei Mehler nüchtern analysieren. Es war der größte Kunde des Unternehmens, der Probleme bereitete. Mit ihm machte Mehler zuletzt gut ein Drittel des Umsatzes, ein Drittel der Belegschaft arbeitete für diesen Auftraggeber. Dass es mit diesem Kunden Schwierigkeiten geben würde, war Kai Steffen Meier bewusst, als er 2018 als Geschäftsführer ins Unternehmen kam. Um sich unabhängiger zu machen, wurden neue Kunden akquiriert, wurde die Produktion grundlegend restrukturiert. Mit Erfolg. Doch am Ende kam Mehler an der Insolvenz nicht vorbei. „Dieser Schritt war alternativlos“ erinnert sich Insolvenzverwalter Rainer Tillmann in Stuttgart, dem die Sommerwochen 2019 sehr gut im Gedächtnis

haften geblieben sind. Mit den neuen Kunden sei das Unternehmen leistungswirtschaftlich gut aufgestellt gewesen und hätte nach wie vor das Vertrauen der Lieferanten genossen. Auch die Mitarbeiter hätten, wohlwissend wie es um das Unternehmen bestellt ist, kräftig zugepackt und alle Aufträge pünktlich erfüllt, so Tillmann. Meier sieht das Mitarbeiter-Engagement als Grund, weshalb die Kunden nicht abgesprungen seien. „Wir haben damals alles termintreu abgeliefert“. Laut Tillmann konnte das Unternehmen nur durch den Insolvenzantrag erhalten werden. Die erforderliche Stilllegung eines Betriebsteils und die Abfindung der betroffenen Arbeitnehmer wären ohne das Insolvenzverfahren nicht finanzierbar gewesen.“ Auch Kai Steffen Meier bedauert, dass man sich von einem Teil der Belegschaft trennen musste, hatten doch zuvor alle kräftig mit angepackt, um Mehler zu retten. Aber ohne diesen schmerzlichen Schnitt würde es den Süßener Blechspezialisten heute nicht mehr geben.

Auf Kai Steffen Maier hält Rainer Tillmann große Stücke. Er sei zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle gewesen, lobt der Insolvenzverwalter das Können des Geschäftsführers, vor allem auch die Transparenz zu Kunden, Mitarbeitern und den Lieferanten. Meier wiederum zieht den Hut vor dem Stuttgarter Anwalt, ohne den die Krisen-Wochen für Mehler lange nicht so gut verlaufen wären. „Herr Tillmann hat die Chancen des Unternehmens gesehen und wusste, dass wir gut aufgestellt waren“.

Dass schließlich die Wiedmann Group aus Deggingen Mehler übernommen hat, bezeichnet Tillmann als Glücksfall. Zu dem Unternehmen, dem noch ein weiterer Betrieb in Chemnitz gehört, passe Mehler ausgezeichnet. Das kann Meier, der zwischenzeitlich Geschäftsführer der Wiedmann Group ist, nur bestätigen. „Die Betriebe der Gruppe ergänzen sich bestens. Im vergangenen Jahr konnten wir Aufträge nach Chemnitz geben. In diesem Jahr, das etwas verhaltener angelaufen ist, waren Kapazitäten frei, um Chemnitzer Aufträge in Süßen zu erledigen“, berichtet Meier.

Bislang ist Meier mit der Auftragslage bei Mehler noch zufrieden. „Wir sind uns aber bewusst, dass sich die Corona-Krise mit zunehmendem Verlauf auch auf unsere Unternehmensgruppe auswirken wird. Einzelne Kunden haben bereits die Produktion gedrosselt oder sogar ausgesetzt. Und auch die Blech- und Stahllieferanten weisen auf drohende Lieferengpässe hin.“
24.3.20

 

 

 

Stadtkämmerei lässt Unternehmer abblitzen

Stuttgart. Was die Regierenden in Berlin als Hilfen für Unternehmer in der Corona-Krise ankündigen, hat noch lange keine Gültigkeit auf kommunaler Ebene. Eine Feststellung, der der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) in diesen Tagen öfter machen muss, wie dessen Repräsentant Lothar Lehner aus Geislingen (Kreis Göppingen) nach Gesprächen mit Firmenchefs immer wieder feststellt. Da weiß die Bank vor Ort nicht, wie sie helfen kann, ein anderes Mal stellt sich das Rathaus quer. Die betroffenen und oft in ihrer Existenz bedrohten Unternehmer bleiben damit weiter allein mit ihren Problemen.

Dass zwischen Theorie und Praxis zuweilen große Lücken klaffen, erfuhr jetzt auch der Chef einer Stuttgarter Personalvermittlungsberatung. Der hatte bei der Stuttgarter Stadtkämmerei um die Stundung der von ihm zu zahlenden Gewerbesteuer gebeten, so wie es die Bundesregierung in Aussicht und entsprechende Antragsformulare bereit gestellt hatte. Doch die Kämmerei blieb stur und legte den Vorgang Oberbürgermeister Fritz Kuhn vor. Der lehnte das Ansinnen des Unternehmers ab und begründete das laut Mitteilung der Kämmerei damit, dass es noch keine klaren Anweisungen zur Regelung von der Regierung gebe. Stattdessen forderte die Kämmerei den betroffenen Firmenchef auf, eine „klare Übersicht“ zu erstellen, warum ihm es derzeit nicht möglich sei, die Gewerbesteuer zu bezahlen. Den Einzelfall wolle man dann prüfen, was aber seine Zeit dauern könnte. Dass er deshalb von der Stadt auch eine Mahnung erhält, weil diese automatisch vom System erstellt wird, schoss der Unternehmer nicht aus. „Und nach der Mahnung kommt in der Regel der Vollzug“.

Vorfälle wie diese gehen nach Ansicht von BVMW-Repräsentant Lothar Lehner in dieser Krise überhaupt nicht. „Damit wird nicht das erreicht, was von der Bundesregierung mit ihrer Ankündigung beabsichtigt war und ist, nämlich den in ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten geratenen Unternehmen zu helfen. Mit Aussagen wie denen von der Stuttgarter Stadtkämmerei würden gerade auch kleine Unternehmer und Freiberufler noch mehr unter Druck gesetzt statt entlastet. Zudem verliere die Politik durch ein solches Handeln an Glaubwürdigkeit. Lehner appellierte an die Behörden, die Ankündigungen der Regierung, die zum richtigen Zeitpunkt gekommen seien, schnellstens bis in die unterste Ebene umzusetzen, damit sie ihren Zweck auch erfüllen.
23.3.20

 

 

 

BVMW: Unternehmen bangen um Existenz

Kreis Göppingen. Bei Lothar Lehner steht in diesen Tagen das Telefon kaum still. Immer wieder erreichen den BVMW-Kreisvorsitzenden besorgte Anfragen von vor allem kleinen mittelständischen Unternehmen, die nach massiven Umsatzrückgängen durch die Corona-Krise mit dem Rücken an der Wand stehen und nicht wissen, wie es weiter gehen soll. Lehner: „Viele der Unternehmen bangen um ihre Existenz, spüren die Absagen von Messen und Großveranstaltungen während die Kosten weiterlaufen.“ In Zeiten von Basel III und einem unbeugsamen Insolvenzrecht ist nach Einschätzung des BVMW-Repräsentanten dringend Handlungsbedarf geboten.

Hans-Peter Herbinger, Vorstandsmitglied der der Raiffeisenbank in Wangen (Kreis Göppingen), bestätigt die Erfahrungen von Lehner. Es gebe bereits Kunden, denen die Absage von Veranstaltungen schwer zu schaffen machen und keine Einnahmen mehr haben. Auch Gastronomen hätten nach Umsatzeinbrüchen in den vergangenen Tagen Liquiditätsprobleme. „Wir haben hausintern besprochen, dass wir den Betroffenen, sofern sie Kunden unserer Bank sind, schnell und unbürokratisch zu weiterer Liquidität verhelfen“, so Herbinger. Das Vorstandsmitglied der Raiffeisenbank sieht das als ad-hoc- Maßnahme, setzt aber, da die Corona-Krise nicht schon morgen zu Ende sei, vor allem auf die staatlichen Förderprogramme. Diese lägen aber noch nicht vollständig vor. Herbinger ist sich allerdings sicher, dass die Bewältigung der Corona-Krise weitaus schwieriger werde als die Finanzkrise 2008.

Insolvenzverwalter Rainer Tillmann von der Kanzlei Wallner-Weiß in Stuttgart teilt diese Einschätzung. Der Restrukturierungsexperte hält die Corona Krise für eine äußerst schwere Belastung der Wirtschaft und rechnet mit zahlreichen Unternehmenspleiten. Nach seiner Einschätzung gefährdet der Schock für die Angebots- und Nachfrageseite insbesondere Unternehmen, die in den vergangenen Jahren die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells versäumt haben. Hinzu kommt, dass bereits heute viele Unternehmen in hohem Maße von Fremdkapital abhängig sind. In dieser Lage hält er unbürokratische Liquiditätshilfen für einen ersten richtigen Schritt. Trotz der Ungewissheit müssten die Unternehmer und Geschäftsleiter jedoch zwingend Erträge und Liquidität fortlaufend planen, um handlungsfähig zu bleiben.“

Kai Steffen Meier, Geschäftsführer der Wiedmann-Group (Deggingen), zu der auch die Mehler Blechtechnologie GmbH in Süßen gehört, weiß auch durch sein ehrenamtliches Engagement als CDU-Kreisvorsitzender ob der schwierigen Situation, vor der in diesen Tagen viele Unternehmer stehen. „Vor allem weil man nicht weiß, wie lange diese Krise andauert und welche weitreichenden Folgen sie dadurch für jeden einzelnen Betrieb haben wird“, so Meier. Er setzt auf eine kluge Politik, die schnell und unbürokratisch ihre Hilfsprogramme umsetzen müsse. Dabei dürften die Klein- und Kleinstbetriebe nicht vergessen werden. Mehler selbst benötige aktuell keine Finanzhilfe, der Betrieb sei im Verbund der Firmengruppe gut ausgelastet. Für ihn, Meier, sei es mit Blick auf die Schulschließungen zunächst wichtig gewesen, die Produktion im Betrieb in Einklang mit den notwendigen Betreuungszeiten von Kindern der Mitarbeiter zu bringen. Diese habe man durch eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten erreichen können.

BVMW-Kreisvorsitzender Lehner appelliert an die Politik, die kleinen Unternehmen jetzt nicht zu vergessen. In einem Aufruf an die Bundestagsabgeordneten Hermann Färber (CDU) und Heike Baehrens (SPD) lobt Lehner, was die Politik zur Abmilderung der Folgewirkungen der ausgerufenen Pandemie zum Schutz der Unternehmen in Bewegung setzt, betont aber, dass kleinste und kleine Unternehmen, vor allem im Dienstleistungsbereich mit einer hohen (Personal-)Aufwandsquote, langfristig nicht durch Corona-Darlehen gerettet werden. „Da hier Verluste real anfallen und diese Unternehmen auch nicht in der Lage sein werden diese kurzfristig wieder abzubauen (z. B. Hotels, Werbeagenturen, etc.) benötigen wir neben dem Darlehensprogramm für größere Unternehmen, verlorene Zuschüsse für die Kleinen und Kleinsten. Die teilweise durch Corona hervorgerufene massive Bonitätsverschlechterungen führt für diese Unternehmen ansonsten durch Gesetze wie Basel III in mangelnde Kreditfähigkeit und damit mittels der Vorgaben der Insolvenzordnung in die Pleite.“

Eine Plattform, um dies umzusetzen (Bewilligung und Auszahlung verlorener Zuschüsse) könnten laut Lehner zum Beispiel die bereits vorhandenen Regelungen und Strukturen im Bundesseuchengesetz sein. Angepasst werden müsste nur die Zielgruppen und die Volumina, am besten nicht nach Branchen, sondern nach Größe. Zur Beschleunigung des Vorgangs schlägt Lehner vor, zunächst Corona-Hilfsdarlehen auch an diese Unternehmen auszugeben und diese anschließend in verlorene Zuschüsse umzuwandeln und zu verrechnen. Lehner geht davon aus, dass sich die Politik mit der Thematik bereits befasst, sieht seinen Appell deshalb als die Stimme des Mittelstands aus der Region, um nochmals auf die Dringlichkeit und Notwendigkeit hinzuweisen.
18.3.20

 

 

 

Coronavirus: Messe-Start im Internet

Rainer Bachmann aus Deggingen organisiert virtuelle Messen. Foto: Privat

Region Stuttgart. Ob Industriemesse in Hannover, Handwerksmesse in München oder Baumesse in Göppingen – sie haben in Zeiten von Corona eines gemeinsam: sie sind abgesagt. Die Aussteller trifft es hart, fehlt doch ein für sie wichtiges Forum, um Neuheiten vorzustellen, Informationen weiterzugeben und Geschäfte abzuschließen. „Das Messe-Aus tut Firmen richtig weh“, weiß Lothar Lehner, Kreisvorsitzender des BVMW in Geislingen. Eine Alternative zu den abgesagten realen Messen könnten für Lehner virtuelle Ausstellungen sein, wie sie Rainer Bachmann aus Deggingen (Kreis Göppingen) organisiert.

„In Zeiten von Corona, Messeabsagen und -verschiebungen darf der Kontakt zum Publikum nicht leiden. Auch wenn die virtuelle Messe für ein Unternehmen keinen vollen Ersatz darstellt, kann sie doch eine tragende Rolle im Dialog mit Kunden und Interessenten sein“, sagt Rainer Bachmann. Der Marketingexperte aus Deggingen hat sich darauf spezialisiert, Messen im Internet zu initiieren. „Bislang war es meine Idee, die virtuelle Messe einer realen Messe folgen zu lassen, damit die Firmen nochmals eine Möglichkeit haben, mit ihren Standbesuchern in Kontakt zu kommen. „Denn“, so weiß Bachmann aus der Statistik, „57 Prozent der Messekontakte laufen nach Ende einer Ausstellung ins Leere“. Seine virtuelle Messe wirke dem entgegen, glaubt der 56-jährige Degginger. So will er im Oktober, mit etwas Abstand zur Automatisierungsmesse „Motec“ in Stuttgart, seine virtuelle Messe „INDUplus“ öffnen, auf der sich die „Motec“-Aussteller noch einmal präsentieren können. Jetzt, da das Corona-Virus zu immer mehr Absagen von Messen in der realen Welt führt – aktuell sind es rund 450, die regionalen Ausstellungen nicht mitgerechnet -, sieht Bachmann auch eine große Chance für eigenständige Fachmessen. Im Blick hat er aktuell die Logistikbranche, deren Messe „Logimat“ Mitte März in Stuttgart stattfinden sollte und abgesagt wurde. Nun will Bachmann versuchen, den Ausstellern einen virtuellen Messeauftritt schmackhaft zu machen. Dabei geht Bachmann fast so vor wie ein Messeveranstalter im realen Leben. Ist das Interesse bei potenziellen Ausstellern geweckt, mietet der Degginger eine virtuelle Messehalle und kann interessierten Firmen dort Standflächen anbieten.

Beim virtuellen Standbau gibt der 56-Jährige gerne Unterstützung. Der Aussteller kann seine Wünsche zu dem, was er auf der Messe zeigen will, am Stand virtuell umsetzen. Hinzu kommt, dass die Kosten virtueller Messen deutlich niedriger sind als die für einen realen Auftritt. Das betrifft sowohl die reinen Standgebühren als auch die Personal- und Nebenkosten. Weitere Pluspunkte seien eine schnelle Umsetzung und hohe Verlässlichkeit, sowie die Unabhängigkeit von Veranstaltern. „Die Onlinemesse oder der Onlinekongress sind schnell, unkompliziert und preislich unschlagbar“, sagt Bachmann. Vor allem Großunternehmen hätten die Schwächen etablierter und traditionsreicher Messen bereits erkannt und setzen schon länger auf virtuelle Auftritte. „Ob als Hausmesse, Kongress oder als Recruiting Messe, die Onlinemesse hat Konjunktur“, so Bachmann, der vor allem mitteständischen Unternehmen, die nicht das Knowhow für einen eigenen Messeauftritt im Netz haben, eine Plattform bieten will.

Dass eine virtuelle Messe kein vollwertiger Ersatz für einen realen Messeauftritt ist, will Bachmann nicht gelten lassen. „Die virtuelle Messe bietet Kontaktmöglichkeit, Aufmerksamkeit und neue Informationswege. Während auf der realen Präsenzmesse zumeist Gespräche mit dem Vertrieb stattfinden, können in der virtuellen Messe Chats mit den Entwicklern, den Experten hinter den Lösungen, mit der Forschungsabteilung stattfinden“, fährt Bachmann fort. Der Verkäufer könne die Gespräche der realen Messe per Chat und Telefon vertiefen und Besucher der realen Messe so weiter qualifizieren. Wer nach der Messe auch zur Onlinemesse gehe, habe dagegen ein tieferes Interesse. Der Vertrieb oder Verkauf könne geschickt mit Präsentationen und Vorträgen in Webinaren glänzen, die schon lange keine Einbahnstraße mehr seien. „Die virtuelle Messe ist längst auch real geworden und bietet die Chance, die Messe-Realität neu zu schreiben, Kunden und Interessenten neu zu begeistern und zu binden und die Onlinemesse bietet hervorragende Chancen, Verkaufsabschlüsse vorzubereiten und so realen Geschäften den Weg zu ebnen. Weitere digitale Prozesse vereinfachen die Besucherbetreuung und entlasten den Vertrieb“, berichtet Bachmann, der als Steinbeis- Projektkoordinator einer Industrie 4.0-Transferplattform Industrie und Hochschulen vernetzt, weiter.

Auch wenn der Degginger, der aus 25 Jahren Vertriebsarbeit mit den Aufgaben, Sorgen und Nöten des Klein- und Mittelstands vertraut ist, das nationale und internationale Geschäft im Blick hat, so ließen sich seine Messekonzepte auch auf regionaler Ebene mit ortsansässigen Firmen realisieren. „Warum auch nicht?“ Publikum für seine Messen will Bachmann, der kleine und mittelgroße Unternehmen bei der Innovationsförderung berät und sein Wissen auch in Schulungen und Vorträgen vermittelt, in erster Linie virtuell gewinnen. Dabei sollen ihm seine Kontakte in den sozialen Netzwerken helfen. Und schließlich würden ja auch die ausstellenden Firmen ihre – potenziellen – Kunden auf die virtuelle Messe einladen.

Die Idee von Messen im Internet begrüßt Lothar Lehner sehr. Der BVMW-Repräsentant für den Landkreis Göppingen und angrenzende Gebiete sieht in dem Angebot eine Chance für Firmen, ausfallende Geschäftsabschlüsse wegen abgesagter Messen doch noch abzufedern. „In Zeiten wie diesen sollten Mittelständler die virtuelle Messe als Alternative auf jeden Fall prüfen“, wünscht sich der Verbandssprecher.
15.3.20

 

 

 

Digitale Hilfen für kleine Mittelständler

Kreis Göppingen. Bei der Digitalisierung hinken kleine und mittlere Mittelständler der Entwicklung hinterher, wie der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) aus Befragungen weiß. Kreisvorsitzender Lothar Lehner ist deshalb froh, dass es in seinem Verbandsgebiet kundige Firmen gibt, die den betroffenen Unternehmen bei der Digitalisierung auf die Sprünge helfen. Ein Beispiel sei die Agentur „Area-Net“ GmbH aus Donzdorf, die als Beratungsunternehmen vom Bundeswirtschaftsministerium und dem Bundesamt für Wirtschaft zertifiziert ist.

Bei kleinen und mittleren Unternehmen ist der Digitalisierungsbedarf nach wie vor groß, weiß Markus Schmid. Der Agentur-Geschäftsführer kennt die Wege, auf denen die kleinen Mittelständler finanzielle Unterstützung erhalten können. Seit September ist die „Area-Net“ autorisierte Beratungsagentur für das Förderprogramm „go-digital“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Das fördert Digitalisierungsprojekte bis 32 000 Euro, die bis zur Hälfte bezuschusst werden. Hier werden im Modul „Digitale Markterschließung“ die Konzeption, das Design und die Umsetzung von Webseiten und Online-Shops gefördert.

„Dann gibt es noch das Modul, Digitale Geschäftsprozesse‘, bei dem die Konzeption und Umsetzung von App- und IT-Lösungen für z.B. Datenerfassung und Prozessoptimierung/Digitalisierung gefordert werden“, so Markus Schmid. Außerdem gibt es auch Zuschüsse für Konzeption und Umsetzung im Bereich der IT-Sicherheit. So gut das Förderprogramm auch sei, so kompliziert seien die damit verbundenen bürokratischen Regeln, bemängelt Schmid. „Der Prozess und die Antragsstellung ist relativ aufwendig und kompliziert. Wir unterstützen unsere Kunden dabei von Anfang bis zum Ende und führen die Antragsstellung komplett für unsere Kunden durch. Die Genehmigungsdauer der Anträge liegt bei etwa vier bis sechs Wochen“.

Aktuell digitalisiert die Donzdorfer Agentur zum Beispiel für einen familiengeführten Optiker-Betrieb mit einer über 70-jährigen Tradition und fünf Filialen die gesamte Mitarbeiter- und Ressourcenverwaltung und Terminplanung. Bestehende Plattformen, so Schmid, konnten die Anforderungen des Kunden nicht abdecken. Zudem soll ein Online- Bestellsystem für Fassungen und Brillen mit angebundener Terminvereinbarung umgesetzt werden. Nach der Durchführung des Projektes werden Leerzeiten, Überschneidungen und Fehlplanungen der Vergangenheit angehören. „Die gesteigerte Prozessqualität wird mit allen Vorteilen direkt an den Kunden weitergegeben. Mit der integrierten, onlinebasierten Terminbuchung werden die bis jetzt dafür gebundene Ressourcen für andere, wichtigere Tätigkeiten freigegeben. Zudem wird die bestehende Website mit einem neuen Online-Bestellsystem mit Terminbuchungsfunktion enorm aufgewertet. Bestehende Kunden sollen durch den neuen Komfort gebunden, neue Kunden in Verbindung mit einführenden Marketingmaßnahmen akquiriert werden können“, berichtet der Agenturchef.

Als weiteres Projekt nennt Schmid ein neues Online-Portal für einen großen Wiesen-Obst-Verarbeiter, mit dem die Vermarktung der Dienstleistungen und Angebote digitalisiert wird. Die grob 3 000 Anlieferer von Obst sollen webbasiert Zugriffe auf aktuelle Angebote, Marketingmaßnahmen und wichtigen Informationen rund um die Erstellung von Fruchtsäften erhalten. „Darüber hinaus wird über eine integrierte Newsletter-Funktion der aufwendige und kostenintensive Postversand von Aktionen abgelöst und im Rahmen einer digitalen Markterschließung optimiert“, formuliert Schmid die Anforderungen an seine Agentur.

Seit Jahresbeginn ist die „Area-Net“ auch als Beratungsunternehmen vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle für das BAFA-Förderprogramm autorisiert. Mit dem Programm, so Schmid, ich werde die Konzeption von Projekten, zum Beispiel Webseiten, Online-Shops oder Apps, gefördert. Die Umsetzung werde im Gegensatz zu „go-digital“ nicht bezuschusst. Maximal seien 3000 Euro förderfähig, davon würden 50 Prozent erstattet. Die Antragsstellung, erläutert Schmid, sei relativ einfach, die Genehmigung/Freigabe werde innerhalb weniger Tage erteilt. „Auch hier unterstützen wir unsere Kunden komplett und nehmen die Antragsstellung entsprechend vor“.

Info Die „Area-Net“ GmbH wurde im Jahr 2000 in Donzdorf als klassische Internet- und Werbeagentur gegründet, hat sich inzwischen aber auf höherwertige Dienstleistungen im Bereich E-Commerce, App-Entwicklung und Digitalisierungsprojekte spezialisiert. Zu den Kunden zählen neben kleinen und mittleren Unternehmen in der Region u.a. auch Firmen wie Bosch Thermotechnik GmbH, Wüstenrot Bausparkasse AG oder TeamViewer AG. Als beispielhafte Projekte führt Geschäftsführer Schmid die mobile Datenerfassung im Bereich QM/Gefährdungsbeurteilungen/Arbeitssicherheit, mobile Datenerfassung im Baugewerbe (Baudokumentation, Mängel- Erfassung, etc.) oder den mobilen Offline-Zugriff auf ERP-Daten für den Außendienst an.
12.3.20

 

 

 

BVMW lehnt Gewerbesteuer-Erhöhung ab

Geislingen. Die geplante Gewerbesteuererhöhung in Geislingen um 50 auf 445 Prozentpunkte kritisiert Lothar Lehner, der Kreisvorsitzende des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW). Die Erhöhung, die der Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwoch beschließen soll, sei das falsche Signal für den Wirtschaftsstandort und die hier ansässigen Unternehmen, ist Lehner überzeugt.

Im Geislinger Haushalt fehlt das Geld an allen und Ecken und Enden. Eine Maßnahme, um die Situation zu verbessern, ist laut Stadtkämmerer Bernd Pawlak die Erhöhung der Gewerbesteuer um 50 auf 445 Prozentpunkte. Das würde rund eine Million Euro zusätzlich in den städtischen Haushalt spülen. Geld, das bei der Stadt bleibt und nicht über die Kreisumlage, den Finanzausgleich oder die Gewerbesteuerumlage wieder abgeschöpft würde. Zudem sei die Erhöhung eine Voraussetzung dafür, den Haushalt von der Rechtsaufsichtsbehörde überhaupt genehmigt zu bekommen. Bleibt der Gewerbesteuersatz unverändert, geht die Stadt hier von Einnahmen in Höhe von 8,1 Millionen Euro aus.

Ungeachtet der prekären Geislinger Haushaltssituation hält Lothar Lehner nichts von derartigen Plänen. Der BVMW-Kreisvorsitzende aus Geislingen ist nämlich der Auffassung, dass die Stadt Geislingen zum einen bereits jetzt im Steuer und Abgabenbereich ein hohes Niveau abbildet, zum anderen aber in Sachen Attraktivität und Leistung deutliches Potenzial nach oben hat. Dieser Widerspruch würde durch eine neuerliche Abgabenrunde noch verstärkt, zumal die Stadt erst vor zwei Jahren die Grundsteuer erhöht habe.

In der Region Stuttgart schwanke der Gewerbesteuersatz zwischen 290 und 420 Prozentpunkten und liege im Schnitt bei 360,1 Prozentpunkten (Gewerbesteuer-Infoportal Baden-Württemberg). „Grundsätzlich gilt für Kommunen nichts anderes als für Unternehmen: Ich kann mit einem Drei- Sterne-Hotel nicht die Preise eines Fünf-Sterne-Hotels verlangen, ansonsten laufen mir die Gäste weg. Ergo muss ich erst die Standortattraktivität - und zwar speziell für Unternehmen erhöhen - um nachhaltig die eigene Finanzsituation zu stärken. Steuer- und Abgabenerhöhungen sind hier der falsche Weg“, so Lehner und spricht sich klar gegen den Vorschlag von Stadtkämmerer Bernd Pawlak aus. Lehner weiter; „Es kann nicht darum gehen, das künftige Gewerbesteueraufkommen dem Risiko der Abwanderung auszusetzen, sondern vielmehr zukünftiges Gewerbesteuerpotenzial wieder nach Geislingen hereinzuholen, was im Übrigen auch nicht mit noch höheren Sparmaßnahmen zu realisieren sein wird.“
10.3.20

 

 

 

Eigenes Schulwappen winkt als Preis

Kreis Göppingen. Nach Werten leben, arbeiten und handeln wird nach Ansicht von Ralf Hartdegen, Inhaber von Filstal-Mediation in Donzdorf, immer wichtiger. Deshalb hat er die zweite Auflage seines Kreativwettbewerbs für Schulen unter das Motto „Werte“ gestellt. Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW), dessen Kreisvorsitzender Lothar Lehner (Geislingen) zur fünfköpfigen Jury gehört, unterstützt beim Wettbewerb sein Mitgliedsunternehmen. Anmeldeschluss ist der 20. März 2020.

Die Erstauflage des kreativen Schulwettbewerbs im vergangenen Jahr hatte das Thema Mobbing und die Schüler ließen sich nicht zwei Mal bitten. Rund 400 Beiträge gingen ein: Fotos, Collagen, Plakate, Kurzgeschichten, Videos, ja sogar eine Liedkomposition war unter den Arbeiten. Die Resonanz war für Auslober Ralf Hartdegen überwältigend, weshalb er bei der Siegerehrung im Bad Hotel in Bad Überkingen ankündigte, den Wettbewerb fortzusetzen. Nun hat Hartdegen, der nicht nur als Mediator tätig ist, sondern als Restrukturierungsberater und Trainer für Unternehmen arbeitet, die zweite Runde seines Wettbewerbs eingeläutet. Dieses Mal sollen sich die Schüler mit dem Thema Werte beschäftigen. „In unserer jetzigen Zeit ist es immer wichtiger sich zu fragen, wofür wir genau stehen. Was zeichnet unsere Arbeit aus und nach welchen Werten handeln wir? Unsere Werte geben uns Orientierung und dienen als Kompass“, so Hartdegen.

Dass Werte immer mehr verloren zu gehen drohen und die Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft tendenziell steigt, beobachtet Lothar Lehner vom BVMW, der Hartdegen als Kooperationspartner beim Wettbewerb wieder unterstützt. „Werte oder Wertvorstellungen sind positive Eigenschaften und Ideale, nach denen wir handeln. Sie sind wie ein Wegweiser und zeigen auf, wofür wir Zeit und Energie investieren“, so Lehner, der zusammen mit Ralf Hartdegen, dessen Frau Katharina, Prof. Dr. Manuel Tusch vom „ifap“-Institut für angewandte Psychologie in Köln und Harald Heimbach, Geschäftsführer der Pro Heraldica, Deutsche Gesellschaft für Heraldik und Genealogie mbH (Stuttgart), in der Jury sitzt.

Bis 20. März können sich Schulen für den Wettbewerb bei der Filstal-Mediation in Donzdorf, Uhlandstr. 27, anmelden (Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). Auf die Gewinner warten wieder attraktive Preise. So darf die Siegerschule zusammen mit Pro Heraldica ein eigenes Schulwappen mit den Werten der Schule gestalten. Als zweiter Preis winkt eine kostenlose Ausbildung zum Streitschlichter für eine Klassenstufe im kommenden Schuljahr und der Drittplatzierte erhält 300 Euro. Die Arbeiten der Schüler müssen bis 15. Mai 2020 eingereicht werden.
6.3.20

 

 

 

Auch Freizeittermine in Kalender eintragen

Ulrich Semle: Auch Freizeittermine gehören in den Kalender. Foto: BVMW

Kreis Göppingen. Wenn ein Unternehmer darüber klagt, dass sein hoher Arbeitseinsatz nicht dem entspricht, was am Monatsende an Einkommen übrigbleibt oder für Familie oder Hobby keine Zeit mehr bleibt, dann macht er etwas falsch. Was, darüber sprach der international anerkannte Coach Ulrich Semle aus Wäschenbeuren vor viel arbeitenden Selbstständigen in einer Veranstaltung des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) in Göppingen. Kreisvorsitzender Lothar Lehner begrüßte im Hotel Hohenstaufen 40 Unternehmer aus Kreis und Region, die sich erklären lassen wollten, wie sie mehr Zeit für sich gewinnen können.

Mit vielen Erkenntnissen aus so genannten Zeitmanagement-Seminaren kommt ein Unternehmer nicht weit, glaubt Ulrich Semle. Der Coach aus Wäschenbeuren stellt immer wieder fest, dass man spätestens vier Wochen nach einem solchen Seminar wieder im alten Trott ist. Deshalb wählt Semle einen Ansatz, der die Persönlichkeit des Einzelnen und das individuelle Lebensumfeld berücksichtigt. Die freie Zeit, die man sich nehmen will, müsse zum einen durch entsprechende Inhalte ausgefüllt sein, zum anderen fest im Terminkalender verankert werden. „Der Termin für das Fitnessstudio oder den Golfplatz muss genauso im Kalender stehen wie der Termin beim Zahnarzt“, nennt Semle ein Beispiel. Wer nichts mit sich fest - über den Kalender – vereinbare, der bleibe im täglichen Hamsterrad. Das gelte auch für den Feierabend. Das Ende des Arbeitstages sollte ebenfalls im Kalender stehen. „Nichts ist schlimmer als ein Open-End“, weiß Semle. Denn wenn man wisse, dass man eh bis tief in die Nacht arbeiten werde, beschäftigte man sich tagsüber auch mit vielen nutzlosen Dingen, die einen nicht weiterbrächten.Semle hatte in seinem Kurzvortrag noch einen Tipp für seine Zuhörer parat: Wenn man morgens ins Büro kommt, nicht als erstes den PC anstellen oder gleich Telefonate erledigen. „Wenn man damit den Tag beginnt, ist man schon drin im Trott und es bleibt keine Zeit für Dinge, die einem selbst morgens wichtig sind.“ Zudem sollte man seine Zeit nicht mit unwichtigen Dingen vertrödeln, sondern sich möglichst viele „Sechser er würfeln“, wie Semle es bildlich formuliert. Sprich: Dinge tun, die einen selbst bzw. das Unternehmen nach vorne bringen und sich nicht an halblebigen Sachen aufhalten oder faule Kompromisse schließen.

Semles Ausführungen schlossen sich eine muntere Diskussion mit dem Referenten aber auch engagierte Gespräche der Unternehmer untereinander an. BVMW-Vorsitzender Lothar Lehner zog zufrieden Bilanz: „Das war eine Veranstaltung, mit der wir unseren Mitgliedern sowohl wichtigen Input geben als auch das Netzwerken fördern konnten.
5.3.20

 

 

 

 

Mittelstand fordert Kurswechsel der CDU  

Kreis Göppingen. Der Mittelstand im Landkreis Göppingen und Umgebung fordert vom nächsten CDU-Bundesvorsitzenden eine scharfe Kurskorrektur der Partei. Die Union werde nur an Profil gewinnen, wenn sie künftig wieder eine Politik der Mitte mit klarer ordnungspolitischer Akzentuierung verfolge, so der Kreisvorsitzende des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) Lothar Lehner (Geislingen).
„Wer auch immer das Rennen um den CDU-Vorsitz für sich entscheidet, ist gut beraten, die Wirtschaftspolitik in den Mittelpunkt der Parteiarbeit zu stellen“, so Lehner. Das Beispiel der nordrhein-westfälischen Landespolitik zeige, dass man nach wie vor Vertrauen und Wahlen in der Mitte der Gesellschaft mit bürgerlicher Politik und einer klaren ordnungspolitischen Kurssetzung gewinnen kann. „Die Union hat in den Jahren der Großen Koalition ihren Markenkern schleifen lassen und die für die Mehrheit der Deutschen fundamentalen Fragen der Steuer- und Standortpolitik zugunsten eines zerstörerischen Wettlaufs mit der SPD um teure Schönwetterpolitik sträflich vernachlässigt“, so Lehner in seiner Analyse. 
„Der Mittelstand erwartet von der Partei Ludwig Erhards mehr als Sonntagsreden zur Sozialen Marktwirtschaft. Es ist höchste Zeit, dass die Union in den Arbeitsmodus findet und liefert, um die aufgelaufenen Projekte einer Unternehmenssteuerreform, der systematischen Umsteuerung öffentlicher Mittel in Investitionsprojekte zur Digitalisierung und zum Infrastrukturausbau in die Wege zu leiten“, formuliert Lothar Lehner seine Erwartungen an die Zukunft der Union und hat dabei die Themen, die den Mittelstand im Landkreis Göppingen und in der Nachbarschaft bewegen, fest im Blick. 
26.2.20

 

 

 

Digitalisierung: Viele Firmen hinken hinterher  

Kreis Göppingen. Viele kleine und mittelständische Unternehmen in der Region Stuttgart hinken der schnell fortschreitenden Digitalisierung hinterher und sind hinsichtlich der konkreten Auswirkungen auf ihr zukünftiges Geschäft immer noch unzureichend informiert. Darauf hat jetzt der Kreisvorsitzende des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft (BVMW), Lothar Lehner, hingewiesen und beruft sich auf zahlreiche Unternehmergespräche in letzter Zeit. Die Lücken in der Digitalisierung führt Lehner auf nicht bzw. zu wenig vorhandene digitale Fachkompetenzen in den Betrieben zurück.  

„Viele Unternehmen werden von der Entwicklung im Bereich Digitalisierung überrollt“, zeichnet BVMW-Kreisvorsitzender Lothar Lehner ein Bild von der Lage insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen im Landkreis Göppingen und Umgebung. Eine Einschätzung, die auch Jürgen Kreuzer, ebenfalls Mitglied im BVMW, teilt. Der Softwareentwickler und Inhaber der Process and Automation Software in Neuhausen auf den Fildern kennt die Situation der Betriebe in der Region so gut wie kein Zweiter, hilft er doch schon seit vielen Jahren Firmen bei der Digitalisierung auf die Sprünge und weiß, wo den Unternehmern der Schuh drückt.  

„Viele Firmen stehen inzwischen mit dem Rücken an der Wand“, schildert Kreuzer die Lage. Viel zu lange hätten Unternehmer die Digitalisierung auf die leichte Schulter genommen und gemeint, wenn man über E-Mail, Excel und ein ERP-Programm verfüge, sei digitalisiert genug, weiß Kreuzer. Über lange Zeit hinweg hätten viele Firmeninhaber die Dimension der Digitalisierung sowie deren Auswirkungen auf konkrete Geschäftsabläufe nicht fokussiert und sich damit auch nie ernsthaft mit den tatsächlichen Notwendigkeiten auseinandergesetzt. „Oft haben nicht qualifizierte Mitarbeiter die Digitalprojektierung aufs Auge gedrückt bekommen und sollten diese dann mal so nebenher, zu ihren üblichen Aufgaben, durchführen. Dann gab es noch einen ein- oder zweitägigen Workshop und schon sollte es losgehen. Von dem, was dabei rauskam, kann ich inzwischen ein Lied singen“, berichtet Diplom-Ingenieur Kreuzer, der mit seinem Team etwa 20 Firmen im Jahr ins digitale Zeitalter versetzt, aus seinen Erfahrungen.   

Inzwischen sei die Digitalisierung soweit fortgeschritten, dass selbst teure Schulungen von Mitarbeitern den Nachholbedarf in den Firmen nicht wettmachen können. „Fort- und Weiterbildungen dauern zu lange und zudem fehlt dann immer noch die notwendige Erfahrung im Umgang mit der Digitalisierung. Die Lösung: Unternehmen, die jetzt erst so richtig loslegen, müssen sich hochqualifizierte Mitarbeiter, mit Erfahrung im Bereich Digitalisierung/Industrie 4.0 einkaufen. „Diese müssen dann die Digitalisierung im Unternehmen voranbringen und die Projekte aktiv planen und umsetzen. Und zwar als alleinige Aufgabe. Diese Mitarbeiter müssen direkt der Geschäftsleitung unterstellt sein und von dieser aktiv unterstützt werden“, rät Kreuzer. „Es ist die einzige Chance, das Thema noch in einem adäquaten Zeitrahmen umzusetzen.“   

Allerdings: Die notwendigen Informatiker und Softwareentwickler sind auf dem Markt derzeit so gut wie nicht zu bekommen – und eben mal schnell schon gar nicht.  Kreuzer weiß wovon er spricht, sucht er doch selber weitere Mitarbeiter, um die starke Nachfrage der Unternehmen bedienen zu können. „Bis wir da jemanden haben, ist ein halbes Jahr rum“. Lehner: „Umso wichtiger ist es, dass gerade kleine und mittlere Unternehmen über ein leistungsfähiges Beziehungs-Netzwerk auf Geschäftsebene verfügen.“  

Dass sich die Digitalisierungsproblematik aktuell so zuspitzt hängt nach Meinung Kreuzers mit dem hohen Grad der Digitalisierung bei den großen Unternehmen zusammen, die ganze Heerscharen an Softwareentwicklern und Informatikern beschäftigen. „Viele unserer Betriebe hier in der Region sind Zulieferer für die Großen. Und wenn die auf einem gewissen Digitalisierungslevel sind, stehen kleine Betriebe, die mit der Digitalisierung noch in den Kinderschuhen stecken, vor großen Herausforderungen.  

 „Die digitale Aufholjagd haben die Unternehmer weitestgehend selbst zu lösen. Die aktuell bestehenden Förderprogramme bilden allenfalls den berühmten Tropfen auf den heißen Stein. Sie müssen diese Entwicklung jetzt mit Priorität 1 angehen und auch entsprechende Budgets zur Verfügung stellen“, analysiert Lehner kritisch.  „Die Kammern und Berufsverbände haben nicht früh und laut genug darauf hingewiesen, wie notwendig in diesem Bereich ein Engagement ist“, so Kreuzer ergänzend. Erst als mehr und mehr das Schlagwort von der Industrie 4.0 die Runde machte, sei vielen bewusst geworden, dass man die Digitalisierung nicht weiter als „lästiges Übel“ oder „Spinnerei“ von wenigen Einzelnen vor sich herschieben kann. In anderen Industrieländern sei man mit der Digitalisierung schon um einiges weiter, berichtet Kreuzer. Und nicht nur da. Selbst in den so genannten Schwellenländern spiele man schon in einer anderen digitalen Liga als hier in Deutschland.   

Dass der rückständige Digitalisierungsgrad in den kleinen Unternehmen mit der schlechten Infrastruktur im Datennetz zusammenhängen könnte, will Kreuzer nicht abstreiten. „Wir haben ja alle auf die Cloud gesetzt, um größere Datenmengen zu speichern. Doch davon sind wir jetzt wieder weg, nachdem man gerade auch im ländlichen Raum auf Grund des schlechten Netzes acht, zehn Minuten warten muss, bis eine größere Datenmenge wieder am Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Das ist niemandem, der mit Daten arbeiten muss, zuzumuten“, beschreibt Kreuzer ein Beispiel für den Zustand der Infrastruktur, die sich erst jetzt langsam verbessere.   

Lothar Lehner beobachtet die Situation bei der Digitalisierung mit großer Sorge. Für die Unternehmen falle der Aufholprozess in diesem Bereich mit dringend notwendigen Innovationen und Investitionen im Produktionsprozess zusammen. „Für viele kleine und mittlere Betriebe ist diese Doppel-Belastung, auch unter dem Aspekt der Finanzierung, kaum noch zu bewältigen,“ ist sich der BVMW-Kreisvorsitzende sicher.  Lehner appelliert deshalb an die Politik, für kleine und mittlere Unternehmen, Finanzierungsprogramme aufzulegen, die vom üblichen Rating-Verfahren entkoppelt werden, z. B. auch durch innovative Beteiligungsmodelle von Förderbanken, die über das bestehende Angebot deutlich hinaus gehen. Lehner weiter: „Die Digitalisierung von Produktionsabläufen und deren Vernetzung bringt schnell 30 bis 40 Prozent Produktivitätssteigerungen, die hierfür notwendigen Investitionen liegen auf der anderen Seite auch bei kleineren Unternehmen regelmäßig im fünf- oder sechsstelligen Bereich.
17.2.20

 

 

 

Russisches für Gaumen und Kehle

Irene Beifuss aus Süßen will Köchen und Barkeepern russische Spezialitäten schmackhaft machen. Foto: Privat

Süßen. Auf der vom 15. bis 19. Februar in Stuttgart stattfindenden „Intergastra“, der Leitmesse für Hotellerie und Gastronomie, stellt sich erstmals die IBF Logistik & Trade GmbH aus Süßen der Öffentlichkeit vor. Das Unternehmen von Irene Beifuss will die Messebesucher von internationalen Spezialitäten, insbesondere aus Russland, überzeugen. Den Auftritt auf der internationalen Messe freut auch Lothar Lehner, Kreisvorsitzender des Bundes für mittelständische Wirtschaft (BVMW): „Irene Beifuss gehört zu den jüngsten und erfolgreichsten Unternehmerinnen im Kreisverband“, so Lehner.

Der Handel mit Lebensmitteln, vor allem aus Osteuropa, hat in der Familie von Irene Beifuss Tradition. Schon seit vielen Jahren beliefert diese vor allem russische Lebensmittelmärkte in Deutschland und dem benachbarten Ausland. Mit ihrer 2018 gegründeten Firma will Irene Beifuss nun das Kundenportfolio ergänzen und Spezialitäten aus Osteuropa nicht nur in den Märkten, sondern auch in der Hotellerie und Gastronomie schmackhaft machen. Denn in den Küchen und an den Bars sei man immer auf der Suche nach etwas Neuem, weiß die junge Unternehmerin, die in Kasachstan geboren und in Geislingen zur Schule gegangen ist. Dabei setzt sie nicht nur auf die ethnische Gastronomie, sondern vor allem auf die deutsche Küche, in der Köche immer nach neuen Geschmacksrichtungen suchen.

Von der Fünf-Täler-Stadt im Kreis Göppingen zog es Irene Beifuss hinaus in die Welt. In der USA nahm sie eine Au-Pair-Stelle an, bevor sie in Österreich an den Hochschulen in Steyr und Graz studierte und ihren Bachelor und Master u.a. in Global Sales und Marketing ablegte. Hongkong und Chile waren ihre Auslandsstationen. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland begann sie bei der Opel-Bank in Rüsselsheim ein dreijähriges Trainee, unter anderem mit einem Schwerpunkt internationales Projektmanagement. Danach stand die Entscheidung an, sich entweder um einen Job in einem großen Unternehmen zu kümmern oder den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Sie entschied sich, in den Landkreis Göppingen zurückzukommen, wo sie nun seit 2018 ihre eigene Firma aufbaut.

„Jetzt ist es soweit, mich das erste Mal auf einer Messe zu präsentieren,“ erzählt Irene Beifuss und freut sich auf die „Intergastra“, auf der sie einen Messestand in Halle 1 (Stand K76) gebucht hat. Dort will sie mit einer kleinen Auswahl aus ihrem großen Sortiment – Produkte aus über 20 Ländern - überzeugen. Unter anderem mit Kaviar, den sie bereits unter einer Eigenmarke vertreibt, aber auch mit Torten und Törtchen will sie die Messebesucher begeistern. Ferner stellt sie am Stand eine russische Limonade vor, ein Getränk mit Limette und Minze, das man sehr gut als Erfrischungsgetränk zu sich nehmen kann, das sich aber – und hier schielt die Jung-Unternehmerin vor allem auf die Barkeeper - auch als Mixgetränk für Cocktails bestens eignet. Köche will die Süßenerin mit Salaten und eingelegten Leckereien begeistern und auch Appetit auf die von ihr angebotenen Wurstspezialitäten machen.

Was Irene Beifuss auf der „Intergastra“ präsentiert ist nur ein kleiner Ausschnitt aus ihrem großen Sortiment mit Fleisch- und Fischspezialitäten, Tiefkühlware, Getränken, Konserven, Süßigkeiten und Milcherzeugnissen, mit dem sie schon zahlreiche Kunden begeistern konnte. „Auch einige Rewe Filialen beziehen schon Produkte von uns“, erzählt die junge Frau stolz.

Der Handel mit osteuropäischen Produkten ist das eine, das andere die Logistik. „Die soll einmal ein zweites Standbein für das Unternehmen werden“. Derzeit bringt Irene Beifuss ihren Kunden in Baden-Württemberg und Bayern noch persönlich die Ware ins Haus, Besteller von weiter weg erhalten die Produkte dann über einen Logistik-Partner. BVMW-Chef Lothar Lehner, der den Weg der Jung-Unternehmerin von Anfang mit verfolgt hat, ist überzeugt, dass diese ihre gesteckten Ziele erreichen wird. „Diese Frau hat die nötige Power.“
13.2.20

 

 

 

Auszeichnung für Lothar Lehner

Lothar Lehner wurde vom BVMW ausgezeichnet. Foto: Privat

Kreis Göppingen. Lothar Lehner, Geschäftsführer der Lehner Management GmbH in Geislingen und selbstständiger Repräsentant des Mittelstandsverbandes im Landkreis Göppingen und Umgebung, wurde vom Unternehmerverband BVMW in Berlin für „seine herausragenden Leistungen und seinen vorbildlichen Einsatz um den Bundesverband mittelständische Wirtschaft ausgezeichnet. Präsident Mario Ohoven bescheinigte dem BVMW-Kreisvorsitzenden, einen wichtigen Beitrag in der Mitgliedergewinnung und - betreuung geleistet und den unternehmerischen Mittelstand in Deutschland wirksam und erfolgreich unterstützt zu haben. Als Leistungsträger des BVMW erhielt Lehner eine Einladung zur Teilnahme an der Bildungsreise 2020 des Verbandes. Der BVMW sieht sich als politische Interessensvertretung des Mittelstandes und bietet seinen Mitgliedern auf regionaler Ebene zahlreiche Möglichkeiten des Netzwerkens. Darüber hinaus organisiert der Verband Veranstaltungen zu aktuellen Wirtschaftsthemen mit Referenten aus der Praxis.
7.2.20

 

 

 

BVMW: Kretschmann hat den Ball

Kreis Göppingen. Mit großem Interesse verfolgt der Mittelstandsverband BVMW im Kreis Göppingen die Bemühungen und die Diskussion um eine Zukunftslösung für das in die Schlagzeilen geratene Sanierungsprojekt Michelberg-Gymnasium in Geislingen, so Lothar Lehner, Kreis-Chef des BVMW im Landkreis Göppingen.

Der BVMW-Kreisverband Göppingen sieht nach den jahrelangen Bemühungen das Projekt nun am Scheideweg. Lehner verweist vor diesem Hintergrund auf einen aktuellen Beschluss des EU-Parlaments mit dem Ausruf des Klimanotstandes (Erlass von Notstandsgesetzen) im letzten Jahr und dem von der EU-Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen aktuell verkündeten Absicht, ein Gesamtbudget von einer Billion Euro bereitzustellen, um die Klimaziele in der EU zu erreichen. Lehner: „Da passt der Deckel nicht auf den Topf.“

Vor mehr als zehn Jahren sei von weitsichtigen Stadträten und der Stadtverwaltung Geislingen der Beschluss gefasst worden, die Sanierung des Gymnasiums nicht wie sonst üblich auf das Notwendige zu beschränken, sondern ein Leuchtturmprojekt zu starten mit dem Ziel der weitgehenden Klimaneutralität von Gebäude und Schule. „Bildung ist ein Garant für Wohlstand, Frieden und Freiheit einer Gesellschaft“, so Lehner. Und weiter: „Unser Wohlstand sitzt zwischen unseren Ohren“. Damit dies so bleibe, seien leistungsfähige Schulen notwendig. Das magische Dreieck Lehrkörper – Lehrmittel – Lehrräume habe sich längst zum magischen Viereck erweitert um die Komponente Ökologie und Klimaneutralität.

Die aktuell laufende Diskussion erinnert Lehner an das Buch „Der kleine Prinz“. Ganze Planeten seien hierin gefährdet, da die Gegenspielerin des kleinen Prinzen, die „Schlange“, Menschen beeinflusse, negative Egoismen wecke und Ängste schüre, um schlussendlich Lebewesen und Planeten selbst zu zerstören. „Die gesamte Aufarbeitung und Analyse des Falles Michelberg- Gymnasium scheint“, so Lehner, „kurz vor diesem Punkt zu stehen und dies muss verhindert werden.“

Umso mehr appelliert Lehner an Ministerpräsident Winfried Kretschmann und sein Kabinett, vor dem Hintergrund der EU-Beschlüsse und nationaler Klimaziele, das „Leuchtturmprojekt“ Michelberg-Gymnasium zur Chef-Sache zu machen. Kretschmann möge die „Besten der Besten“ aus Universitäten, Hochschulen und Unternehmen um sich versammeln, um die Themen wie den Brandschutz zu lösen und das Projekt als Landes-Prestige-Projekt mit positiver Ausstrahlung weit über die Grenzen hinaus zum Erfolg zu bringen. Eine kurzfristige Vorfinanzierung aus dem Landeshaushalt sieht Lehner daher als unumgänglich an.

Der BVMW-Kreisvorsitzende: „Herr Ministerpräsident, bitte nehmen Sie endlich die materielle Last und Ängste von den Schultern der Menschen in Gemeinderat und Verwaltung in Geislingen und wirken Sie aktiv daran mit, das Bauvorhaben zum Modellprojekt mit hohen Erfahrungswerten zu machen, damit sich aus dem Michelberg-Gymnasium ein ,Michelberg-Gymnasium Greta Thunberg‘ entwickeln kann.“

Lehner sieht die Gründung eines Pro-Gymnasiums in Deggingen als Ergänzung durchaus offen, appelliert jedoch an Politik und Verwaltung, beide Projekte nicht zu vermischen.

Im Übrigen sieht Lehner einen Zusammenhang zwischen der seit Jahren prekären Haushaltssituation in Geislingen und der seit über 40 Jahren geplanten, aber nicht gebauten B10. Auch hier liegt der Ball einmal mehr in Stuttgart bei der Landesregierung. „Die Stadt entwickelt sich aufgrund nur bedingt funktionierender Infrastruktur seit vielen Jahren weit unter ihren Möglichkeiten“, fasst der BVMW-Kreischef zusammen.

Den Eltern betroffener Schüler des Michelberg-Gymnasiums, zu denen laut Lehner auch Angehörige vieler kleiner und mittelständischer Unternehmen und Freiberuflerpraxen gehören, kann nur mit Respekt und Dank begegnet werden. Lehner appelliert darum Durchhaltevermögen zu zeigen. „Politik muss vor Ort wieder konkret erkennbar und nachvollziehbar werden und darf sich nicht nur in abstrakten Milliarden und Billionen-Programmen auf EU-Ebene postulieren.“
7.2.20

 

 

 

Steuerberater setzt auf digitale Wege

Deizisau. Die Steuer- und Wirtschaftsberatungsgesellschaft Awicontax GmbH & Co. KG in Deizisau (Kreis Esslingen) trägt jetzt das Label „Digitale Datev-Kanzlei“. Eine Auszeichnung, die es noch nicht so oft in Deutschland gibt. „Von rund 43 000 Steuerberatern haben erst rund 300 das Prädikat“, so Heiko Geiger, neben Helmut Baumann Geschäftsführer der Gesellschaft. Lothar Lehner, Repräsentant des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft (BVMW) in den Landkreisen Esslingen und Göppingen, freut sich über die noch seltene Auszeichnung seines Mitgliedsunternehmens.

„Die verhältnismäßig kleine Zahl an digitalen Datev-Kanzleien hat mich zunächst auch überrascht,“ räumt Heiko Geiger ein. Doch weiß der Awicontax- Geschäftsführer, woran das liegt. Der Digitalisierungsprozess braucht Zeit. Und einen, der bei dem Projekt den Hut aufhat und in Steuersachen ebenso fit ist wie in Computerfragen. Da hätten, glaubt Geiger, die meisten Kanzleien ein Problem, da die Fachausbildung nur zu Steuerthemen erfolge. Daher müssten Mitarbeiter in den Kanzleien Zusatzausbildungen absolvieren. „Wenn man Pech hat, verlässt dann wenig später der betreffende Mitarbeiter die Kanzlei und alles beginnt wieder von vorn“, so Geiger und begrüßt erste Überlegungen der Steuerberaterkammer, die Digitalisierung mit in die Ausbildung aufzunehmen.  „Wenn man Pech hat, verlässt dann wenig später der betreffende Mitarbeiter die Kanzlei und alles beginnt wieder von vorn“, so Geiger und begrüßt erste Überlegungen der Steuerberaterkammer, die Digitalisierung mit in die Ausbildung aufzunehmen.

Zehn Jahre hat der Digitalisierungsprozess bei Awicontax gedauert. Dabei hatte man das Glück, dass der Sohn von Mitgesellschafter Helmut Baumann sich des Themas annahm. Damit war bei dem Projekt die notwendige Konstanz gewährleistet. Zeitaufwendig sei es gewesen, die Mandanten und Mitarbeiter von der Digitalisierung der Buchhaltung zu überzeugen. „Dabei haben wir immer wieder deutlich gemacht, dass durch die Digitalisierung einfacher Vorgänge mehr Zeit für die eigentliche Beratung bleibt“, so Geiger. Den eingeschlagenen Weg hält Geiger trotz des Aufwandes für richtig, denn dadurch stärke man letztlich die Marktposition. „An der Digitalisierung in den Unternehmen führt kein Weg vorbei, da müssen wir uns darauf einstellen“.

Die Messlatte für das Prädikat Digitale Datev-Kanzlei liegt indes hoch. Die Parameter für den Bereich Rechnungswesen lauten: Digitalisierungsquote insgesamt mindestens 60 Prozent, Digitalisierungsquote Bank mindestens 70 Prozent und Anteil Mandanten mit digitalen Belegen mindestens 30 Prozent. Im Bereich Personalwirtschaft sehen die Kennzahlen so aus: Anzahl Abrechnungen pro Stunde mindestens fünf, Digitalisierungsquote Bewegungsdaten mindestens zehn Prozent.

Die Awicontax GmbH & Co. KG in Deizisau existiert seit 2008 und ist aus der zwei Jahre zuvor in Esslingen gegründeten Steuerberatungssozietät Baumann-Geiger hervorgegangen. 2009 wurde auch die Steuerberatungskanzlei Dieter M. Krüger angegliedert. Heute besteht die Beratungsgesellschaft mit Mandanten im gesamten mittleren Neckarraum aus einem Team von knapp 30 Kollegen. Die Datev wurde 1966 von 65 Steuerbevollmächtigen aus dem Kammerbezirk Nürnberg gegründet, die zur Bewältigung von Buchführungsaufgaben mit Hilfe der Datenverarbeitung eine genossenschaftlich organisierte Selbsthilfeorganisation aufbauen wollten. Heute besteht die Genossenschaft mit Sitz in Nürnberg aus über 40 000 Mitgliedern, zählt fast 8000 Mitarbeiter und macht einen Jahresumsatz von über einer Milliarde Euro.
4.2.20

 

 

 

Mit neuem Gesellschafter zu neuen Zielen 

Kreis Göppingen/Stuttgart. Mit neuem Gesellschafter und neuem Domizil soll die 3D-Akademie weiterwachsen.  Lothar Lehner, Selbständiger Repräsentant des BVMW, hat Pierre Urbanek zum weiteren Ausbau seiner Bildungseinrichtung gratuliert. Urbanek ist Gründer und Geschäftsführer der 3D-Akademie in Stuttgart, Mitglied im Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW) und wird betreut von Lothar Lehner, Göppingen. Dort hat Urbanek schon in Vorträgen die Studiengänge seiner Akademie vorgestellt. Seine Studenten finden vor allem Arbeitsplätze in der Film- und Spielindustrie. Zusammen mit der Agentur für Arbeit entwickelt die 3D-Akademie aktuell Weiterbildungs- und Schulungsmaßnahmen für Mitarbeiter in der Industrie, die ihre am Rechner (CAD) erstellten Konstruktionen für den 3D-Drucker aufbereiten und ausdrucken müssen. BVMW-Kreisvorsitzender Lehner sieht darin gerade auch ein Angebot für Unternehmen im Landkreis Göppingen.
 
Die VWH Medien GmbH (Ditzingen), ein Unternehmen der Firmengruppe Talmon-Gros, hat sich jetzt mit 50 Prozent an der 3D-Akademie Stuttgart beteiligt. Akademie-Gründer Pierre Urbanek hält als Gesellschafter die andere Hälfte des Unternehmens. Als Geschäftsführer fungieren Pierre Urbanek (35), der vor allem für die Lehrpläne, Qualitätssicherung sowie der Entwicklung der Geschäftserweiterung verantwortlich zeichnet und Marc Talmon-Gros (35) für die Bereiche Marketing und Finanzen. Ihr Engagement bei der 3D-Akademie begründet Verlegerin Jutta Talmon-Gros damit, ihr Haus noch stärker im digitalen Geschäft zu verankern.   Die 3D-Akademie, von Pierre Urbanek vor gut sieben Jahren gegründet, bildet in einem Studiengang (sieben Semester) überwiegend 3D-Designer für die  Produkt Herstellung- sowie Spiele- und Filmindustrie aber auch für die Augmented und Virtual Reality sowie den 3D-Druck aus. Unter dem Motto „von Stuttgart nach Hollywood“ hat die private Studieneinrichtung bislang junge Menschen begeistert, die ihr Wissen und Können bei 3D-Animationen vertiefen bzw. perfektionieren wollten. Dabei überzeugt die Akademie damit, dass ihre Dozenten das Knowhow mehr mit praktischen Übungen vermitteln als mit zu viel Theorie. Seit wenigen Wochen hat die Bildungseinrichtung ihre neuen Räume in Stuttgart im Bürokomplex Rosensteinstraße 24 beim UFA-Palast bezogen. 

Mit dem Einstieg des neuen Gesellschafters will die 3D-Akademie nun auch Partner der im Digitalisierungswandel befindlichen analogen Industrie werden, die immer häufiger 3D-Drucker einsetzt und hierfür qualifiziertes Personal benötigt. Zusammen mit den Arbeitsämtern entwickelt die 3D-Akademie deshalb Weiterbildungs- und Schulungsmaßnahmen für Mitarbeiter in der Industrie, die ihre am Rechner (CAD) erstellten Konstruktionen für den 3D-Drucker aufbereiten und ausdrucken müssen, aber auch für Mediengestalter und Designer, die durch eine Zusatzqualifikation ihres Berufschancen in einer digitaler werdenden Welt weiter verbessern wollen. „Ob Motorhaube oder Herzklappe, der Einsatzbereich für 3D-Drucker ist enorm und ein Ende seiner Einsatzmöglichkeiten längst nicht abzusehen“, so Jutta Talmon-Gros.  
27.1.20

 

 

 

„Schlag gegen die Meinungsvielfalt“ 

Kreis Göppingen. Als einen „Schlag gegen die Meinungsvielfalt“ bezeichnet Lothar Lehner die Schließung der Redaktionen der Stuttgarter Zeitung / Stuttgarter Nachrichten in den Landkreisen der Region, so auch in Göppingen. Der Kreisvorsitzende des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) kritisiert die Entscheidung des Stuttgarter Zeitungshauses, sich journalistisch aus der Fläche zurückzuziehen und künftig die Berichterstattung aus dem Landkreis Göppingen von der Neuen Württembergischen Zeitung zu übernehmen.   

Für den Mittelstand sei die Stuttgarter Zeitung in der Region von Bedeutung gewesen, weil sie Qualitätsjournalismus aus Göppingen mit dem Geschehen im Ballungsraum Stuttgart und damit aus dem wirtschaftlichen Zentrum verbunden habe. „Diese Stimme wird uns fehlen“, bedauert Lehner die Absicht des Verlages, die Redaktionsstandorte um die Landeshauptstadt herum, aufzugeben. „Das fördert nicht gerade den regionalen Gedanken“, erklärt der BVMW-Kreisvorsitzende in der Pressemitteilung.   

Das Göppinger Redaktionsteam der Stuttgarter Zeitung habe zumeist einen distanzierten Blick auf die Entwicklung im Landkreis gehabt und sei sehr meinungsfreudig gewesen. Dabei hätten die Journalisten oft den Konflikt mit der Obrigkeit nicht gescheut, lobt Lehner das redaktionelle Angebot des Blattes, das nun Sparmaßnahmen des Verlages zum Opfer fällt.  

Kritisch sieht der BVMW-Kreisvorsitzende die gesamte Situation in der Zeitungsbranche, die mit dramatisch zurückgehenden Leserzahlen und wegbrechendem Anzeigengeschäft zu kämpfen habe. „Gerade im Lokalen sei die Zeitung aber unverzichtbar für das Gemeinwesen“, so der BVMW-Sprecher. Die Nachrichten aus dem Internet böten auf kommunaler Ebene keinen Ersatz für seriöse Berichterstattung vor Ort.
22.1.20  

 

 

 

"Der Bund ist nicht die Sparbüchse der Nation“ 

Kreis Göppingen. Vor dem Hintergrund der Überschüsse in Milliardenhöhe im Bundeshaushalt fordert der Kreisvorsitzende des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) eine deutliche Steuersenkung. „Der Bund ist nicht die Sparbüchse der Nation“, so Lothar Lehner (Geislingen) und spricht sich für eine spürbare Entlastung der Mittelschicht aus.  In Berlin stapelt der Finanzminister die Milliarden. Lothar Lehner zählt da nicht nur die jetzt bekannt gewordenen Überschüsse im Bundeshaushalt, sondern auch die Sondervermögen und die brachliegenden Investitionsmittel zusammen. 60 Milliarden Euro habe der Bund da aufgetürmt. „Das hat zusammen genommen das Potenzial für eine deutliche Steuersenkung“, so der BVMW-Kreisvorsitzende. Das Geld müsse an die Steuerzahler zurückgegeben werden. Nur so lasse sich die Statik des Bundeshaushalts wieder festigen. 
„Da diese Gelder nicht abgerufen werden, müssen die Politiker mit einer Steuersenkung den wichtigen Schritt zur Stärkung der Binnenkonjunktur endlich wagen und dem Standort Deutschland durch die Streichung des Solidaritätszuschlags und einer Körperschaftssteuersenkung einen steuerpolitischen Impuls geben,“ erklärt Lehner. Gedanken über Abgabenerhöhungen seien dagegen abwegig. „Die blutleere Konjunktur kann den Impuls derzeit dringend gebrauchen. Der Mittelstand hat seit den Krisenjahren seinen Beitrag zur Stabilisierung der Wirtschaft mit massivem Beschäftigungsaufbau geleistet. Nun ist die Politik am Zug“, betont der BVMW-Kreisvorsitzende in einer Pressemitteilung. 
15.1.20

 

 

 

CO2-Preis ein Schnippchen schlagen

Kreis Göppingen. Nach der Einigung über das Klimapaket im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat wird vor allem der beschlossene CO2-Preis von 25 Euro die Tonne die Unternehmen ab Januar 2021 treffen. „Ein Grund mehr, dass die Klein- und Mittelstandsunternehmen ihren Energieverbrauch abklopfen und energiesparende Investitionen anpacken“, so der Kreisvorsitzende des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), Lothar Lehner (Geislingen).

„Der BVMW hat sich immer dafür stark gemacht, den Mittelstand mit dem Klimapaket nicht noch weiter zu belasten, sondern eher zu entlasten,“ so Lehner. Wenn die CO2-Steuer nun nicht mehr abzuwenden sei, sollte sie wenigstens die klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) kaum bzw. gar nicht belasten. Deshalb macht sich Lehner für eine energetische Inventur der Betriebe stark und verweist auf das Energieaudit nach DIN EN 16247-1.

„Bei einer solchen Bestandsaufnahme wird der Energieverbrauch von Maschinen, elektrische Anlagen, Beleuchtungsanlagen, Heiz- und Lüftungsanlagen, Klimatechnik, Kompressoren, Gebäudehülle und Fenster unter die Lupe genommen“, so Tobias Andersch von der ICS Business GmbH in Gruibingen, die solche Untersuchungen durchführt. Derzeit werden diese vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAfA) gefördert, vorausgesetzt, die Unternehmen beschäftigen weniger als 250 Mitarbeiter, haben einen Umsatz von unter 50 Millionen Euro und wenden heute jährlich

mehr als 10 000 Euro netto für Energie auf. Sieben bis acht Wochen dauere es, bis das Audit vorliegt. Dann müsse der Unternehmer Konsequenzen aus der Untersuchung ziehen und gegebenenfalls energetische Maßnahmen umsetzen. Hierfür stünden, so Andersch, wiederum Fördermittel bereit. „Am Ende sollte ein Unternehmen stehen, das seine Energiekosten deutlich gesenkt hat und von der CO2-Steuer nicht betroffen ist oder nur gestreift wird“, so Andersch und hofft wie Lehner, dass viele mittelständische Unternehmen in der Region jetzt die energetische Bestandaufnahme anpacken.
22.12.19

 

 

 

BVMW fordert Strafen für Steuergeld-Verschwender

Geislingen. Vor dem Hintergrund der verunglückten 21,5 Millionen teuren Sanierung des Michelberg-Gymnasiums und der Suche nach Verantwortlichen für das Debakel fordert Lothar Lehner die Einführung des Straftatbestandes der Steuergeldverschwendung. Der aus Geislingen kommende Kreisvorsitzende des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) kommt angesichts der neuesten Enthüllungen über die Schlampereien bei der Schulsanierung aus dem Staunen über den leichtfertigen Umgang mit Steuergeldern nicht heraus.
Wer wusste wann was? Diese Frage wird in Geislingen in diesen Tagen, in denen immer wieder neue Informationen über die fehlgeschlagene Schulsanierung bekannt werden, häufig gestellt. Was letztlich auch der Grund für die gescheiterte Schulsanierung auch sein mag, bekannt sind ihre Kosten. Auf 21,5 Millionen Euro kletterten die Baukosten, von anfänglich geschätzten acht Millionen Euro. Und dabei bleibt es nicht. Hinzu kommen jetzt noch die Kosten für einen Neubau oder eine weitere Sanierung. Je nach Lösung zwischen 30 und 50 Millionen Euro. Der BVMW-Repräsentant greift deshalb die im politischen Programm des BVMW e. V. stehende Forderung auf, den Straftatbestand der Steuergeldverschwendung endlich einzuführen. „Die öffentliche Hand hat kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem. In Milliardenhöhe werden Steuergelder durch Fehlplanungen und mangelhaftes Projektcontrolling verschwendet. Die bestehenden gesetzlichen Regelungen reichen nicht aus. Ebenso wie Steuerhinterziehung muss auch Steuergeldverschwendung strafrechtlich verfolgt werden“, so Lehner. Der Veruntreuung öffentlicher Gelder müsse ein Riegel vorgeschoben werden.
14.12.19

 

 

 

BVMW: „SPD fährt gefährlichen Kurs“ 

Kreis Göppingen. Harsche Kritik äußert Lothar Lehner an den arbeitsmarktpolitischen Beschlüssen des zurückliegendem SPD-Parteitages. „Die Sozialdemokraten fahren einen gefährlichen Kurs, sie scheinen sich aus dem wirtschaftspolitischen Grundkonsens der Parteien der bürgerlichen Mitte zu entfernen“, so der Kreisvorsitzende des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) und ist sich darin mit Mittelstands-Präsident Mario Ohoven einig. Kein Mittelständler sei gegen sinnvolles Homeoffice, aber ein Recht auf Homeoffice, ein Recht auf Arbeit oder die Kaperung des Mindestlohnverfahrens durch Parteien gehe an der Realität jener Unternehmen vorbei, die die Basis ausmachen - jener 90 Prozent von 3,7 Millionen Mittelständlern, die maximal 20 Mitarbeiter beschäftigen.

Kopfschütteln von Lothar Lehner (Geislingen) nach dem SPD-Parteitag in Berlin. Schon der regulatorische Angriff auf den Arbeitsmarkt unterstreiche, wie weit sich Parteiführung und Funktionärsebene von der Lebensrealität von Arbeitnehmern und Betrieben entfernt haben, äußert der BVMW-Kreisvorsitzende in einer Pressemitteilung sein Unverständnis. „Gerade das Gros der kleinen Mittelständler erfahre von  der früheren Arbeiterpartei SPD  keinerlei öffentliche Wertschätzung geschweige denn Unterstützung, so dass es nicht wundern darf, wenn immer mehr Betriebe große Mühe haben, Nachfolgeregelungen zu treffen“, erklärt Lehner. „Malocher nannte man im Ruhrgebiet jene Arbeiter, die bis zur körperlichen  Belastungsgrenze und darüber hinaus schufteten. Heute trifft dieses für viele Kleinunternehmer und deren Familienmitglieder zu. Mit ihren politischen Absichten schwächt die Partei Helmut Schmids und Gerhard Schröders vor allem die  Personengesellschaften", betont der Beauftragte des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW).   Lehner weist darauf hin, dass bundesweit 150000 Familienunternehmen einen Nachfolger suchen. Seit Jahren würden mehr Unternehmen geschlossen als gegründet. Im ersten Halbjahr 2019 hätten den 142 000 Gründungen rund  147 000 Schließungen gegenüber gestanden. „Dieses Missverhältnis gab es nicht immer. Wie sehr der Unternehmergeist an Kraft verloren hat, zeigt ein Blick in die Statistik. 1998 belief sich die Zahl neu gegründeter Betriebe auf 513 000, das waren 100 000 mehr, als es Liquidationen gab.“ Lehners Fazit: „Die Erkenntnis, dass Wahlen in der Mitte der Gesellschaft entschieden werden, wurde auf dem SPD-Parteitag mit großem Erfolg ignoriert.“ 
13.12.19

 

 

Prüfer nehmen Aushilfskräfte ins Visier

Kreis Göppingen. Die Überraschung haben die Prüfer der Deutschen Rentenversicherung im Gepäck. Arbeitgeber sollen jetzt Sozialversicherungsbeiträge für fiktiv angenommene Arbeitszeiten ihrer Aushilfskräfte nachbezahlen. Das trifft vor allem kleine Dienstleistungsunternehmen, die mit den Nachforderungen mit dem Rücken an der Wand stehen. Lothar Lehner vom Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW) im Kreis Göppingen appelliert an die Bundestagsabgeordneten, nach einer Lösung zu suchen.

Es geht um eine Regelung, die schon lange Gesetz ist, doch die bislang die Sozialversicherungsprüfer der Deutschen Rentenversicherung bei ihren im Drei-Jahres-Turnus stattfindenden Regelprüfungen bei Unternehmen nicht angewandt haben. Anders jetzt, wie Lothar Lehner (Geislingen) von Betroffenen weiß. Die Prüfer lassen sich die Arbeitsverträge von Aushilfskräften vorlegen. Ist da keine genaue Stundenzahl an zu leistender Arbeit angegeben, gehen die Prüfer pauschal von 20 Arbeitsstunden in der Woche aus und fordern entsprechende Nachzahlungen.

Bei manchen Kleinunternehmen, vor allem im Dienstleistungsbereich wie in Gastronomie oder Handel, geht das schnell in die Tausende. Zumal nicht nur der Arbeitgeberanteil an den Sozialversicherungsbeiträgen – 20 Prozent – berappt werden darf, sondern auch noch der gleich hohe Arbeitnehmer-Anteil. Und das unter Umständen für Arbeitsstunden, die gar nicht geleistet wurden. Bei den angenommenen 20 Wochenstunden seien das im Monat (im Schnitt 4,3 Wochen) 86 Arbeitsstunden. Setze man den Stundenlohn bei nur zehn Euro an, zahle der Arbeitgeber seinen Anteil von zwei Euro die Stunde, sowie den Arbeitnehmeranteil von ebenfalls zwei Euro. Im Monat seien dies schon 344 Euro, im Jahr 4128 Euro und für die Prüfzeit von drei Jahren dann 12384 Euro.

„Juristisch ist das Vorgehen der Prüfer korrekt“, bestätigt Steuerberater Michael Jakele von Triumcon (Salach) und bescheinigt dem Gesetzgeber, im guten Glauben auch etwas Positives für die Arbeitnehmer getan zu haben. Doch praktikabel sei diese in Gesetz gegossene Regelung keinesfalls. Denn für jene Arbeitgeber, die sich korrekt verhalten wollen, bedeute sie einen zusätzlich hohen Aufwand an Bürokratie. Aushilfskräfte müssten nämlich streng genommen vor und nach der geleisteten Stundenzahl bei der Sozialversicherung permanent an- und abgemeldet werden, um die Pauschalierungen zu vermeiden. Und streng genommen müssen Aushilfskräfte spätestens vier Tage vor ihrem Arbeitseinsatz Bescheid vom Arbeitgeber bekommen. Die Politik sei da gefordert, eine praxisnahe Regelung zu treffen, so Jakele.

Dass an den Paragraphen bislang niemand Anstoß genommen hat lag laut Jakele daran, dass die Prüfer nicht in die Verträge hingeschaut hätten. Weshalb sich die Prüfer der Rentenversicherung nun plötzlich die Arbeitsverträge der Aushilfskräfte vorlegen lassen, kann der Steuerberater, der auch an baden-württembergischen Hochschulen lehrt, nur spekulieren. „Die bei der Pauschalierung anzunehmende Stundenzahl wurde auf 20 heraufgesetzt. Bis Ende 2018 waren es zehn Stunden. Vielleicht war es aber auch das Thema einer Schulung gewesen oder es gab eine Anweisung von der Hauptverwaltung“, so der auch als Rentenberater tätige Experte, der die Arbeit der Betriebsprüfer kennt und daher weiß, dass diese nichts prüfen, was ihnen nicht aufgetragen wurde.

Für Lothar Lehner macht die angewandte Regelung überhaupt keinen Sinn. „Welcher Unternehmer weiß schon bei Abschluss eines Arbeitsvertrages mit einer Aushilfskraft, wann, wie oft und wie lange sie gebraucht wird?“ Da sei es nachvollziehbar, dass die meisten Chefs die konkrete Stundenzahl nicht in den Vertrag geschrieben haben.

Regelmäßig nutzten Menschen solche Arbeitsverhältnisse, um einen Hinzuverdienst zu generieren - zusätzlich zum normalen Einkommen, so Lehner. „Stattdessen mutiert der Minijob bei pauschal angenommenen 20 Wochenstunden zu einem Teilzeit-Arbeitsverhältnis und steht unter Umständen sogar der Hauptbeschäftigung des Betroffenen entgegen“, kritisiert der BVMW-Kreisvorsitzende. Und nicht nur das, wie Michael Jakele ergänzt. Eine solche Regelung führe auch bei jenen, die andere Einkommensquellen hätten, wie beispielsweise Rentenbezüge, Arbeitslosengeld oder Bafög, zu einem bösen Erwachen, wenn ihr Zuverdienst durch die 20-Stunden-Regelung plötzlich höher liege als erlaubt.

„Da müssen bei denen, die Minijobber beschäftigen, die Alarmglocken schrillen“, so Lehner und weiß, dass noch nicht alle Steuerberater und Lohnabrechnungsstellen im Landkreis den neuen Prüfungsmethoden Kenntnis erhalten haben. „Das heißt, die Unternehmen laufen unter Umständen ins sprichwörtlich offene Messer der aktuellen Politik.“ Lehner appelliert daher an die Bundestagsabgeordneten im Landkreis, sich des Themas anzunehmen und in Berlin schnell nach einer Lösung zu suchen, bevor die ersten Kleinunternehmen aufgeben müssen.
19.11.19

 

 

BVMW: Bundesregierung maßlos und mutlos zugleich

Kreis Göppingen. „Die Halbzeit-Bilanz der Großen Koalition in Berlin wird insgesamt wenig positiv beurteilt“, so der Leiter des Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) im Kreis Göppingen, Lothar Lehner (Geislingen). Während die Arbeit und das persönliche Engagement der beiden Göppinger Bundestagsabgeordneten Heike Baehrens (SPD) und Hermann Färber (CDU) weithin ein hohes Maß an positiver Anerkennung erfahre, wird die Arbeit der Regierung nur wenig positiv beurteilt. Die erste Hälfte der Legislaturperiode zeuge von Maßlosigkeit und Mutlosigkeit zugleich, so Lehner und gibt damit die Einschätzung von Unternehmern in seinem Verbandsgebiet wieder. Lehner fordert von den Regierungsparteien eine deutliche Kurswende.

Der BVMW-Repräsentant im Landkreis Göppingen sieht sich in seiner Einschätzung über die Leistungsbilanz der Bundesregierung durch zahllose Gespräche mit Unternehmern im Landkreis Göppingen und den benachbarten Landkreisen Heidenheim, Ostalb, Rems-Murr und Esslingen bestätigt. Der Sozialstaat sei u.a. durch milliardenschwere Rentengeschenke maßlos aufgebläht worden. Dadurch werde der Anteil der Sozialausgaben am Bundeshalt von derzeit 50,4 Prozent auf 52,9 Prozent bis 2023 steigen. Rekordsteuereinnahmen seien nicht für Zukunftsinvestitionen genutzt, sondern verfrühstückt worden. „Im Ergebnis ist Deutschland beispielsweise in der digitalen Infrastruktur abgehängt, bei Glasfaseranschlüssen reicht es weltweit nur für Platz 72“.

Bemängelt wird von Lehner der fehlende Mut zu Strukturreformen durch Schwarz-Rot. Das räche sich angesichts des nun auch von den Wirtschaftsweisen prognostizierten Wachstumseinbruchs. „Wir nähern uns mit Riesenschritten dem Nullwachstum“, so Lehner. CDU und SPD müssten endlich ihre Personaldebatten beenden und eine Kurswende einleiten: Weg von Verwaltung und Umverteilung hin zu mehr Investitionen in Bildung, Forschung und Infrastruktur. Das Ziel in der zweiten Halbzeit der Großen Koalition müsse eine investitions- und wachstumsfördernde Wirtschaftspolitik sein. Zentrale Elemente seien da eine Unternehmenssteuerreform, niedrigere Körperschaftsteuersätze, eine Verringerung der Abschreibungsfristen und eine deutliche Senkung der Energiekosten. Deutschland drohe sonst der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit, so Lehner in Übereinstimmung mit dem Mittelstandspräsidenten Mario Ohoven sowie seinen 300 bundesweit für den Mittelstand aktiven Kollegen.
13.11.19

 

 

Lehner zu Gast bei Senegals Staatspräsident

Kreis Göppingen. „Im Senegal können sich deutsche Firmen vielfältig engagieren.“ Diesen Eindruck gewann Lothar Lehner aus Geislingen, der in seiner Eigenschaft als Selbständiger Repräsentant des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) an einer Delegationsreise seiner Organisation in das afrikanische Land teilgenommen hat und dort auch vom senegalesischen Staatspräsidenten Macky Sall empfangen wurde.

„Ein Engagement der deutschen Wirtschaft in Afrika tut Not. 70 Millionen Afrikaner sind fluchtbereit“, so Lothar Lehner und mag sich nicht ausmalen, was passiert, wenn diese alle nach Deutschland kommen. „Wenn wir als Unternehmer nicht nach Afrika gehen und dies ist auf vielfältigste Weise möglich, kommt Afrika zu uns,“ erklärt der BVMW-Kreisvorsitzende und unterstreicht damit die Bedeutung der Wirtschaftsgespräche mit den afrikanischen Ländern, wie jetzt im Senegal. Der Senegal ist mit seinen 16,3 Millionen Einwohnern seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1960 ein wichtiger Wirtschaftspartner Deutschlands. „Die Handelsbeziehungen zwischen den Ländern basieren hauptsächlich auf deutschen Exportgütern wie Maschinen, Kraftwagen, Kraftwagenteile und elektrische Ausrüstungen,“ so Lehner. Eine weitere wichtige Branche sei der Energiesektor. Das Fazit des Geislinger BVMW-Repräsentanten nach seiner mehrtägigen Visite und zahlreichen Wirtschaftsgesprächen: „Gerade den deutschen mittelständischen Unternehmen bietet der Senegal nicht nur bei Technologien im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz große Geschäftsmöglichkeiten, sondern gerade aber auch in den Bereichen Handwerk und Handel“. Lehner zitiert den Staatspräsidenten des Senegal mit den Worten: „wir benötigen alle, vom Friseur über den Bauhandwerker bis zum Handel und es nützt uns nichts, wenn unsere jungen Menschen zu Ihnen nach Deutschland fliehen“.

Das Engagement von Unternehmen im Senegal stehe laut Lehner unter einem günstigen Stern, denn das Land, das derzeit ein Wirtschaftswachstum von 6,2 Prozent verzeichnet, sei eines der Partner des „Compact with Africa“, einer Initiative, die 2017 unter deutscher G20-Präsidentschaft ins Leben gerufen worden sei und darauf abziele, die wirtschaftliche Entwicklung des afrikanischen Kontinents durch verbesserte Investitionsbedingungen zu fördern. Die BVMW-Delegationsreise, die von Verbandspräsident Mario Ohoven und Bundesgeschäftsführer Markus Jerger angeführt wurde, habe, so Lehner, den Teilnehmern Gespräche mit den höchsten politischen und wirtschaftlichen Vertretern des Landes ermöglicht. „Dadurch erhielten wir einzigartige Einblicke in Geschäfts- und Investitionsmöglichkeiten im Senegal.“ Senegals Präsident Macky Sall, der die Gäste aus Deutschland im Präsidentenpalast empfing, habe die vorbildliche Zusammenarbeit zwischen Senegal und Deutschland betont und das Engagement Mario Ohovens für den Mittelstand – in Deutschland und weltweit – gewürdigt. „Den Teilnehmern wurde während des Treffens der Senegal Emergent Plan (PSE) vorgestellt, der derzeit als die wichtigste wirtschafts- und sozialpolitische Entwicklungsstrategie des Landes gilt“, berichtet Lehner weiter. Außerdem sei ein Memorandum of Cooperation Agreement zwischen dem BVMW e. V. und dem Wirtschaftsrat Senegals (CDES) unterzeichnet worden. CDES unterstütze kleine und mittelständische Unternehmen aus dem Senegal zum Beispiel beim Eintritt in den europäischen Markt. Weitere Treffen der Delegation habe es u.a. mit Finanz- und Haushaltsminister Abdoulaye Daouda Diallo, dem ehemaligen Premierminister und derzeitigen Präsidenten der Nationalversammlung, Moustapha Niasse, dem deutschen Botschafter sowie Vertretern der deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Förderbank KfW im Senegal gegeben. Konkrete Projekte mit der Regierung des Senegal, der KfW und vor allem der GIZ, seien, wie Lehner berichtet, im Senegal in Planung. „Auch für Mittelständler aus der Region bieten sich im Senegal Chancen“, so der BVMWKreisvorsitzende und steht als Ansprechpartner interessierten Unternehmen zur Verfügung.
5.11.19

 

 

Unternehmer zeigen Interesse an Afrika

Das Interesse des Mittelstandes im Landkreis Göppingen an einem Engagement in Afrika ist da. Dieses Fazit zog Lothar Lehner (Geislingen), der Kreisvorsitzende des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) nach einer Veranstaltung des deutsch-afrikanischen Unternehmernetzwerkes Mittelstandsallianz Afrika, die in Korntal-Münchingen stattfand und an der zahlreiche BVMW-Mitglieder aus dem Landkreis Göppingen und Umgebung teilnahmen. Eröffnet wurde die Veranstaltung durch den Franktionsvorsitzenden der CDU im Landtag von Baden-Württemberg, Prof. Dr. Wolfgang Reinhart.

„Erfolgreich nach Afrika – Wie der deutsche Mittelstand in Afrika Fuß fassen kann“ – zu diesem Thema führte das deutsch-afrikanische Unternehmernetzwerk Mittelstandsallianz Afrika des BVMW in Zusammenarbeit mit der Agentur für Wirtschaft und Entwicklung (AWE) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) eine Informationsveranstaltung durch.Vorträge und Diskussionsrunden informierten mittelständische Unternehmen über Marktanalyse- und Finanzierungsmöglichkeiten im Afrikageschäft. Prof. Dr. Jürgen Bode (BRS Institut für Internationale Studien an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg) stellte erstmals den Mittelstandsindex Afrika vor, der als innovatives Marktanalyseinstrument deutschen Mittelständlern den Eintritt in die afrikanischen Märkte erleichtern soll. Über Finanzierungsmöglichkeiten eines Afrika-Engagements wurde auf der Tagung ebenfalls informiert.

Einer der Teilnehmer war auch Michael Hettich von der Hecht Electronic AG aus Besigheim bei Stuttgart, die optische Messgeräte für Möbel und Gehrungssägen für Holz- und Aluminiumprofile herstellt. Vor sechs Jahren stieg das mittelständische Unternehmen in den afrikanischen Markt ein. „Partner wie das deutsch-afrikanische Unternehmernetzwerk Mittelstandsallianz Afrika des BVMW sind wichtig für den erfolgreichen Schritt deutscher KMU nach Afrika“, lobte der Geschäftsführer. Lob für das Treffen gab es auch von Unternehmern aus dem Landkreis Göppingen, so Lothar Lehner. Die aufgezeigten Hilfen von staatlicher Seite und von den beteiligten Organisationen bei einem unternehmerischen Engagement auf dem afrikanischen Kontinent hätten ebenso beeindruckt wie die aufgezeigten Potenziale, über die die afrikanischen Länder verfügen.Neben deutschen nahmen auch kleine mittelständische Unternehmen aus Frankreich, der Elfenbeinküste und der Türkei an dem Netzwerktreffen teil. Die Veranstaltung war Teil einer BMZ-Roadshow zum Entwicklungsinvestitionsfonds der Bundesregierung mit rund 20 von der AWE organisierten Terminen.

Infos: https://www.wirtschaft-entwicklung.de/index.php?id=362&L=0
26.10.19

 

 

 

Ist der Wohlstand für alle in Gefahr?


Wie die Soziale Marktwirtschaft im Zeitalter der Digitalisierung gerettet werden kann.

Ein BVMW-Interview mit Professor Markus Mändle

 

Die Soziale Marktwirtschaft eines Ludwig Erhards gerät im Zeitalter der Globalisierung und Digitalisierung zunehmend in Gefahr. Muss sie aber nicht, wenn jetzt schnellstens in Qualifizierung, Bildung, Mobilität und Netzausbau investiert wird, meint Markus Mändle, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Mit Mändle sprach Lothar Lehner, Repräsentant des BVMW-Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft in der Region Stuttgart.

"Die Wirkungen der ,Industrie 4.0' bergen vor allem für Baden-Württemberg gewisse Beschäftigungsrisiken", so Professor Markus Mändle. Fotos: Rüdiger Gramsch

Warum ist die Soziale Marktwirtschaft in Gefahr?

Mändle: Mit der Idee der Sozialen Marktwirtschaft wird das Versprechen verbunden, Wohlstand, soziale Sicherheit, und die Teilhabe ansteigender Produktivität für breite Bevölkerungsschichten zu ermöglichen. Für Alfred Müller-Armack, den eigentlichen Schöpfer des Begriffs der „Sozialen Marktwirtschaft“, wird dies vor allem durch zwei Prinzipien erreicht: den Schutz des Wettbewerbs und den sozialen Ausgleich. Nach Ansicht von Ludwig Erhard, dem „Vater des Wirtschaftswunders“, ist es primär die Leistungsfähigkeit der Marktwirtschaft und die Wirkung des Wettbewerbs, die den „Wohlstand für alle“ schafft, so lautet ja auch der Titel seines bekannten Buches. Momentan erleben wir Megatrends der Globalisierung und Digitalisierung mit massiven ökonomischen und technologischen Veränderungen. Es besteht die Sorge, dass die Soziale Marktwirtschaft angesichts dieser Herausforderungen nicht mehr in der Lage sein wird, ihr Versprechen vom „Wohlstand für alle“ einzulösen. Globalisierung und Digitalisierung haben für Wirtschaft und Gesellschaft gravierende Folgen – vor allem auch für die Beschäftigungssituation.


Wie sehen diese Folgen aus?
Mändle: Studien prognostizieren, dass allein in Deutschland in den nächsten fünf Jahren mehr als drei Millionen Arbeitsplätze wegfallen könnten, weil Maschinen den Menschen ersetzen. Natürlich werden auch viele neue Arbeitsplätze entstehen, nur ist deren Zahl schwer vorhersehbar. Es kommt darauf an, wie gut sich unser Land für den Strukturwandel wappnet.


Wo gehen die Arbeitsplätze verloren?
Mändle: Vor allem dort, wo menschliche Arbeit infolge von Routinen durch Automaten, Algorithmen und Künstliche Intelligenz ersetzt werden kann. Das, was wir in der Vergangenheit schon in der industriellen Produktion erlebt haben – der Fließbandarbeiter wurde durch den Industrieroboter ersetzt – wird sich mittel- bis längerfristig in vielen anderen Bereichen unserer Wirtschaft wiederholen. Das betrifft teilweise schon jetzt die Kassiererin im Supermarkt, irgendwann auch den Berufs-Kraftfahrer - Stichwort autonomes Fahren -, sowie Mitarbeiter in Banken, Versicherungen und der verarbeitenden Industrie. Die Wirkungen der "Industrie 4.0" bergen vor allem für Baden-Württemberg gewisse Beschäftigungsrisiken.


Dann wird der Mensch als Arbeitskraft nicht mehr benötigt?
Mändle: So pessimistisch darf man das nicht sehen. Durch die Digitalisierung entstehen ja auch laufend neue Arbeitsplätze. Etwa bei der Entwicklung, beim Verkauf und der Betreuung der neuen Technologien. Heute brauchen Unternehmen Webmaster und Experten für digitale Datensicherheit, vor 30 Jahren wusste noch niemand, was das ist. Die Arbeit wird uns nicht ausgehen, aber sie wird sich verändern. Darauf müssen wir uns vorbereiten. Und: Arbeitsplätze werden vorerst dort erhalten bleiben, wo der Mensch heute noch besser ist als die Maschine. Dies sind Tätigkeiten, bei denen es auf menschliche Stärken ankommt, wie Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Kreativität, komplexes Problemlösen und kritisches Denken. Beispielsweise im Erziehungs-, Gesundheits- und Sozialbereich, in der Wissenschaft, bei Ingenieuren und Journalisten, im Fachhandwerk, bei der Kundenberatung oder bei Managementfunktionen.


Wie wirkt sich das auf den Arbeitsmarkt aus?
Mändle: Insgesamt gesehen, verliert die Arbeit ökonomisch an Wert. Digitalisierung wirkt am Arbeitsmarkt wie eine plötzliche Steigerung des Arbeitskräfteangebots, was die Löhne im Durchschnitt unter Druck setzt. Sind Arbeitskräfte ersetzbar, verlieren sie zudem an Marktmacht, was ihre Chance verringert, an Produktivitätsfortschritten teilzuhaben. Dagegen wird sich - schon rein aus demografischen Gründen - die
Knappheit der nicht ersetzbaren Fachkräfte mit speziellem Wissen und Fähigkeiten weiter erhöhen. Wir sehen das heute bereits am viel beklagten Fachkräftemangel. Es besteht die Gefahr einer zunehmenden Spaltung des Arbeitmarktes: Für die einen werden die Löhne aufgrund einer höheren Grenzproduktivität weiter steigen, für die anderen werden sie sinken, zumindest relativ. Für Menschen mit geringerer Qualifikation wird es somit immer schwieriger, ihren Lebensunterhalt menschenwürdig aus eigener Kraft zu finanzieren und an Wohlstandsgewinnen teilzuhaben. Hier sind soziale Konflikte absehbar.

 

Und wie ist die Soziale Marktwirtschaft zu retten?
Mändle: Mindestlöhne können das Problem etwas abmildern, bergen aber ab einer gewissen Höhe die Gefahr, dass sie die Wettbewerbsfähigkeit der Menschen gegenüber den Maschinen verschlechtern, und so die Automatisierung am Ende noch begünstigen. Wichtig wäre es, die Menschen möglichst gut für die Erfordernisse des zukünftigen Arbeitsmarktes zu qualifizieren. Hierfür reicht es aber nicht aus, die Schulen lediglich mit schnellem Internet und digitalen Werkzeugen auszustatten. Die Arbeitskräfte von morgen müssen mit den neuen Technologien kreativ, innovativ und vor allem verantwortungsbewusst umgehen.


Das qualifiziert dann für die Arbeit der Zukunft?
Mändle: Nicht ganz. Jemand, der ein Tablet bedienen kann, besitzt nicht automatisch die Fähigkeit zu komplexem Problemlösen, Kommunikation und kritischem Denken. So antiquiert das klingt: Ich glaube, der beste Schutz für junge Leute, nicht irgendwann von einem Roboter ersetzt zu werden, ist eine vielseitige humanistische Bildung, die Fachwissen und Werte vermittelt. Es ist eine unsinnige Vorstellung, zu glauben, Fachwissen sei heute unnötig und es reiche aus, wenn man wisse, wo etwas geschrieben stehe. Nur jemand mit Fachwissen kann Daten und Informationen vernünftig bewerten, gewichten und einschätzen. Schließlich ist ja einer, der alle medizinischen Begriffe googelt, noch kein Arzt.


Reichen Qualifizierung und humanistische Bildung aus?
Mändle: Nein. Es bedarf auch neuer sozialpolitischer Konzepte, da nicht alle Menschen die Anforderungen des Arbeitsmarktes werden erfüllen können. Hier befinden wir uns mitten in einem kontroversen Diskussionsprozess, etwa um das bedingungslose Grundeinkommen. Neben Qualifikation und Sozialpolitik sind aber auch erhebliche Investitionen in die Infrastruktur notwendig, um langfristig Wohlstand zu schaffen. Dies sind vor allem Investitionen in Mobilität, Schulen, Hochschulen und
den Netzausbau. Hier haben wir bekanntlich noch erhebliche Infrastrukturdefizite, denken wir etwa an den Zustand mancher Schulgebäude, die Probleme bei der Deutschen Bahn, die Dauerstaus, die Funklöcher, oder das Fehlen einer schnellen Internetverbindung in ländlichen Regionen. Schließlich brauchen wir auch neue Regeln für die Wettbewerbspolitik. Mit fortschreitender Digitalisierung wächst die Bedeutung von Größenvorteilen und Netzwerkeffekten, die tendenziell den Wettbewerb beschränken. Aufgabe der Wettbewerbspolitik wird es sein, geeignete Regeln zu finden, um mit der neu entstandenen Marktmacht in der digitalen Ökonomie umzugehen.


Können Sie da ein Beispiel nennen?
Mändle: Der gezielte Aufkauf von Start-ups durch marktmächtige Anbieter, um etwaige Konkurrenz zu unterbinden oder Know-how zu transferieren. Da gilt es zu prüfen, wann ein solcher Aufkauf sinnvoll ist, wann problematisch. Wenn zu früh eingegriffen wird, um ein Umkippen des Marktes in ein Monopol zu verhindern, kann das auch als Innovationsbremse wirken. Gesetze mit unklaren Rechtswirkungen stellen ein weiteres Problem dar. Nehmen wir die Datenschutz-Grundverordnung als Beispiel: Sie verfolgt ohne Zweifel ein richtiges und wichtiges Ziel, nämlich den Schutz personenbezogener Daten. Dabei zielte man vor allem auf die Giganten der Datenökonomie, erzeugte aber gleichzeitig bei kleinen und mittelständischen Unternehmen, bei Verwaltungen, Vereinen und Privatpersonen einen unverhältnismäßigen Bürokratieaufwand und vor allem massive Verunsicherung. Ich erinnere mich noch an die Sorge der Vermieter, sie müssten jetzt alle Klingelschilder abmontieren, um nicht gegen den Datenschutz zu verstoßen.


Eine Forderung an die Politik, Gesetze klar und eindeutig zu formulieren?
Mändle: Schon Walter Eucken, ein wichtiger Vordenker der Sozialen Marktwirtschaft, forderte, dass staatliche Maßnahmen berechenbar und transparent sein sollen. Besteht Unklarheit darüber, welche Regelungen aktuell und zukünftig gelten, halten sich Investoren und Konsumenten zurück, siehe Dieselproblematik. Die Politik muss hier klare, möglichst wettbewerbsneutrale und technologieoffene Regelungen vorgeben, auf die man sich langfristig verlassen und einstellen kann. Gesetze, die zunächst einer richterlichen Interpretation bedürfen, aber auch die aktuell diskutierte Vorstellung, es sei die Aufgabe des Staates, gewissermaßen als besserer Unternehmer, "nationale Champions" zu erschaffen, hätte Ludwig Erhard vermutlich nicht gut gefunden.

 


Zur Person


Prof. Dr. Markus Mändle, Jahrgang 1967, geboren in Geislingen/Steige, studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hohenheim, wo er zum Doktor der Wirtschaftswissenschaften promovierte. Seit 2002 ist er Inhaber der Professur für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Kooperationswesen an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU). Er leitet an der HfWU das von ihm gegründete Institut für Kooperationswesen (IfK) und ist Mitglied des Instituts für Genossenschaftswesen an der Humboldt-Universität zu Berlin. Mändle ist Autor und Herausgeber zahlreicher Publikationen zu volkswirtschaftlichen, genossenschaftlichen und immobilienwirtschaftlichen Themen.

1.4.19

 

 

 

 

 

 

Physiotherapeuten arbeiten am Limit 

Kreis Göppingen. Wer einen Termin beim Physiotherapeuten braucht, der muss sich in Geduld üben. Eine Wartezeit von vier Wochen und mehr ist keine Seltenheit. Einer der Gründe: In den physiotherapeutischen Praxen fehlen Mitarbeiter und das vorhandene Personal arbeitet seit langem am Limit. 

In den physiotherapeutischen Praxen herrscht Alarmstimmung. Es fehlt vorne und hinten an Personal und der Markt ist wie leergefegt. „Wir haben offene Stellen und außerdem werden uns in den nächsten Monaten zwei Mitarbeiterinnen in Mutterschutz verlassen“, so beschreibt Gerhard Oechsle, der Geschäftsführer von Respofit in Geislingen, die Situation. In den letzten Jahren habe er zudem nur zwei Bewerbungen gehabt. Zu wenig, um den Personalbedarf mit qualifizierten Mitarbeitern zu decken.

Ähnliches berichtet auch Andreas Cerrotta aus seiner Praxis physiomed in Eislingen. Damit die Patienten nicht noch länger auf einen Termin warten müssen, springen er und seine Mitarbeiter in den regulären Pausen und am Feierabend ein. „Eine sehr unbefriedigende Situation, dauerhaft am Limit zu laufen. Das ist sehr ermüdend und demotivierend“, so Cerrotta.

Die aktuelle Situation in den Praxen bestätigt auch Patrick Schümann aus Geislingen. Der medizinische Masseur und Therapeut behandelt zwar nur Privatpatienten, doch deshalb sind seine Personalprobleme nicht gelöst. „Ich habe inzwischen sogar einen Personaldienstleister engagiert, der für uns Ausschau nach Mitarbeitern hält. Bislang jedoch mit wenig Erfolg. Ändert sich alsbald nichts, will Schürmann versuchen, aus dem benachbarten Ausland qualifizierte Kräfte anzuwerben.

 

Die Ebbe auf dem Arbeitsmarkt hat für die Physiotherapeuten gleich mehrere Ursachen. Zum einen ist es die dreijährige Ausbildung, die überwiegend in Privatschulen erfolgt. Die Gebühren sind von den Schülern zu tragen und liegen bei rund 400 Euro im Monat. Auch Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, die der Neueinsteiger nach der Ausbildung absolvieren sollte, um möglichst flexibel einsetzbar zu sein, trägt man selbst. „Das summiert sich ganz schnell auf hohe Beträge“, weiß Patrick Schürmann.

Geld, was man als dann gut qualifizierter Therapeut kaum wieder verdienen kann. Denn die Arbeit wird im Verhältnis zu anderen Berufen schlecht entlohnt. „Das was wir für unser Heilmittel bekommen liegt im Niedriglohnbereich. Kein Handwerker würde für einen solchen Stundenlohn arbeiten können und wollen“, so Andreas Cerrotta. Die Vergütung durch die Kassen sei so schlecht, dass sich die durch Hin- und Rückfahrt zeitintensiven Hausbesuche erst recht nicht mehr lohnen, weiß Gerhard Oechsle. Leidtragende seien hier vor allem die Gehbehinderten und Bewohner in Seniorenheimen. Gut ausgebildete Physiotherapeuten verdienen in den ersten Jahren selten mehr als 2000 Euro im Monat, weiß Cerrotta. „Zu wenig, um eine Familie zu unterhalten.“

Der demografische Wandel wird in den nächsten Jahren die Nachfrage nach Physiotherapie noch einmal erhöhen. Um den Zusammenbruch der Branche zu vermeiden, sei eine Reform der Ausbildung unumgänglich, meinen die Physiotherapeuten. Wie diese aussehen könnte, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Kostenlos müsste sie aber sein und eventuell bisherige Zusatzqualifikationen beinhalten. Auch die Akademi-sierung der Ausbildung, so wie in den meisten europäischen Ländern schon lange Praxis, könne der richtige Weg sein, um junge Menschen wieder für den Beruf zu begeistern.

Schließlich müsse die Bezahlung besser werden. Hier sehen die Therapeuten vornehmlich die Kassen in der Pflicht. „Die haben lieber mehrere Milliarden Euro auf der Seite, anstatt die Heilmittelvergütungen entsprechend heraufzusetzen“, schimpft Andreas Cerrotta. Gerhard Oechsle weiß von einem Modellprojekt mit Blanco-Verordnungen, wonach nicht mehr die Ärzte den Patienten die Therapie verordnen, sondern der Therapeut entscheidet, was für den Patienten richtig ist. „Gehört habe ich aber davon nichts mehr“, so Oechsle. Einer solchen Regelung könnte auch Patrick Schürmann etwas abgewinnen. Denn die Ärzte wissen seiner Meinung nach viel zu wenig über die Therapien. „Da werden manchmal 24 Behandlungen vom Arzt verordnet. Dabei sollte der Patient spätestens nach der dritten Behandlung schon eine Veränderung spüren“, so Schürmann. „Spürt er da nichts, macht auch die Weiterbehandlung wenig Sinn.“

Um mit den Kassen über neue Vergütungssätze zu verhandeln, bedürfe es einer starken Interessenvertretung der Physiotherapeuten. Diese sei aber nicht in Sicht. Es gebe zu viele Berufsverbände, weshalb hier die Schlagkraft nicht besonders hoch sei. „Es wäre besser, eine große Organisation zu haben, die dann auch gehört wird“, ist Gerhard Oechsle überzeugt. Immerhin arbeiten in Deutschland gut 150 000 Menschen in der Branche. Und die Krankenkasse? Die AOK Neckar-Fils in Esslingen sieht sich auch nach Rücksprache mit der Hauptverwaltung in Stuttgart kurzfristig nicht in der Lage, zur aktuellen Situation Position zu beziehen.
14.2.19

 

 

 

 

 

 

In dynamischer Zeit den Anschluss nicht verpassen

Tom Hill und Karlheinz Venter (v.l.) bei ihrem Vortrag in Schwäbisch Gmünd. Foto: BVMW/Rüdiger Gramsch

Schwäbisch Gmünd / Kreis Göppingen. Wie müssen mittelständische Unternehmen aufgestellt sein, damit ihr Geschäft auch in Zukunft noch ein Geschäft ist? Das Berater-Duo Tom Hill und Karlheinz Venter - Gesellschafter der Hillventer GmbH in Darmstadt - zeigte in einer Veranstaltung des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft (BVMW) auf, wie die Betriebe umgebaut werden müssen, um der hoch-dynamischen Entwicklung Rechnung zu tragen.

Die Weltwirtschaft verändert sich rasant, wer sich den Herausforderungen nicht stellt verliert schnell den Anschluss. Das machten Tom Hill und Karlheinz Venter in ihrem kurzweiligen Vortrag deutlich. Althergebrachte Strukturen in den Firmen seien überholt, konstatierten die Darmstädter und warfen das Unternehmensbild aus Zeiten einer schwach-dynamischen Entwicklung über Bord. Vorbei seien die Zeiten, in denen der Unternehmer entschieden habe, was für den Markt produziert werden muss, in denen mit den Mitarbeitern eine personenbezogene Information gepflegt wurde und ein Mitarbeiter im Betrieb mal eine innovative Idee hatte.

Flache Hierarchien seien heute gefragt. Die Firmenkultur präge ein mit den Mitarbeitern gemeinsam entworfenes Leitbild, die Entscheidungen darüber, was produziert werde, treffe man an der Schnittstelle zwischen Markt und Mitarbeitern. Der Chef glänze mit Kompetenz, Einfluss und Führungsqualitäten. Die Innovation komme von vielen, die sich an dem orientierten, was am Markt gebraucht werde. Da könne es sein, dass sich die Produkte rasend schnell ändern müssen, um das Unternehmen auf Erfolgskurs zu halten. Transparent und themenbezogen erfolge die Kommunikation. Das alles gehe einher mit einem sich wandelnden Arbeitsalltag. Hier seien Homeoffice und die Erreichbarkeit des Mitarbeiters rund um die Uhr die Schlagworte. Die Globalisierung und die Kommunikation, so die beiden Referenten, verändern tiefgreifend die Unternehmensstrukturen und genauso nachhaltig das Konsumverhalten. „Der Besteller ist nur einen Mausklick entfernt“, fassten es Tom Hill und Karlheinz Venter zusammen. Die Digitalisierung erfordere dank der damit einhergehenden Individualisierung ein neues Denken. Jeder könne sich heute seine ganz persönliche Mischung zusammenstellen und liefern lassen, erklärten die beiden beispielhaft die Entwicklung.

Alles Zukunftsmusik? Mitnichten. Tom Hill und Karlheinz Venter machten deutlich, dass man sich bereits mitten in der Zukunft befindet. Für sie höchste Zeit, den Unternehmensumbau anzugehen. Was in der Theorie allerdings einfach klingt, mag in der Praxis Probleme aufwerfen. Nicht immer ist der Chef zu den notwendigen Veränderungen bereit und wenn doch, dann gibt es immer wieder Mitarbeiter, die sich querlegen und die Notwendigkeit der Veränderungen nicht sehen wollen. „Von den Unverbesserlichen wird sich ein Unternehmen über kurz oder lang trennen müssen“, glauben Hill und Venter. Dass in den neuen Strukturen ein Unternehmen erfolgreich sein kann, bestätigte im anschließenden Gespräch der Inhaber eines Automobilzulieferer mit rund 300 Beschäftigten.

Bei den Referenten, die für ihren Vortrag viel Applaus erhielten und zur Diskussion beim anschließenden Mittagsimbiss anregten, sowie bei Gastgeber Rolf Fleury vom IT-Systemhaus Bürokom in Schwäbisch Gmünd bedankte sich BVMW-Kreisvorsitzender Lothar Lehner (Geislingen) mit in einem „Stauferkischtle“ verpackten regionalen Spezialitäten.

 

 

 

Almü wächst doppelt so schnell wie die Branche

 Firmenchef Markus Müller (2.v.r.) führt die interessierten Gäste durch den Rohbau.Markus Schneider von der Bauunternehmung Mörk informierte über Innovationen bei Gewerbebauten.Betriebsbesichtigung: Almü-Chef Markus Müller (links) in der Produktion, rechts im Bild der Kreisvorsitzende des BVMW, Lothar Lehner. Fotos: BVMW/Rüdiger Gramsch

Zell u. A. Der Präzisionswerkzeugmacher und Autozulieferer Almü in Zell u. A. platzt aus allen Nähten. Das Unternehmen, das eigenen Angaben zu Folge doppelt so schnell wächst wie die gesamte Branche, hat in unmittelbarer Nähe zum jetzigen Werk in knapp acht Monaten einen großzügigen Neubau erstellt. Zum Richtfest gab es für interessierte Unternehmer aus dem Bundesverband Mitteständische Wirtschaft (BVMW) und zahlreichen Ehrengästen bei einem Business-Lunch Informationen über das neue Gebäude. Zudem gewährte Firmenchef Markus Müller Einblick in den laufenden Betrieb in den benachbarten Produktionshallen.

Zu einer äußerst innovativen und kurzweiligen Mittagspause hieß der Leiter des BVMW Kreisverbands Göppingen, Lothar Lehner (Geislingen), die Gäste im gerade fertiggestellten Rohbau von Almü in Zell namens Geschäftsführung und Planungs- und Bauunternehmen Mörk willkommen. Unter den Besuchern auch die Präsidentin der Göppinger Wirtschaftsjunioren, Eva Geiselmann, den Kreisvorsitzenden der Mittelstandsvereinigung, Eduard Freiheit, den Geschäftsführer der Wirtschafts- und Innovationsgesellschaft im Landkreis (WIF), Reiner Lohse, sowie Vertreter der Gemeinde Zell. Lehner nutzte die Gelegenheit, den BVMW, in dem 700 000 Unternehmen mit elf Millionen Beschäftigte zusammengeschlossen sind und der über ein weltweites Netzwerk verfügt, vorzustellen. Er bedankte sich bei Almü-Chef Müller, der den Business-Lunch im Rohbau ermöglicht habe. Mehr Platz für Mitarbeiter und Maschinen benötigt Almü in Zell. Das vor über 30 Jahren vom Vater des jetzigen Firmenchefs in einer Garage gegründete Unternehmen wächst seit fast zehn Jahren rasanter als der

Markt. Inzwischen stellen 50 Mitarbeiter die vor allem in der Automobilindustrie gefragten Präzisionswerkzeuge her – Tendenz steigend. Die Fertigstellung des Rohbaus nahmen Firmenchef Markus Müller und das auf Industrie- und Gewerbebauten spezialisierte Unternehmen Mörk aus Leonberg zum Anlass, interessierte Unternehmer aus der Region über den Betrieb, aber auch über innovatives Bauen zu informieren.
Markus Schneider von Mörk hielt für bauwillige Unternehmer jede Menge Tipps parat. Anhand von bereits realisierten Gebäuden zeigte Schneider auf, wie heute zukunftsträchtig in einen Firmen-Neubau investiert wird. Er riet dazu, sich in der Planungsphase Zeit zu lassen. Das sei auch bei Almü so gewesen. Ein gutes Jahr habe man geplant, drei Entwürfe landeten im Papierkorb. Der vierte Entwurf vereinte dann alle Anforderungen an das Projekt und begeisterte mit seiner Architektursprache. Wer neu baut, der sollte von innen nach außen planen, so Schneider. Künftige Produktionsabläufe seien ebenso mit einzubeziehen, wie die - künftige - Organisationsstruktur im Büro und die Bedürfnisse der Mitarbeiter. Auch technische Entwicklungen – Stichwort: Digitalisierung – sollten berücksichtigt werden. Zu erfüllen seien auch die Auflagen im Umweltbereich, zum Beispiel mit modernster Haustechnik, sowie beim Brandschutz. Ins Auge fassen sollte man bei der Planung auch, dass das Gebäude später eventuell auch ganz anders genutzt werden könnte. Höhere Räume vor allem im Erdgeschoss und hohe Lasten tragende Bodenplatten ermöglichen beispielsweise auch andere Nutzungen in dem Gebäude. Ein Treppenhaus mit Weitsicht an die richtige Stelle gesetzt, spart Kosten bei einem Erweiterungsbau. Kosten sparen ließen sich auch, wenn man Zeit bei der Realisierung mitbringt. Angesichts der aktuell guten Auftragslage im Baubereich seien kaum Firmen zu günstigen Baupreisen zu gewinnen. Es gelte, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, um Baufirmen für sein Vorhaben zu finden.
Für Almü in Zell hat Mörk einen dreigeschossigen Neubau mit 1.330 Quadratmeter Nutzfläche in Ellipsenform realisiert und neben Beton auch viel Glas verbaut. Helle Räume für die Mitarbeiter waren wichtig. Im Erdgeschoss hält die Produktion Einzug, die Maschinen sollen entlang
der Außenwand mit der Rückseite zu den Fenstern aufgebaut werden. Das erste Obergeschoss ist für Büros vorgesehen, auch für Freelancer. Das Unternehmen kooperiert mit Partnern im Ausland, deren Mitarbeiter nur für wenige Tage nach Zell kommen. „Aber auch die brauchen Platz“, so Firmenchef Müller. Im zweiten Obergeschoss können die Mitarbeiter vom Casino, von den geplanten Tagungs- und Seminarräumen oder von der Terrasse aus, einen herrlichen Blick auf die Voralb Landschaft genießen. Das Treffen endete mit einer Besichtigung der derzeitigen Produktionsstätten von Almü.

 

 

 

 

Die Welt steht vor gravierenden Umbrüchen

 

Auch Deutschland steht in den nächsten Jahren in vielen Bereichen vor großen Umbrüchen. „Was heute viele noch gern mit dem Satz: „Das dauert ja noch“ abtun, ist schneller Realität als gedacht“, so BVMW-Kreisvorsitzender Lothar Lehner (Geislingen) bei dem von rund 35 Unternehmern besuchten Treffen.

 

Schlaglichtartig stellten mehrere Referenten in kurzen Statements vor, wo und wie sich die Welt in den nächsten Jahren verändert wird. Dipl.-Ing. Axel C. Burgbacher (Göppingen) erläuterte mit Beispielen das Zukunfts­thema Blockchain, das vor allem die Bankenwelt verändern wird. Blockchain, 2008 von jenem unbekannter Japaner ins Netz gestellt, der auch die Idee zum Bitcoin hatte, sieht Blockchain Geldüberweisungen ohne Einbeziehung der Banken vor. Jeder kann jedem direkt Geldbeträge anweisen. Bis in fünf Jahren, so schätzt Experte Burgbacher – von Lothar Lehner auch gerne als der „Daniel Düsentrieb des Landkreises“ bezeichnet  - dürfte sich Blockchain durchsetzen.

 

Wie gravierend die bevorstehenden Veränderungen sind, zeigte auch Ulrich Semle aus Wäschenbeuren auf und sprach von einer mental-geistigen oder spirituellen Revolution. Anzeichen dafür seien Klimaveränderungen, eine völlig anders als gewohnte verlaufende Fußball-WM, die Wahl des US-Präsidenten Trump, Mitarbeitermangel in den Unternehmen. All das hänge miteinander zusammen. Wachsende geistige Armut und ein tiefgreifender Wertewandel würden den Veränderungen Vorschub leisten. Die Kinesiologin Claudia Körper aus Bad Boll, viele Jahre Unternehmensberaterin bei Ernst & Young, zeigte auf, wie die Menschen angesichts der bevorstehenden Veränderungen im Gleichgewicht bleiben können. Dabei gelte es, das persönliche Potential zu entdecken, zu erweitern und zu nutzen.

 

Dass es im Leben im wahrsten Sinne auf die Haltung ankommt, führten Dr. Felicitas Stieber (Owen) und Patrick Schürmann (Geislingen) vor. Stieber, die eine mobile Chiropraxis für Pferde und Kleintiere betreibt, sieht sich u.a. gefordert, wenn ein Reiter Schmerzen an der Wirbelsäule hat, oft einer falschen Haltung im Sattel geschuldet. Da muss nicht nur der Reiter behandelt werden, denn oft hat auch das Pferd Probleme und Ursache für die falsche Reiterhaltung. Ihre Behandlungsmethoden haben auch schon so manch gelähmten Hund wieder auf die Sprünge geholfen. Körper, Geist und Seele sind stets als eine Einheit zu betrachten, so der Masseur und Ostheopath Patrick Schürmann von der Massage- und Therapiepraxis Bodywell. Das heißt für ihn, den Schmerz nicht lokal zu behandeln, sondern nach der Ursache zu forschen. „Wir fangen da an, wo die Schulmedizin oft aufhört“, so der Manualtherapeut und berichtete von an den Rollstuhl gefesselte Menschen, die nach der Behandlung wieder Laufen konnten.

 

Wie stark sich Konflikte unter Mitarbeitern auf die Wirtschaftsleistung in Unternehmen auswirken, zeigte Ralf Hartdegen von Filstal-Mediation (Süßen) auf. Deshalb gelte es, Konflikte richtig aufzuarbeiten und nicht nur nach schnellen Kompromissen zu suchen. Der Mediator sei kein Richter oder Schlichter, sondern jemand, der helfe, die Ursachen des Konflikt zu finden und die Beteiligten auf dem Weg zur Lösung begleitet. Weitere Schlaglichter warfen am Abend der Coach Gerhard Müller und Rainer Bachmann aus Deggingen zum Thema virtuelle Messen.

 

Lothar Lehner nutzte das Unternehmer-Treffen auch, um gegen die geplante Datensteuer zu wettern. Diese bedeute nicht nur einen weiteren bürokratischen Aufwand für die Betriebe, sondern auch zu weiteren, zum Teil existenzbedrohenden Kosten. Lehner appellierte an die Politiker, die Finger von diesen Plänen zu lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

         

 

 

            
  

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