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BVMW

Digitalisierung: Viele Firmen hinken hinterher  

Kreis Göppingen. Viele kleine und mittelständische Unternehmen in der Region Stuttgart hinken der schnell fortschreitenden Digitalisierung hinterher und sind hinsichtlich der konkreten Auswirkungen auf ihr zukünftiges Geschäft immer noch unzureichend informiert. Darauf hat jetzt der Kreisvorsitzende des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft (BVMW), Lothar Lehner, hingewiesen und beruft sich auf zahlreiche Unternehmergespräche in letzter Zeit. Die Lücken in der Digitalisierung führt Lehner auf nicht bzw. zu wenig vorhandene digitale Fachkompetenzen in den Betrieben zurück.  

„Viele Unternehmen werden von der Entwicklung im Bereich Digitalisierung überrollt“, zeichnet BVMW-Kreisvorsitzender Lothar Lehner ein Bild von der Lage insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen im Landkreis Göppingen und Umgebung. Eine Einschätzung, die auch Jürgen Kreuzer, ebenfalls Mitglied im BVMW, teilt. Der Softwareentwickler und Inhaber der Process and Automation Software in Neuhausen auf den Fildern kennt die Situation der Betriebe in der Region so gut wie kein Zweiter, hilft er doch schon seit vielen Jahren Firmen bei der Digitalisierung auf die Sprünge und weiß, wo den Unternehmern der Schuh drückt.  

„Viele Firmen stehen inzwischen mit dem Rücken an der Wand“, schildert Kreuzer die Lage. Viel zu lange hätten Unternehmer die Digitalisierung auf die leichte Schulter genommen und gemeint, wenn man über E-Mail, Excel und ein ERP-Programm verfüge, sei digitalisiert genug, weiß Kreuzer. Über lange Zeit hinweg hätten viele Firmeninhaber die Dimension der Digitalisierung sowie deren Auswirkungen auf konkrete Geschäftsabläufe nicht fokussiert und sich damit auch nie ernsthaft mit den tatsächlichen Notwendigkeiten auseinandergesetzt. „Oft haben nicht qualifizierte Mitarbeiter die Digitalprojektierung aufs Auge gedrückt bekommen und sollten diese dann mal so nebenher, zu ihren üblichen Aufgaben, durchführen. Dann gab es noch einen ein- oder zweitägigen Workshop und schon sollte es losgehen. Von dem, was dabei rauskam, kann ich inzwischen ein Lied singen“, berichtet Diplom-Ingenieur Kreuzer, der mit seinem Team etwa 20 Firmen im Jahr ins digitale Zeitalter versetzt, aus seinen Erfahrungen.   

Inzwischen sei die Digitalisierung soweit fortgeschritten, dass selbst teure Schulungen von Mitarbeitern den Nachholbedarf in den Firmen nicht wettmachen können. „Fort- und Weiterbildungen dauern zu lange und zudem fehlt dann immer noch die notwendige Erfahrung im Umgang mit der Digitalisierung. Die Lösung: Unternehmen, die jetzt erst so richtig loslegen, müssen sich hochqualifizierte Mitarbeiter, mit Erfahrung im Bereich Digitalisierung/Industrie 4.0 einkaufen. „Diese müssen dann die Digitalisierung im Unternehmen voranbringen und die Projekte aktiv planen und umsetzen. Und zwar als alleinige Aufgabe. Diese Mitarbeiter müssen direkt der Geschäftsleitung unterstellt sein und von dieser aktiv unterstützt werden“, rät Kreuzer. „Es ist die einzige Chance, das Thema noch in einem adäquaten Zeitrahmen umzusetzen.“   

Allerdings: Die notwendigen Informatiker und Softwareentwickler sind auf dem Markt derzeit so gut wie nicht zu bekommen – und eben mal schnell schon gar nicht.  Kreuzer weiß wovon er spricht, sucht er doch selber weitere Mitarbeiter, um die starke Nachfrage der Unternehmen bedienen zu können. „Bis wir da jemanden haben, ist ein halbes Jahr rum“. Lehner: „Umso wichtiger ist es, dass gerade kleine und mittlere Unternehmen über ein leistungsfähiges Beziehungs-Netzwerk auf Geschäftsebene verfügen.“  

Dass sich die Digitalisierungsproblematik aktuell so zuspitzt hängt nach Meinung Kreuzers mit dem hohen Grad der Digitalisierung bei den großen Unternehmen zusammen, die ganze Heerscharen an Softwareentwicklern und Informatikern beschäftigen. „Viele unserer Betriebe hier in der Region sind Zulieferer für die Großen. Und wenn die auf einem gewissen Digitalisierungslevel sind, stehen kleine Betriebe, die mit der Digitalisierung noch in den Kinderschuhen stecken, vor großen Herausforderungen.  

 „Die digitale Aufholjagd haben die Unternehmer weitestgehend selbst zu lösen. Die aktuell bestehenden Förderprogramme bilden allenfalls den berühmten Tropfen auf den heißen Stein. Sie müssen diese Entwicklung jetzt mit Priorität 1 angehen und auch entsprechende Budgets zur Verfügung stellen“, analysiert Lehner kritisch.  „Die Kammern und Berufsverbände haben nicht früh und laut genug darauf hingewiesen, wie notwendig in diesem Bereich ein Engagement ist“, so Kreuzer ergänzend. Erst als mehr und mehr das Schlagwort von der Industrie 4.0 die Runde machte, sei vielen bewusst geworden, dass man die Digitalisierung nicht weiter als „lästiges Übel“ oder „Spinnerei“ von wenigen Einzelnen vor sich herschieben kann. In anderen Industrieländern sei man mit der Digitalisierung schon um einiges weiter, berichtet Kreuzer. Und nicht nur da. Selbst in den so genannten Schwellenländern spiele man schon in einer anderen digitalen Liga als hier in Deutschland.   

Dass der rückständige Digitalisierungsgrad in den kleinen Unternehmen mit der schlechten Infrastruktur im Datennetz zusammenhängen könnte, will Kreuzer nicht abstreiten. „Wir haben ja alle auf die Cloud gesetzt, um größere Datenmengen zu speichern. Doch davon sind wir jetzt wieder weg, nachdem man gerade auch im ländlichen Raum auf Grund des schlechten Netzes acht, zehn Minuten warten muss, bis eine größere Datenmenge wieder am Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Das ist niemandem, der mit Daten arbeiten muss, zuzumuten“, beschreibt Kreuzer ein Beispiel für den Zustand der Infrastruktur, die sich erst jetzt langsam verbessere.   

Lothar Lehner beobachtet die Situation bei der Digitalisierung mit großer Sorge. Für die Unternehmen falle der Aufholprozess in diesem Bereich mit dringend notwendigen Innovationen und Investitionen im Produktionsprozess zusammen. „Für viele kleine und mittlere Betriebe ist diese Doppel-Belastung, auch unter dem Aspekt der Finanzierung, kaum noch zu bewältigen,“ ist sich der BVMW-Kreisvorsitzende sicher.  Lehner appelliert deshalb an die Politik, für kleine und mittlere Unternehmen, Finanzierungsprogramme aufzulegen, die vom üblichen Rating-Verfahren entkoppelt werden, z. B. auch durch innovative Beteiligungsmodelle von Förderbanken, die über das bestehende Angebot deutlich hinaus gehen. Lehner weiter: „Die Digitalisierung von Produktionsabläufen und deren Vernetzung bringt schnell 30 bis 40 Prozent Produktivitätssteigerungen, die hierfür notwendigen Investitionen liegen auf der anderen Seite auch bei kleineren Unternehmen regelmäßig im fünf- oder sechsstelligen Bereich.
17.2.20

 

 

 

Russisches für Gaumen und Kehle

Irene Beifuss aus Süßen will Köchen und Barkeepern russische Spezialitäten schmackhaft machen. Foto: Privat

Süßen. Auf der vom 15. bis 19. Februar in Stuttgart stattfindenden „Intergastra“, der Leitmesse für Hotellerie und Gastronomie, stellt sich erstmals die IBF Logistik & Trade GmbH aus Süßen der Öffentlichkeit vor. Das Unternehmen von Irene Beifuss will die Messebesucher von internationalen Spezialitäten, insbesondere aus Russland, überzeugen. Den Auftritt auf der internationalen Messe freut auch Lothar Lehner, Kreisvorsitzender des Bundes für mittelständische Wirtschaft (BVMW): „Irene Beifuss gehört zu den jüngsten und erfolgreichsten Unternehmerinnen im Kreisverband“, so Lehner.

Der Handel mit Lebensmitteln, vor allem aus Osteuropa, hat in der Familie von Irene Beifuss Tradition. Schon seit vielen Jahren beliefert diese vor allem russische Lebensmittelmärkte in Deutschland und dem benachbarten Ausland. Mit ihrer 2018 gegründeten Firma will Irene Beifuss nun das Kundenportfolio ergänzen und Spezialitäten aus Osteuropa nicht nur in den Märkten, sondern auch in der Hotellerie und Gastronomie schmackhaft machen. Denn in den Küchen und an den Bars sei man immer auf der Suche nach etwas Neuem, weiß die junge Unternehmerin, die in Kasachstan geboren und in Geislingen zur Schule gegangen ist. Dabei setzt sie nicht nur auf die ethnische Gastronomie, sondern vor allem auf die deutsche Küche, in der Köche immer nach neuen Geschmacksrichtungen suchen.

Von der Fünf-Täler-Stadt im Kreis Göppingen zog es Irene Beifuss hinaus in die Welt. In der USA nahm sie eine Au-Pair-Stelle an, bevor sie in Österreich an den Hochschulen in Steyr und Graz studierte und ihren Bachelor und Master u.a. in Global Sales und Marketing ablegte. Hongkong und Chile waren ihre Auslandsstationen. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland begann sie bei der Opel-Bank in Rüsselsheim ein dreijähriges Trainee, unter anderem mit einem Schwerpunkt internationales Projektmanagement. Danach stand die Entscheidung an, sich entweder um einen Job in einem großen Unternehmen zu kümmern oder den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Sie entschied sich, in den Landkreis Göppingen zurückzukommen, wo sie nun seit 2018 ihre eigene Firma aufbaut.

„Jetzt ist es soweit, mich das erste Mal auf einer Messe zu präsentieren,“ erzählt Irene Beifuss und freut sich auf die „Intergastra“, auf der sie einen Messestand in Halle 1 (Stand K76) gebucht hat. Dort will sie mit einer kleinen Auswahl aus ihrem großen Sortiment – Produkte aus über 20 Ländern - überzeugen. Unter anderem mit Kaviar, den sie bereits unter einer Eigenmarke vertreibt, aber auch mit Torten und Törtchen will sie die Messebesucher begeistern. Ferner stellt sie am Stand eine russische Limonade vor, ein Getränk mit Limette und Minze, das man sehr gut als Erfrischungsgetränk zu sich nehmen kann, das sich aber – und hier schielt die Jung-Unternehmerin vor allem auf die Barkeeper - auch als Mixgetränk für Cocktails bestens eignet. Köche will die Süßenerin mit Salaten und eingelegten Leckereien begeistern und auch Appetit auf die von ihr angebotenen Wurstspezialitäten machen.

Was Irene Beifuss auf der „Intergastra“ präsentiert ist nur ein kleiner Ausschnitt aus ihrem großen Sortiment mit Fleisch- und Fischspezialitäten, Tiefkühlware, Getränken, Konserven, Süßigkeiten und Milcherzeugnissen, mit dem sie schon zahlreiche Kunden begeistern konnte. „Auch einige Rewe Filialen beziehen schon Produkte von uns“, erzählt die junge Frau stolz.

Der Handel mit osteuropäischen Produkten ist das eine, das andere die Logistik. „Die soll einmal ein zweites Standbein für das Unternehmen werden“. Derzeit bringt Irene Beifuss ihren Kunden in Baden-Württemberg und Bayern noch persönlich die Ware ins Haus, Besteller von weiter weg erhalten die Produkte dann über einen Logistik-Partner. BVMW-Chef Lothar Lehner, der den Weg der Jung-Unternehmerin von Anfang mit verfolgt hat, ist überzeugt, dass diese ihre gesteckten Ziele erreichen wird. „Diese Frau hat die nötige Power.“
13.2.20

 

 

 

Auszeichnung für Lothar Lehner

Lothar Lehner wurde vom BVMW ausgezeichnet. Foto: Privat

Kreis Göppingen. Lothar Lehner, Geschäftsführer der Lehner Management GmbH in Geislingen und selbstständiger Repräsentant des Mittelstandsverbandes im Landkreis Göppingen und Umgebung, wurde vom Unternehmerverband BVMW in Berlin für „seine herausragenden Leistungen und seinen vorbildlichen Einsatz um den Bundesverband mittelständische Wirtschaft ausgezeichnet. Präsident Mario Ohoven bescheinigte dem BVMW-Kreisvorsitzenden, einen wichtigen Beitrag in der Mitgliedergewinnung und - betreuung geleistet und den unternehmerischen Mittelstand in Deutschland wirksam und erfolgreich unterstützt zu haben. Als Leistungsträger des BVMW erhielt Lehner eine Einladung zur Teilnahme an der Bildungsreise 2020 des Verbandes. Der BVMW sieht sich als politische Interessensvertretung des Mittelstandes und bietet seinen Mitgliedern auf regionaler Ebene zahlreiche Möglichkeiten des Netzwerkens. Darüber hinaus organisiert der Verband Veranstaltungen zu aktuellen Wirtschaftsthemen mit Referenten aus der Praxis.
7.2.20

 

 

 

BVMW: Kretschmann hat den Ball

Kreis Göppingen. Mit großem Interesse verfolgt der Mittelstandsverband BVMW im Kreis Göppingen die Bemühungen und die Diskussion um eine Zukunftslösung für das in die Schlagzeilen geratene Sanierungsprojekt Michelberg-Gymnasium in Geislingen, so Lothar Lehner, Kreis-Chef des BVMW im Landkreis Göppingen.

Der BVMW-Kreisverband Göppingen sieht nach den jahrelangen Bemühungen das Projekt nun am Scheideweg. Lehner verweist vor diesem Hintergrund auf einen aktuellen Beschluss des EU-Parlaments mit dem Ausruf des Klimanotstandes (Erlass von Notstandsgesetzen) im letzten Jahr und dem von der EU-Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen aktuell verkündeten Absicht, ein Gesamtbudget von einer Billion Euro bereitzustellen, um die Klimaziele in der EU zu erreichen. Lehner: „Da passt der Deckel nicht auf den Topf.“

Vor mehr als zehn Jahren sei von weitsichtigen Stadträten und der Stadtverwaltung Geislingen der Beschluss gefasst worden, die Sanierung des Gymnasiums nicht wie sonst üblich auf das Notwendige zu beschränken, sondern ein Leuchtturmprojekt zu starten mit dem Ziel der weitgehenden Klimaneutralität von Gebäude und Schule. „Bildung ist ein Garant für Wohlstand, Frieden und Freiheit einer Gesellschaft“, so Lehner. Und weiter: „Unser Wohlstand sitzt zwischen unseren Ohren“. Damit dies so bleibe, seien leistungsfähige Schulen notwendig. Das magische Dreieck Lehrkörper – Lehrmittel – Lehrräume habe sich längst zum magischen Viereck erweitert um die Komponente Ökologie und Klimaneutralität.

Die aktuell laufende Diskussion erinnert Lehner an das Buch „Der kleine Prinz“. Ganze Planeten seien hierin gefährdet, da die Gegenspielerin des kleinen Prinzen, die „Schlange“, Menschen beeinflusse, negative Egoismen wecke und Ängste schüre, um schlussendlich Lebewesen und Planeten selbst zu zerstören. „Die gesamte Aufarbeitung und Analyse des Falles Michelberg- Gymnasium scheint“, so Lehner, „kurz vor diesem Punkt zu stehen und dies muss verhindert werden.“

Umso mehr appelliert Lehner an Ministerpräsident Winfried Kretschmann und sein Kabinett, vor dem Hintergrund der EU-Beschlüsse und nationaler Klimaziele, das „Leuchtturmprojekt“ Michelberg-Gymnasium zur Chef-Sache zu machen. Kretschmann möge die „Besten der Besten“ aus Universitäten, Hochschulen und Unternehmen um sich versammeln, um die Themen wie den Brandschutz zu lösen und das Projekt als Landes-Prestige-Projekt mit positiver Ausstrahlung weit über die Grenzen hinaus zum Erfolg zu bringen. Eine kurzfristige Vorfinanzierung aus dem Landeshaushalt sieht Lehner daher als unumgänglich an.

Der BVMW-Kreisvorsitzende: „Herr Ministerpräsident, bitte nehmen Sie endlich die materielle Last und Ängste von den Schultern der Menschen in Gemeinderat und Verwaltung in Geislingen und wirken Sie aktiv daran mit, das Bauvorhaben zum Modellprojekt mit hohen Erfahrungswerten zu machen, damit sich aus dem Michelberg-Gymnasium ein ,Michelberg-Gymnasium Greta Thunberg‘ entwickeln kann.“

Lehner sieht die Gründung eines Pro-Gymnasiums in Deggingen als Ergänzung durchaus offen, appelliert jedoch an Politik und Verwaltung, beide Projekte nicht zu vermischen.

Im Übrigen sieht Lehner einen Zusammenhang zwischen der seit Jahren prekären Haushaltssituation in Geislingen und der seit über 40 Jahren geplanten, aber nicht gebauten B10. Auch hier liegt der Ball einmal mehr in Stuttgart bei der Landesregierung. „Die Stadt entwickelt sich aufgrund nur bedingt funktionierender Infrastruktur seit vielen Jahren weit unter ihren Möglichkeiten“, fasst der BVMW-Kreischef zusammen.

Den Eltern betroffener Schüler des Michelberg-Gymnasiums, zu denen laut Lehner auch Angehörige vieler kleiner und mittelständischer Unternehmen und Freiberuflerpraxen gehören, kann nur mit Respekt und Dank begegnet werden. Lehner appelliert darum Durchhaltevermögen zu zeigen. „Politik muss vor Ort wieder konkret erkennbar und nachvollziehbar werden und darf sich nicht nur in abstrakten Milliarden und Billionen-Programmen auf EU-Ebene postulieren.“
7.2.20

 

 

 

Steuerberater setzt auf digitale Wege

Deizisau. Die Steuer- und Wirtschaftsberatungsgesellschaft Awicontax GmbH & Co. KG in Deizisau (Kreis Esslingen) trägt jetzt das Label „Digitale Datev-Kanzlei“. Eine Auszeichnung, die es noch nicht so oft in Deutschland gibt. „Von rund 43 000 Steuerberatern haben erst rund 300 das Prädikat“, so Heiko Geiger, neben Helmut Baumann Geschäftsführer der Gesellschaft. Lothar Lehner, Repräsentant des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft (BVMW) in den Landkreisen Esslingen und Göppingen, freut sich über die noch seltene Auszeichnung seines Mitgliedsunternehmens.

„Die verhältnismäßig kleine Zahl an digitalen Datev-Kanzleien hat mich zunächst auch überrascht,“ räumt Heiko Geiger ein. Doch weiß der Awicontax- Geschäftsführer, woran das liegt. Der Digitalisierungsprozess braucht Zeit. Und einen, der bei dem Projekt den Hut aufhat und in Steuersachen ebenso fit ist wie in Computerfragen. Da hätten, glaubt Geiger, die meisten Kanzleien ein Problem, da die Fachausbildung nur zu Steuerthemen erfolge. Daher müssten Mitarbeiter in den Kanzleien Zusatzausbildungen absolvieren. „Wenn man Pech hat, verlässt dann wenig später der betreffende Mitarbeiter die Kanzlei und alles beginnt wieder von vorn“, so Geiger und begrüßt erste Überlegungen der Steuerberaterkammer, die Digitalisierung mit in die Ausbildung aufzunehmen.  „Wenn man Pech hat, verlässt dann wenig später der betreffende Mitarbeiter die Kanzlei und alles beginnt wieder von vorn“, so Geiger und begrüßt erste Überlegungen der Steuerberaterkammer, die Digitalisierung mit in die Ausbildung aufzunehmen.

Zehn Jahre hat der Digitalisierungsprozess bei Awicontax gedauert. Dabei hatte man das Glück, dass der Sohn von Mitgesellschafter Helmut Baumann sich des Themas annahm. Damit war bei dem Projekt die notwendige Konstanz gewährleistet. Zeitaufwendig sei es gewesen, die Mandanten und Mitarbeiter von der Digitalisierung der Buchhaltung zu überzeugen. „Dabei haben wir immer wieder deutlich gemacht, dass durch die Digitalisierung einfacher Vorgänge mehr Zeit für die eigentliche Beratung bleibt“, so Geiger. Den eingeschlagenen Weg hält Geiger trotz des Aufwandes für richtig, denn dadurch stärke man letztlich die Marktposition. „An der Digitalisierung in den Unternehmen führt kein Weg vorbei, da müssen wir uns darauf einstellen“.

Die Messlatte für das Prädikat Digitale Datev-Kanzlei liegt indes hoch. Die Parameter für den Bereich Rechnungswesen lauten: Digitalisierungsquote insgesamt mindestens 60 Prozent, Digitalisierungsquote Bank mindestens 70 Prozent und Anteil Mandanten mit digitalen Belegen mindestens 30 Prozent. Im Bereich Personalwirtschaft sehen die Kennzahlen so aus: Anzahl Abrechnungen pro Stunde mindestens fünf, Digitalisierungsquote Bewegungsdaten mindestens zehn Prozent.

Die Awicontax GmbH & Co. KG in Deizisau existiert seit 2008 und ist aus der zwei Jahre zuvor in Esslingen gegründeten Steuerberatungssozietät Baumann-Geiger hervorgegangen. 2009 wurde auch die Steuerberatungskanzlei Dieter M. Krüger angegliedert. Heute besteht die Beratungsgesellschaft mit Mandanten im gesamten mittleren Neckarraum aus einem Team von knapp 30 Kollegen. Die Datev wurde 1966 von 65 Steuerbevollmächtigen aus dem Kammerbezirk Nürnberg gegründet, die zur Bewältigung von Buchführungsaufgaben mit Hilfe der Datenverarbeitung eine genossenschaftlich organisierte Selbsthilfeorganisation aufbauen wollten. Heute besteht die Genossenschaft mit Sitz in Nürnberg aus über 40 000 Mitgliedern, zählt fast 8000 Mitarbeiter und macht einen Jahresumsatz von über einer Milliarde Euro.
4.2.20

 

 

 

Mit neuem Gesellschafter zu neuen Zielen 

Kreis Göppingen/Stuttgart. Mit neuem Gesellschafter und neuem Domizil soll die 3D-Akademie weiterwachsen.  Lothar Lehner, Selbständiger Repräsentant des BVMW, hat Pierre Urbanek zum weiteren Ausbau seiner Bildungseinrichtung gratuliert. Urbanek ist Gründer und Geschäftsführer der 3D-Akademie in Stuttgart, Mitglied im Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW) und wird betreut von Lothar Lehner, Göppingen. Dort hat Urbanek schon in Vorträgen die Studiengänge seiner Akademie vorgestellt. Seine Studenten finden vor allem Arbeitsplätze in der Film- und Spielindustrie. Zusammen mit der Agentur für Arbeit entwickelt die 3D-Akademie aktuell Weiterbildungs- und Schulungsmaßnahmen für Mitarbeiter in der Industrie, die ihre am Rechner (CAD) erstellten Konstruktionen für den 3D-Drucker aufbereiten und ausdrucken müssen. BVMW-Kreisvorsitzender Lehner sieht darin gerade auch ein Angebot für Unternehmen im Landkreis Göppingen.
 
Die VWH Medien GmbH (Ditzingen), ein Unternehmen der Firmengruppe Talmon-Gros, hat sich jetzt mit 50 Prozent an der 3D-Akademie Stuttgart beteiligt. Akademie-Gründer Pierre Urbanek hält als Gesellschafter die andere Hälfte des Unternehmens. Als Geschäftsführer fungieren Pierre Urbanek (35), der vor allem für die Lehrpläne, Qualitätssicherung sowie der Entwicklung der Geschäftserweiterung verantwortlich zeichnet und Marc Talmon-Gros (35) für die Bereiche Marketing und Finanzen. Ihr Engagement bei der 3D-Akademie begründet Verlegerin Jutta Talmon-Gros damit, ihr Haus noch stärker im digitalen Geschäft zu verankern.   Die 3D-Akademie, von Pierre Urbanek vor gut sieben Jahren gegründet, bildet in einem Studiengang (sieben Semester) überwiegend 3D-Designer für die  Produkt Herstellung- sowie Spiele- und Filmindustrie aber auch für die Augmented und Virtual Reality sowie den 3D-Druck aus. Unter dem Motto „von Stuttgart nach Hollywood“ hat die private Studieneinrichtung bislang junge Menschen begeistert, die ihr Wissen und Können bei 3D-Animationen vertiefen bzw. perfektionieren wollten. Dabei überzeugt die Akademie damit, dass ihre Dozenten das Knowhow mehr mit praktischen Übungen vermitteln als mit zu viel Theorie. Seit wenigen Wochen hat die Bildungseinrichtung ihre neuen Räume in Stuttgart im Bürokomplex Rosensteinstraße 24 beim UFA-Palast bezogen. 

Mit dem Einstieg des neuen Gesellschafters will die 3D-Akademie nun auch Partner der im Digitalisierungswandel befindlichen analogen Industrie werden, die immer häufiger 3D-Drucker einsetzt und hierfür qualifiziertes Personal benötigt. Zusammen mit den Arbeitsämtern entwickelt die 3D-Akademie deshalb Weiterbildungs- und Schulungsmaßnahmen für Mitarbeiter in der Industrie, die ihre am Rechner (CAD) erstellten Konstruktionen für den 3D-Drucker aufbereiten und ausdrucken müssen, aber auch für Mediengestalter und Designer, die durch eine Zusatzqualifikation ihres Berufschancen in einer digitaler werdenden Welt weiter verbessern wollen. „Ob Motorhaube oder Herzklappe, der Einsatzbereich für 3D-Drucker ist enorm und ein Ende seiner Einsatzmöglichkeiten längst nicht abzusehen“, so Jutta Talmon-Gros.  
27.1.20

 

 

 

„Schlag gegen die Meinungsvielfalt“ 

Kreis Göppingen. Als einen „Schlag gegen die Meinungsvielfalt“ bezeichnet Lothar Lehner die Schließung der Redaktionen der Stuttgarter Zeitung / Stuttgarter Nachrichten in den Landkreisen der Region, so auch in Göppingen. Der Kreisvorsitzende des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) kritisiert die Entscheidung des Stuttgarter Zeitungshauses, sich journalistisch aus der Fläche zurückzuziehen und künftig die Berichterstattung aus dem Landkreis Göppingen von der Neuen Württembergischen Zeitung zu übernehmen.   

Für den Mittelstand sei die Stuttgarter Zeitung in der Region von Bedeutung gewesen, weil sie Qualitätsjournalismus aus Göppingen mit dem Geschehen im Ballungsraum Stuttgart und damit aus dem wirtschaftlichen Zentrum verbunden habe. „Diese Stimme wird uns fehlen“, bedauert Lehner die Absicht des Verlages, die Redaktionsstandorte um die Landeshauptstadt herum, aufzugeben. „Das fördert nicht gerade den regionalen Gedanken“, erklärt der BVMW-Kreisvorsitzende in der Pressemitteilung.   

Das Göppinger Redaktionsteam der Stuttgarter Zeitung habe zumeist einen distanzierten Blick auf die Entwicklung im Landkreis gehabt und sei sehr meinungsfreudig gewesen. Dabei hätten die Journalisten oft den Konflikt mit der Obrigkeit nicht gescheut, lobt Lehner das redaktionelle Angebot des Blattes, das nun Sparmaßnahmen des Verlages zum Opfer fällt.  

Kritisch sieht der BVMW-Kreisvorsitzende die gesamte Situation in der Zeitungsbranche, die mit dramatisch zurückgehenden Leserzahlen und wegbrechendem Anzeigengeschäft zu kämpfen habe. „Gerade im Lokalen sei die Zeitung aber unverzichtbar für das Gemeinwesen“, so der BVMW-Sprecher. Die Nachrichten aus dem Internet böten auf kommunaler Ebene keinen Ersatz für seriöse Berichterstattung vor Ort.
22.1.20  

 

 

 

"Der Bund ist nicht die Sparbüchse der Nation“ 

Kreis Göppingen. Vor dem Hintergrund der Überschüsse in Milliardenhöhe im Bundeshaushalt fordert der Kreisvorsitzende des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) eine deutliche Steuersenkung. „Der Bund ist nicht die Sparbüchse der Nation“, so Lothar Lehner (Geislingen) und spricht sich für eine spürbare Entlastung der Mittelschicht aus.  In Berlin stapelt der Finanzminister die Milliarden. Lothar Lehner zählt da nicht nur die jetzt bekannt gewordenen Überschüsse im Bundeshaushalt, sondern auch die Sondervermögen und die brachliegenden Investitionsmittel zusammen. 60 Milliarden Euro habe der Bund da aufgetürmt. „Das hat zusammen genommen das Potenzial für eine deutliche Steuersenkung“, so der BVMW-Kreisvorsitzende. Das Geld müsse an die Steuerzahler zurückgegeben werden. Nur so lasse sich die Statik des Bundeshaushalts wieder festigen. 
„Da diese Gelder nicht abgerufen werden, müssen die Politiker mit einer Steuersenkung den wichtigen Schritt zur Stärkung der Binnenkonjunktur endlich wagen und dem Standort Deutschland durch die Streichung des Solidaritätszuschlags und einer Körperschaftssteuersenkung einen steuerpolitischen Impuls geben,“ erklärt Lehner. Gedanken über Abgabenerhöhungen seien dagegen abwegig. „Die blutleere Konjunktur kann den Impuls derzeit dringend gebrauchen. Der Mittelstand hat seit den Krisenjahren seinen Beitrag zur Stabilisierung der Wirtschaft mit massivem Beschäftigungsaufbau geleistet. Nun ist die Politik am Zug“, betont der BVMW-Kreisvorsitzende in einer Pressemitteilung. 
15.1.20

 

 

 

CO2-Preis ein Schnippchen schlagen

Kreis Göppingen. Nach der Einigung über das Klimapaket im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat wird vor allem der beschlossene CO2-Preis von 25 Euro die Tonne die Unternehmen ab Januar 2021 treffen. „Ein Grund mehr, dass die Klein- und Mittelstandsunternehmen ihren Energieverbrauch abklopfen und energiesparende Investitionen anpacken“, so der Kreisvorsitzende des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), Lothar Lehner (Geislingen).

„Der BVMW hat sich immer dafür stark gemacht, den Mittelstand mit dem Klimapaket nicht noch weiter zu belasten, sondern eher zu entlasten,“ so Lehner. Wenn die CO2-Steuer nun nicht mehr abzuwenden sei, sollte sie wenigstens die klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) kaum bzw. gar nicht belasten. Deshalb macht sich Lehner für eine energetische Inventur der Betriebe stark und verweist auf das Energieaudit nach DIN EN 16247-1.

„Bei einer solchen Bestandsaufnahme wird der Energieverbrauch von Maschinen, elektrische Anlagen, Beleuchtungsanlagen, Heiz- und Lüftungsanlagen, Klimatechnik, Kompressoren, Gebäudehülle und Fenster unter die Lupe genommen“, so Tobias Andersch von der ICS Business GmbH in Gruibingen, die solche Untersuchungen durchführt. Derzeit werden diese vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAfA) gefördert, vorausgesetzt, die Unternehmen beschäftigen weniger als 250 Mitarbeiter, haben einen Umsatz von unter 50 Millionen Euro und wenden heute jährlich

mehr als 10 000 Euro netto für Energie auf. Sieben bis acht Wochen dauere es, bis das Audit vorliegt. Dann müsse der Unternehmer Konsequenzen aus der Untersuchung ziehen und gegebenenfalls energetische Maßnahmen umsetzen. Hierfür stünden, so Andersch, wiederum Fördermittel bereit. „Am Ende sollte ein Unternehmen stehen, das seine Energiekosten deutlich gesenkt hat und von der CO2-Steuer nicht betroffen ist oder nur gestreift wird“, so Andersch und hofft wie Lehner, dass viele mittelständische Unternehmen in der Region jetzt die energetische Bestandaufnahme anpacken.
22.12.19

 

 

 

BVMW fordert Strafen für Steuergeld-Verschwender

Geislingen. Vor dem Hintergrund der verunglückten 21,5 Millionen teuren Sanierung des Michelberg-Gymnasiums und der Suche nach Verantwortlichen für das Debakel fordert Lothar Lehner die Einführung des Straftatbestandes der Steuergeldverschwendung. Der aus Geislingen kommende Kreisvorsitzende des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) kommt angesichts der neuesten Enthüllungen über die Schlampereien bei der Schulsanierung aus dem Staunen über den leichtfertigen Umgang mit Steuergeldern nicht heraus.
Wer wusste wann was? Diese Frage wird in Geislingen in diesen Tagen, in denen immer wieder neue Informationen über die fehlgeschlagene Schulsanierung bekannt werden, häufig gestellt. Was letztlich auch der Grund für die gescheiterte Schulsanierung auch sein mag, bekannt sind ihre Kosten. Auf 21,5 Millionen Euro kletterten die Baukosten, von anfänglich geschätzten acht Millionen Euro. Und dabei bleibt es nicht. Hinzu kommen jetzt noch die Kosten für einen Neubau oder eine weitere Sanierung. Je nach Lösung zwischen 30 und 50 Millionen Euro. Der BVMW-Repräsentant greift deshalb die im politischen Programm des BVMW e. V. stehende Forderung auf, den Straftatbestand der Steuergeldverschwendung endlich einzuführen. „Die öffentliche Hand hat kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem. In Milliardenhöhe werden Steuergelder durch Fehlplanungen und mangelhaftes Projektcontrolling verschwendet. Die bestehenden gesetzlichen Regelungen reichen nicht aus. Ebenso wie Steuerhinterziehung muss auch Steuergeldverschwendung strafrechtlich verfolgt werden“, so Lehner. Der Veruntreuung öffentlicher Gelder müsse ein Riegel vorgeschoben werden.
14.12.19

 

 

 

BVMW: „SPD fährt gefährlichen Kurs“ 

Kreis Göppingen. Harsche Kritik äußert Lothar Lehner an den arbeitsmarktpolitischen Beschlüssen des zurückliegendem SPD-Parteitages. „Die Sozialdemokraten fahren einen gefährlichen Kurs, sie scheinen sich aus dem wirtschaftspolitischen Grundkonsens der Parteien der bürgerlichen Mitte zu entfernen“, so der Kreisvorsitzende des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) und ist sich darin mit Mittelstands-Präsident Mario Ohoven einig. Kein Mittelständler sei gegen sinnvolles Homeoffice, aber ein Recht auf Homeoffice, ein Recht auf Arbeit oder die Kaperung des Mindestlohnverfahrens durch Parteien gehe an der Realität jener Unternehmen vorbei, die die Basis ausmachen - jener 90 Prozent von 3,7 Millionen Mittelständlern, die maximal 20 Mitarbeiter beschäftigen.

Kopfschütteln von Lothar Lehner (Geislingen) nach dem SPD-Parteitag in Berlin. Schon der regulatorische Angriff auf den Arbeitsmarkt unterstreiche, wie weit sich Parteiführung und Funktionärsebene von der Lebensrealität von Arbeitnehmern und Betrieben entfernt haben, äußert der BVMW-Kreisvorsitzende in einer Pressemitteilung sein Unverständnis. „Gerade das Gros der kleinen Mittelständler erfahre von  der früheren Arbeiterpartei SPD  keinerlei öffentliche Wertschätzung geschweige denn Unterstützung, so dass es nicht wundern darf, wenn immer mehr Betriebe große Mühe haben, Nachfolgeregelungen zu treffen“, erklärt Lehner. „Malocher nannte man im Ruhrgebiet jene Arbeiter, die bis zur körperlichen  Belastungsgrenze und darüber hinaus schufteten. Heute trifft dieses für viele Kleinunternehmer und deren Familienmitglieder zu. Mit ihren politischen Absichten schwächt die Partei Helmut Schmids und Gerhard Schröders vor allem die  Personengesellschaften", betont der Beauftragte des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW).   Lehner weist darauf hin, dass bundesweit 150000 Familienunternehmen einen Nachfolger suchen. Seit Jahren würden mehr Unternehmen geschlossen als gegründet. Im ersten Halbjahr 2019 hätten den 142 000 Gründungen rund  147 000 Schließungen gegenüber gestanden. „Dieses Missverhältnis gab es nicht immer. Wie sehr der Unternehmergeist an Kraft verloren hat, zeigt ein Blick in die Statistik. 1998 belief sich die Zahl neu gegründeter Betriebe auf 513 000, das waren 100 000 mehr, als es Liquidationen gab.“ Lehners Fazit: „Die Erkenntnis, dass Wahlen in der Mitte der Gesellschaft entschieden werden, wurde auf dem SPD-Parteitag mit großem Erfolg ignoriert.“ 
13.12.19

 

 

Prüfer nehmen Aushilfskräfte ins Visier

Kreis Göppingen. Die Überraschung haben die Prüfer der Deutschen Rentenversicherung im Gepäck. Arbeitgeber sollen jetzt Sozialversicherungsbeiträge für fiktiv angenommene Arbeitszeiten ihrer Aushilfskräfte nachbezahlen. Das trifft vor allem kleine Dienstleistungsunternehmen, die mit den Nachforderungen mit dem Rücken an der Wand stehen. Lothar Lehner vom Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW) im Kreis Göppingen appelliert an die Bundestagsabgeordneten, nach einer Lösung zu suchen.

Es geht um eine Regelung, die schon lange Gesetz ist, doch die bislang die Sozialversicherungsprüfer der Deutschen Rentenversicherung bei ihren im Drei-Jahres-Turnus stattfindenden Regelprüfungen bei Unternehmen nicht angewandt haben. Anders jetzt, wie Lothar Lehner (Geislingen) von Betroffenen weiß. Die Prüfer lassen sich die Arbeitsverträge von Aushilfskräften vorlegen. Ist da keine genaue Stundenzahl an zu leistender Arbeit angegeben, gehen die Prüfer pauschal von 20 Arbeitsstunden in der Woche aus und fordern entsprechende Nachzahlungen.

Bei manchen Kleinunternehmen, vor allem im Dienstleistungsbereich wie in Gastronomie oder Handel, geht das schnell in die Tausende. Zumal nicht nur der Arbeitgeberanteil an den Sozialversicherungsbeiträgen – 20 Prozent – berappt werden darf, sondern auch noch der gleich hohe Arbeitnehmer-Anteil. Und das unter Umständen für Arbeitsstunden, die gar nicht geleistet wurden. Bei den angenommenen 20 Wochenstunden seien das im Monat (im Schnitt 4,3 Wochen) 86 Arbeitsstunden. Setze man den Stundenlohn bei nur zehn Euro an, zahle der Arbeitgeber seinen Anteil von zwei Euro die Stunde, sowie den Arbeitnehmeranteil von ebenfalls zwei Euro. Im Monat seien dies schon 344 Euro, im Jahr 4128 Euro und für die Prüfzeit von drei Jahren dann 12384 Euro.

„Juristisch ist das Vorgehen der Prüfer korrekt“, bestätigt Steuerberater Michael Jakele von Triumcon (Salach) und bescheinigt dem Gesetzgeber, im guten Glauben auch etwas Positives für die Arbeitnehmer getan zu haben. Doch praktikabel sei diese in Gesetz gegossene Regelung keinesfalls. Denn für jene Arbeitgeber, die sich korrekt verhalten wollen, bedeute sie einen zusätzlich hohen Aufwand an Bürokratie. Aushilfskräfte müssten nämlich streng genommen vor und nach der geleisteten Stundenzahl bei der Sozialversicherung permanent an- und abgemeldet werden, um die Pauschalierungen zu vermeiden. Und streng genommen müssen Aushilfskräfte spätestens vier Tage vor ihrem Arbeitseinsatz Bescheid vom Arbeitgeber bekommen. Die Politik sei da gefordert, eine praxisnahe Regelung zu treffen, so Jakele.

Dass an den Paragraphen bislang niemand Anstoß genommen hat lag laut Jakele daran, dass die Prüfer nicht in die Verträge hingeschaut hätten. Weshalb sich die Prüfer der Rentenversicherung nun plötzlich die Arbeitsverträge der Aushilfskräfte vorlegen lassen, kann der Steuerberater, der auch an baden-württembergischen Hochschulen lehrt, nur spekulieren. „Die bei der Pauschalierung anzunehmende Stundenzahl wurde auf 20 heraufgesetzt. Bis Ende 2018 waren es zehn Stunden. Vielleicht war es aber auch das Thema einer Schulung gewesen oder es gab eine Anweisung von der Hauptverwaltung“, so der auch als Rentenberater tätige Experte, der die Arbeit der Betriebsprüfer kennt und daher weiß, dass diese nichts prüfen, was ihnen nicht aufgetragen wurde.

Für Lothar Lehner macht die angewandte Regelung überhaupt keinen Sinn. „Welcher Unternehmer weiß schon bei Abschluss eines Arbeitsvertrages mit einer Aushilfskraft, wann, wie oft und wie lange sie gebraucht wird?“ Da sei es nachvollziehbar, dass die meisten Chefs die konkrete Stundenzahl nicht in den Vertrag geschrieben haben.

Regelmäßig nutzten Menschen solche Arbeitsverhältnisse, um einen Hinzuverdienst zu generieren - zusätzlich zum normalen Einkommen, so Lehner. „Stattdessen mutiert der Minijob bei pauschal angenommenen 20 Wochenstunden zu einem Teilzeit-Arbeitsverhältnis und steht unter Umständen sogar der Hauptbeschäftigung des Betroffenen entgegen“, kritisiert der BVMW-Kreisvorsitzende. Und nicht nur das, wie Michael Jakele ergänzt. Eine solche Regelung führe auch bei jenen, die andere Einkommensquellen hätten, wie beispielsweise Rentenbezüge, Arbeitslosengeld oder Bafög, zu einem bösen Erwachen, wenn ihr Zuverdienst durch die 20-Stunden-Regelung plötzlich höher liege als erlaubt.

„Da müssen bei denen, die Minijobber beschäftigen, die Alarmglocken schrillen“, so Lehner und weiß, dass noch nicht alle Steuerberater und Lohnabrechnungsstellen im Landkreis den neuen Prüfungsmethoden Kenntnis erhalten haben. „Das heißt, die Unternehmen laufen unter Umständen ins sprichwörtlich offene Messer der aktuellen Politik.“ Lehner appelliert daher an die Bundestagsabgeordneten im Landkreis, sich des Themas anzunehmen und in Berlin schnell nach einer Lösung zu suchen, bevor die ersten Kleinunternehmen aufgeben müssen.
19.11.19

 

 

BVMW: Bundesregierung maßlos und mutlos zugleich

Kreis Göppingen. „Die Halbzeit-Bilanz der Großen Koalition in Berlin wird insgesamt wenig positiv beurteilt“, so der Leiter des Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) im Kreis Göppingen, Lothar Lehner (Geislingen). Während die Arbeit und das persönliche Engagement der beiden Göppinger Bundestagsabgeordneten Heike Baehrens (SPD) und Hermann Färber (CDU) weithin ein hohes Maß an positiver Anerkennung erfahre, wird die Arbeit der Regierung nur wenig positiv beurteilt. Die erste Hälfte der Legislaturperiode zeuge von Maßlosigkeit und Mutlosigkeit zugleich, so Lehner und gibt damit die Einschätzung von Unternehmern in seinem Verbandsgebiet wieder. Lehner fordert von den Regierungsparteien eine deutliche Kurswende.

Der BVMW-Repräsentant im Landkreis Göppingen sieht sich in seiner Einschätzung über die Leistungsbilanz der Bundesregierung durch zahllose Gespräche mit Unternehmern im Landkreis Göppingen und den benachbarten Landkreisen Heidenheim, Ostalb, Rems-Murr und Esslingen bestätigt. Der Sozialstaat sei u.a. durch milliardenschwere Rentengeschenke maßlos aufgebläht worden. Dadurch werde der Anteil der Sozialausgaben am Bundeshalt von derzeit 50,4 Prozent auf 52,9 Prozent bis 2023 steigen. Rekordsteuereinnahmen seien nicht für Zukunftsinvestitionen genutzt, sondern verfrühstückt worden. „Im Ergebnis ist Deutschland beispielsweise in der digitalen Infrastruktur abgehängt, bei Glasfaseranschlüssen reicht es weltweit nur für Platz 72“.

Bemängelt wird von Lehner der fehlende Mut zu Strukturreformen durch Schwarz-Rot. Das räche sich angesichts des nun auch von den Wirtschaftsweisen prognostizierten Wachstumseinbruchs. „Wir nähern uns mit Riesenschritten dem Nullwachstum“, so Lehner. CDU und SPD müssten endlich ihre Personaldebatten beenden und eine Kurswende einleiten: Weg von Verwaltung und Umverteilung hin zu mehr Investitionen in Bildung, Forschung und Infrastruktur. Das Ziel in der zweiten Halbzeit der Großen Koalition müsse eine investitions- und wachstumsfördernde Wirtschaftspolitik sein. Zentrale Elemente seien da eine Unternehmenssteuerreform, niedrigere Körperschaftsteuersätze, eine Verringerung der Abschreibungsfristen und eine deutliche Senkung der Energiekosten. Deutschland drohe sonst der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit, so Lehner in Übereinstimmung mit dem Mittelstandspräsidenten Mario Ohoven sowie seinen 300 bundesweit für den Mittelstand aktiven Kollegen.
13.11.19

 

 

Lehner zu Gast bei Senegals Staatspräsident

Kreis Göppingen. „Im Senegal können sich deutsche Firmen vielfältig engagieren.“ Diesen Eindruck gewann Lothar Lehner aus Geislingen, der in seiner Eigenschaft als Selbständiger Repräsentant des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) an einer Delegationsreise seiner Organisation in das afrikanische Land teilgenommen hat und dort auch vom senegalesischen Staatspräsidenten Macky Sall empfangen wurde.

„Ein Engagement der deutschen Wirtschaft in Afrika tut Not. 70 Millionen Afrikaner sind fluchtbereit“, so Lothar Lehner und mag sich nicht ausmalen, was passiert, wenn diese alle nach Deutschland kommen. „Wenn wir als Unternehmer nicht nach Afrika gehen und dies ist auf vielfältigste Weise möglich, kommt Afrika zu uns,“ erklärt der BVMW-Kreisvorsitzende und unterstreicht damit die Bedeutung der Wirtschaftsgespräche mit den afrikanischen Ländern, wie jetzt im Senegal. Der Senegal ist mit seinen 16,3 Millionen Einwohnern seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1960 ein wichtiger Wirtschaftspartner Deutschlands. „Die Handelsbeziehungen zwischen den Ländern basieren hauptsächlich auf deutschen Exportgütern wie Maschinen, Kraftwagen, Kraftwagenteile und elektrische Ausrüstungen,“ so Lehner. Eine weitere wichtige Branche sei der Energiesektor. Das Fazit des Geislinger BVMW-Repräsentanten nach seiner mehrtägigen Visite und zahlreichen Wirtschaftsgesprächen: „Gerade den deutschen mittelständischen Unternehmen bietet der Senegal nicht nur bei Technologien im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz große Geschäftsmöglichkeiten, sondern gerade aber auch in den Bereichen Handwerk und Handel“. Lehner zitiert den Staatspräsidenten des Senegal mit den Worten: „wir benötigen alle, vom Friseur über den Bauhandwerker bis zum Handel und es nützt uns nichts, wenn unsere jungen Menschen zu Ihnen nach Deutschland fliehen“.

Das Engagement von Unternehmen im Senegal stehe laut Lehner unter einem günstigen Stern, denn das Land, das derzeit ein Wirtschaftswachstum von 6,2 Prozent verzeichnet, sei eines der Partner des „Compact with Africa“, einer Initiative, die 2017 unter deutscher G20-Präsidentschaft ins Leben gerufen worden sei und darauf abziele, die wirtschaftliche Entwicklung des afrikanischen Kontinents durch verbesserte Investitionsbedingungen zu fördern. Die BVMW-Delegationsreise, die von Verbandspräsident Mario Ohoven und Bundesgeschäftsführer Markus Jerger angeführt wurde, habe, so Lehner, den Teilnehmern Gespräche mit den höchsten politischen und wirtschaftlichen Vertretern des Landes ermöglicht. „Dadurch erhielten wir einzigartige Einblicke in Geschäfts- und Investitionsmöglichkeiten im Senegal.“ Senegals Präsident Macky Sall, der die Gäste aus Deutschland im Präsidentenpalast empfing, habe die vorbildliche Zusammenarbeit zwischen Senegal und Deutschland betont und das Engagement Mario Ohovens für den Mittelstand – in Deutschland und weltweit – gewürdigt. „Den Teilnehmern wurde während des Treffens der Senegal Emergent Plan (PSE) vorgestellt, der derzeit als die wichtigste wirtschafts- und sozialpolitische Entwicklungsstrategie des Landes gilt“, berichtet Lehner weiter. Außerdem sei ein Memorandum of Cooperation Agreement zwischen dem BVMW e. V. und dem Wirtschaftsrat Senegals (CDES) unterzeichnet worden. CDES unterstütze kleine und mittelständische Unternehmen aus dem Senegal zum Beispiel beim Eintritt in den europäischen Markt. Weitere Treffen der Delegation habe es u.a. mit Finanz- und Haushaltsminister Abdoulaye Daouda Diallo, dem ehemaligen Premierminister und derzeitigen Präsidenten der Nationalversammlung, Moustapha Niasse, dem deutschen Botschafter sowie Vertretern der deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Förderbank KfW im Senegal gegeben. Konkrete Projekte mit der Regierung des Senegal, der KfW und vor allem der GIZ, seien, wie Lehner berichtet, im Senegal in Planung. „Auch für Mittelständler aus der Region bieten sich im Senegal Chancen“, so der BVMWKreisvorsitzende und steht als Ansprechpartner interessierten Unternehmen zur Verfügung.
5.11.19

 

 

Unternehmer zeigen Interesse an Afrika

Das Interesse des Mittelstandes im Landkreis Göppingen an einem Engagement in Afrika ist da. Dieses Fazit zog Lothar Lehner (Geislingen), der Kreisvorsitzende des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) nach einer Veranstaltung des deutsch-afrikanischen Unternehmernetzwerkes Mittelstandsallianz Afrika, die in Korntal-Münchingen stattfand und an der zahlreiche BVMW-Mitglieder aus dem Landkreis Göppingen und Umgebung teilnahmen. Eröffnet wurde die Veranstaltung durch den Franktionsvorsitzenden der CDU im Landtag von Baden-Württemberg, Prof. Dr. Wolfgang Reinhart.

„Erfolgreich nach Afrika – Wie der deutsche Mittelstand in Afrika Fuß fassen kann“ – zu diesem Thema führte das deutsch-afrikanische Unternehmernetzwerk Mittelstandsallianz Afrika des BVMW in Zusammenarbeit mit der Agentur für Wirtschaft und Entwicklung (AWE) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) eine Informationsveranstaltung durch.Vorträge und Diskussionsrunden informierten mittelständische Unternehmen über Marktanalyse- und Finanzierungsmöglichkeiten im Afrikageschäft. Prof. Dr. Jürgen Bode (BRS Institut für Internationale Studien an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg) stellte erstmals den Mittelstandsindex Afrika vor, der als innovatives Marktanalyseinstrument deutschen Mittelständlern den Eintritt in die afrikanischen Märkte erleichtern soll. Über Finanzierungsmöglichkeiten eines Afrika-Engagements wurde auf der Tagung ebenfalls informiert.

Einer der Teilnehmer war auch Michael Hettich von der Hecht Electronic AG aus Besigheim bei Stuttgart, die optische Messgeräte für Möbel und Gehrungssägen für Holz- und Aluminiumprofile herstellt. Vor sechs Jahren stieg das mittelständische Unternehmen in den afrikanischen Markt ein. „Partner wie das deutsch-afrikanische Unternehmernetzwerk Mittelstandsallianz Afrika des BVMW sind wichtig für den erfolgreichen Schritt deutscher KMU nach Afrika“, lobte der Geschäftsführer. Lob für das Treffen gab es auch von Unternehmern aus dem Landkreis Göppingen, so Lothar Lehner. Die aufgezeigten Hilfen von staatlicher Seite und von den beteiligten Organisationen bei einem unternehmerischen Engagement auf dem afrikanischen Kontinent hätten ebenso beeindruckt wie die aufgezeigten Potenziale, über die die afrikanischen Länder verfügen.Neben deutschen nahmen auch kleine mittelständische Unternehmen aus Frankreich, der Elfenbeinküste und der Türkei an dem Netzwerktreffen teil. Die Veranstaltung war Teil einer BMZ-Roadshow zum Entwicklungsinvestitionsfonds der Bundesregierung mit rund 20 von der AWE organisierten Terminen.

Infos: https://www.wirtschaft-entwicklung.de/index.php?id=362&L=0
26.10.19

 

 

 

Ist der Wohlstand für alle in Gefahr?


Wie die Soziale Marktwirtschaft im Zeitalter der Digitalisierung gerettet werden kann.

Ein BVMW-Interview mit Professor Markus Mändle

 

Die Soziale Marktwirtschaft eines Ludwig Erhards gerät im Zeitalter der Globalisierung und Digitalisierung zunehmend in Gefahr. Muss sie aber nicht, wenn jetzt schnellstens in Qualifizierung, Bildung, Mobilität und Netzausbau investiert wird, meint Markus Mändle, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Mit Mändle sprach Lothar Lehner, Repräsentant des BVMW-Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft in der Region Stuttgart.

"Die Wirkungen der ,Industrie 4.0' bergen vor allem für Baden-Württemberg gewisse Beschäftigungsrisiken", so Professor Markus Mändle. Fotos: Rüdiger Gramsch

Warum ist die Soziale Marktwirtschaft in Gefahr?

Mändle: Mit der Idee der Sozialen Marktwirtschaft wird das Versprechen verbunden, Wohlstand, soziale Sicherheit, und die Teilhabe ansteigender Produktivität für breite Bevölkerungsschichten zu ermöglichen. Für Alfred Müller-Armack, den eigentlichen Schöpfer des Begriffs der „Sozialen Marktwirtschaft“, wird dies vor allem durch zwei Prinzipien erreicht: den Schutz des Wettbewerbs und den sozialen Ausgleich. Nach Ansicht von Ludwig Erhard, dem „Vater des Wirtschaftswunders“, ist es primär die Leistungsfähigkeit der Marktwirtschaft und die Wirkung des Wettbewerbs, die den „Wohlstand für alle“ schafft, so lautet ja auch der Titel seines bekannten Buches. Momentan erleben wir Megatrends der Globalisierung und Digitalisierung mit massiven ökonomischen und technologischen Veränderungen. Es besteht die Sorge, dass die Soziale Marktwirtschaft angesichts dieser Herausforderungen nicht mehr in der Lage sein wird, ihr Versprechen vom „Wohlstand für alle“ einzulösen. Globalisierung und Digitalisierung haben für Wirtschaft und Gesellschaft gravierende Folgen – vor allem auch für die Beschäftigungssituation.


Wie sehen diese Folgen aus?
Mändle: Studien prognostizieren, dass allein in Deutschland in den nächsten fünf Jahren mehr als drei Millionen Arbeitsplätze wegfallen könnten, weil Maschinen den Menschen ersetzen. Natürlich werden auch viele neue Arbeitsplätze entstehen, nur ist deren Zahl schwer vorhersehbar. Es kommt darauf an, wie gut sich unser Land für den Strukturwandel wappnet.


Wo gehen die Arbeitsplätze verloren?
Mändle: Vor allem dort, wo menschliche Arbeit infolge von Routinen durch Automaten, Algorithmen und Künstliche Intelligenz ersetzt werden kann. Das, was wir in der Vergangenheit schon in der industriellen Produktion erlebt haben – der Fließbandarbeiter wurde durch den Industrieroboter ersetzt – wird sich mittel- bis längerfristig in vielen anderen Bereichen unserer Wirtschaft wiederholen. Das betrifft teilweise schon jetzt die Kassiererin im Supermarkt, irgendwann auch den Berufs-Kraftfahrer - Stichwort autonomes Fahren -, sowie Mitarbeiter in Banken, Versicherungen und der verarbeitenden Industrie. Die Wirkungen der "Industrie 4.0" bergen vor allem für Baden-Württemberg gewisse Beschäftigungsrisiken.


Dann wird der Mensch als Arbeitskraft nicht mehr benötigt?
Mändle: So pessimistisch darf man das nicht sehen. Durch die Digitalisierung entstehen ja auch laufend neue Arbeitsplätze. Etwa bei der Entwicklung, beim Verkauf und der Betreuung der neuen Technologien. Heute brauchen Unternehmen Webmaster und Experten für digitale Datensicherheit, vor 30 Jahren wusste noch niemand, was das ist. Die Arbeit wird uns nicht ausgehen, aber sie wird sich verändern. Darauf müssen wir uns vorbereiten. Und: Arbeitsplätze werden vorerst dort erhalten bleiben, wo der Mensch heute noch besser ist als die Maschine. Dies sind Tätigkeiten, bei denen es auf menschliche Stärken ankommt, wie Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Kreativität, komplexes Problemlösen und kritisches Denken. Beispielsweise im Erziehungs-, Gesundheits- und Sozialbereich, in der Wissenschaft, bei Ingenieuren und Journalisten, im Fachhandwerk, bei der Kundenberatung oder bei Managementfunktionen.


Wie wirkt sich das auf den Arbeitsmarkt aus?
Mändle: Insgesamt gesehen, verliert die Arbeit ökonomisch an Wert. Digitalisierung wirkt am Arbeitsmarkt wie eine plötzliche Steigerung des Arbeitskräfteangebots, was die Löhne im Durchschnitt unter Druck setzt. Sind Arbeitskräfte ersetzbar, verlieren sie zudem an Marktmacht, was ihre Chance verringert, an Produktivitätsfortschritten teilzuhaben. Dagegen wird sich - schon rein aus demografischen Gründen - die
Knappheit der nicht ersetzbaren Fachkräfte mit speziellem Wissen und Fähigkeiten weiter erhöhen. Wir sehen das heute bereits am viel beklagten Fachkräftemangel. Es besteht die Gefahr einer zunehmenden Spaltung des Arbeitmarktes: Für die einen werden die Löhne aufgrund einer höheren Grenzproduktivität weiter steigen, für die anderen werden sie sinken, zumindest relativ. Für Menschen mit geringerer Qualifikation wird es somit immer schwieriger, ihren Lebensunterhalt menschenwürdig aus eigener Kraft zu finanzieren und an Wohlstandsgewinnen teilzuhaben. Hier sind soziale Konflikte absehbar.

 

Und wie ist die Soziale Marktwirtschaft zu retten?
Mändle: Mindestlöhne können das Problem etwas abmildern, bergen aber ab einer gewissen Höhe die Gefahr, dass sie die Wettbewerbsfähigkeit der Menschen gegenüber den Maschinen verschlechtern, und so die Automatisierung am Ende noch begünstigen. Wichtig wäre es, die Menschen möglichst gut für die Erfordernisse des zukünftigen Arbeitsmarktes zu qualifizieren. Hierfür reicht es aber nicht aus, die Schulen lediglich mit schnellem Internet und digitalen Werkzeugen auszustatten. Die Arbeitskräfte von morgen müssen mit den neuen Technologien kreativ, innovativ und vor allem verantwortungsbewusst umgehen.


Das qualifiziert dann für die Arbeit der Zukunft?
Mändle: Nicht ganz. Jemand, der ein Tablet bedienen kann, besitzt nicht automatisch die Fähigkeit zu komplexem Problemlösen, Kommunikation und kritischem Denken. So antiquiert das klingt: Ich glaube, der beste Schutz für junge Leute, nicht irgendwann von einem Roboter ersetzt zu werden, ist eine vielseitige humanistische Bildung, die Fachwissen und Werte vermittelt. Es ist eine unsinnige Vorstellung, zu glauben, Fachwissen sei heute unnötig und es reiche aus, wenn man wisse, wo etwas geschrieben stehe. Nur jemand mit Fachwissen kann Daten und Informationen vernünftig bewerten, gewichten und einschätzen. Schließlich ist ja einer, der alle medizinischen Begriffe googelt, noch kein Arzt.


Reichen Qualifizierung und humanistische Bildung aus?
Mändle: Nein. Es bedarf auch neuer sozialpolitischer Konzepte, da nicht alle Menschen die Anforderungen des Arbeitsmarktes werden erfüllen können. Hier befinden wir uns mitten in einem kontroversen Diskussionsprozess, etwa um das bedingungslose Grundeinkommen. Neben Qualifikation und Sozialpolitik sind aber auch erhebliche Investitionen in die Infrastruktur notwendig, um langfristig Wohlstand zu schaffen. Dies sind vor allem Investitionen in Mobilität, Schulen, Hochschulen und
den Netzausbau. Hier haben wir bekanntlich noch erhebliche Infrastrukturdefizite, denken wir etwa an den Zustand mancher Schulgebäude, die Probleme bei der Deutschen Bahn, die Dauerstaus, die Funklöcher, oder das Fehlen einer schnellen Internetverbindung in ländlichen Regionen. Schließlich brauchen wir auch neue Regeln für die Wettbewerbspolitik. Mit fortschreitender Digitalisierung wächst die Bedeutung von Größenvorteilen und Netzwerkeffekten, die tendenziell den Wettbewerb beschränken. Aufgabe der Wettbewerbspolitik wird es sein, geeignete Regeln zu finden, um mit der neu entstandenen Marktmacht in der digitalen Ökonomie umzugehen.


Können Sie da ein Beispiel nennen?
Mändle: Der gezielte Aufkauf von Start-ups durch marktmächtige Anbieter, um etwaige Konkurrenz zu unterbinden oder Know-how zu transferieren. Da gilt es zu prüfen, wann ein solcher Aufkauf sinnvoll ist, wann problematisch. Wenn zu früh eingegriffen wird, um ein Umkippen des Marktes in ein Monopol zu verhindern, kann das auch als Innovationsbremse wirken. Gesetze mit unklaren Rechtswirkungen stellen ein weiteres Problem dar. Nehmen wir die Datenschutz-Grundverordnung als Beispiel: Sie verfolgt ohne Zweifel ein richtiges und wichtiges Ziel, nämlich den Schutz personenbezogener Daten. Dabei zielte man vor allem auf die Giganten der Datenökonomie, erzeugte aber gleichzeitig bei kleinen und mittelständischen Unternehmen, bei Verwaltungen, Vereinen und Privatpersonen einen unverhältnismäßigen Bürokratieaufwand und vor allem massive Verunsicherung. Ich erinnere mich noch an die Sorge der Vermieter, sie müssten jetzt alle Klingelschilder abmontieren, um nicht gegen den Datenschutz zu verstoßen.


Eine Forderung an die Politik, Gesetze klar und eindeutig zu formulieren?
Mändle: Schon Walter Eucken, ein wichtiger Vordenker der Sozialen Marktwirtschaft, forderte, dass staatliche Maßnahmen berechenbar und transparent sein sollen. Besteht Unklarheit darüber, welche Regelungen aktuell und zukünftig gelten, halten sich Investoren und Konsumenten zurück, siehe Dieselproblematik. Die Politik muss hier klare, möglichst wettbewerbsneutrale und technologieoffene Regelungen vorgeben, auf die man sich langfristig verlassen und einstellen kann. Gesetze, die zunächst einer richterlichen Interpretation bedürfen, aber auch die aktuell diskutierte Vorstellung, es sei die Aufgabe des Staates, gewissermaßen als besserer Unternehmer, "nationale Champions" zu erschaffen, hätte Ludwig Erhard vermutlich nicht gut gefunden.

 


Zur Person


Prof. Dr. Markus Mändle, Jahrgang 1967, geboren in Geislingen/Steige, studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hohenheim, wo er zum Doktor der Wirtschaftswissenschaften promovierte. Seit 2002 ist er Inhaber der Professur für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Kooperationswesen an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU). Er leitet an der HfWU das von ihm gegründete Institut für Kooperationswesen (IfK) und ist Mitglied des Instituts für Genossenschaftswesen an der Humboldt-Universität zu Berlin. Mändle ist Autor und Herausgeber zahlreicher Publikationen zu volkswirtschaftlichen, genossenschaftlichen und immobilienwirtschaftlichen Themen.

1.4.19

 

 

 

 

 

 

Physiotherapeuten arbeiten am Limit 

Kreis Göppingen. Wer einen Termin beim Physiotherapeuten braucht, der muss sich in Geduld üben. Eine Wartezeit von vier Wochen und mehr ist keine Seltenheit. Einer der Gründe: In den physiotherapeutischen Praxen fehlen Mitarbeiter und das vorhandene Personal arbeitet seit langem am Limit. 

In den physiotherapeutischen Praxen herrscht Alarmstimmung. Es fehlt vorne und hinten an Personal und der Markt ist wie leergefegt. „Wir haben offene Stellen und außerdem werden uns in den nächsten Monaten zwei Mitarbeiterinnen in Mutterschutz verlassen“, so beschreibt Gerhard Oechsle, der Geschäftsführer von Respofit in Geislingen, die Situation. In den letzten Jahren habe er zudem nur zwei Bewerbungen gehabt. Zu wenig, um den Personalbedarf mit qualifizierten Mitarbeitern zu decken.

Ähnliches berichtet auch Andreas Cerrotta aus seiner Praxis physiomed in Eislingen. Damit die Patienten nicht noch länger auf einen Termin warten müssen, springen er und seine Mitarbeiter in den regulären Pausen und am Feierabend ein. „Eine sehr unbefriedigende Situation, dauerhaft am Limit zu laufen. Das ist sehr ermüdend und demotivierend“, so Cerrotta.

Die aktuelle Situation in den Praxen bestätigt auch Patrick Schümann aus Geislingen. Der medizinische Masseur und Therapeut behandelt zwar nur Privatpatienten, doch deshalb sind seine Personalprobleme nicht gelöst. „Ich habe inzwischen sogar einen Personaldienstleister engagiert, der für uns Ausschau nach Mitarbeitern hält. Bislang jedoch mit wenig Erfolg. Ändert sich alsbald nichts, will Schürmann versuchen, aus dem benachbarten Ausland qualifizierte Kräfte anzuwerben.

 

Die Ebbe auf dem Arbeitsmarkt hat für die Physiotherapeuten gleich mehrere Ursachen. Zum einen ist es die dreijährige Ausbildung, die überwiegend in Privatschulen erfolgt. Die Gebühren sind von den Schülern zu tragen und liegen bei rund 400 Euro im Monat. Auch Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, die der Neueinsteiger nach der Ausbildung absolvieren sollte, um möglichst flexibel einsetzbar zu sein, trägt man selbst. „Das summiert sich ganz schnell auf hohe Beträge“, weiß Patrick Schürmann.

Geld, was man als dann gut qualifizierter Therapeut kaum wieder verdienen kann. Denn die Arbeit wird im Verhältnis zu anderen Berufen schlecht entlohnt. „Das was wir für unser Heilmittel bekommen liegt im Niedriglohnbereich. Kein Handwerker würde für einen solchen Stundenlohn arbeiten können und wollen“, so Andreas Cerrotta. Die Vergütung durch die Kassen sei so schlecht, dass sich die durch Hin- und Rückfahrt zeitintensiven Hausbesuche erst recht nicht mehr lohnen, weiß Gerhard Oechsle. Leidtragende seien hier vor allem die Gehbehinderten und Bewohner in Seniorenheimen. Gut ausgebildete Physiotherapeuten verdienen in den ersten Jahren selten mehr als 2000 Euro im Monat, weiß Cerrotta. „Zu wenig, um eine Familie zu unterhalten.“

Der demografische Wandel wird in den nächsten Jahren die Nachfrage nach Physiotherapie noch einmal erhöhen. Um den Zusammenbruch der Branche zu vermeiden, sei eine Reform der Ausbildung unumgänglich, meinen die Physiotherapeuten. Wie diese aussehen könnte, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Kostenlos müsste sie aber sein und eventuell bisherige Zusatzqualifikationen beinhalten. Auch die Akademi-sierung der Ausbildung, so wie in den meisten europäischen Ländern schon lange Praxis, könne der richtige Weg sein, um junge Menschen wieder für den Beruf zu begeistern.

Schließlich müsse die Bezahlung besser werden. Hier sehen die Therapeuten vornehmlich die Kassen in der Pflicht. „Die haben lieber mehrere Milliarden Euro auf der Seite, anstatt die Heilmittelvergütungen entsprechend heraufzusetzen“, schimpft Andreas Cerrotta. Gerhard Oechsle weiß von einem Modellprojekt mit Blanco-Verordnungen, wonach nicht mehr die Ärzte den Patienten die Therapie verordnen, sondern der Therapeut entscheidet, was für den Patienten richtig ist. „Gehört habe ich aber davon nichts mehr“, so Oechsle. Einer solchen Regelung könnte auch Patrick Schürmann etwas abgewinnen. Denn die Ärzte wissen seiner Meinung nach viel zu wenig über die Therapien. „Da werden manchmal 24 Behandlungen vom Arzt verordnet. Dabei sollte der Patient spätestens nach der dritten Behandlung schon eine Veränderung spüren“, so Schürmann. „Spürt er da nichts, macht auch die Weiterbehandlung wenig Sinn.“

Um mit den Kassen über neue Vergütungssätze zu verhandeln, bedürfe es einer starken Interessenvertretung der Physiotherapeuten. Diese sei aber nicht in Sicht. Es gebe zu viele Berufsverbände, weshalb hier die Schlagkraft nicht besonders hoch sei. „Es wäre besser, eine große Organisation zu haben, die dann auch gehört wird“, ist Gerhard Oechsle überzeugt. Immerhin arbeiten in Deutschland gut 150 000 Menschen in der Branche. Und die Krankenkasse? Die AOK Neckar-Fils in Esslingen sieht sich auch nach Rücksprache mit der Hauptverwaltung in Stuttgart kurzfristig nicht in der Lage, zur aktuellen Situation Position zu beziehen.
14.2.19

 

 

 

 

 

 

In dynamischer Zeit den Anschluss nicht verpassen

Tom Hill und Karlheinz Venter (v.l.) bei ihrem Vortrag in Schwäbisch Gmünd. Foto: BVMW/Rüdiger Gramsch

Schwäbisch Gmünd / Kreis Göppingen. Wie müssen mittelständische Unternehmen aufgestellt sein, damit ihr Geschäft auch in Zukunft noch ein Geschäft ist? Das Berater-Duo Tom Hill und Karlheinz Venter - Gesellschafter der Hillventer GmbH in Darmstadt - zeigte in einer Veranstaltung des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft (BVMW) auf, wie die Betriebe umgebaut werden müssen, um der hoch-dynamischen Entwicklung Rechnung zu tragen.

Die Weltwirtschaft verändert sich rasant, wer sich den Herausforderungen nicht stellt verliert schnell den Anschluss. Das machten Tom Hill und Karlheinz Venter in ihrem kurzweiligen Vortrag deutlich. Althergebrachte Strukturen in den Firmen seien überholt, konstatierten die Darmstädter und warfen das Unternehmensbild aus Zeiten einer schwach-dynamischen Entwicklung über Bord. Vorbei seien die Zeiten, in denen der Unternehmer entschieden habe, was für den Markt produziert werden muss, in denen mit den Mitarbeitern eine personenbezogene Information gepflegt wurde und ein Mitarbeiter im Betrieb mal eine innovative Idee hatte.

Flache Hierarchien seien heute gefragt. Die Firmenkultur präge ein mit den Mitarbeitern gemeinsam entworfenes Leitbild, die Entscheidungen darüber, was produziert werde, treffe man an der Schnittstelle zwischen Markt und Mitarbeitern. Der Chef glänze mit Kompetenz, Einfluss und Führungsqualitäten. Die Innovation komme von vielen, die sich an dem orientierten, was am Markt gebraucht werde. Da könne es sein, dass sich die Produkte rasend schnell ändern müssen, um das Unternehmen auf Erfolgskurs zu halten. Transparent und themenbezogen erfolge die Kommunikation. Das alles gehe einher mit einem sich wandelnden Arbeitsalltag. Hier seien Homeoffice und die Erreichbarkeit des Mitarbeiters rund um die Uhr die Schlagworte. Die Globalisierung und die Kommunikation, so die beiden Referenten, verändern tiefgreifend die Unternehmensstrukturen und genauso nachhaltig das Konsumverhalten. „Der Besteller ist nur einen Mausklick entfernt“, fassten es Tom Hill und Karlheinz Venter zusammen. Die Digitalisierung erfordere dank der damit einhergehenden Individualisierung ein neues Denken. Jeder könne sich heute seine ganz persönliche Mischung zusammenstellen und liefern lassen, erklärten die beiden beispielhaft die Entwicklung.

Alles Zukunftsmusik? Mitnichten. Tom Hill und Karlheinz Venter machten deutlich, dass man sich bereits mitten in der Zukunft befindet. Für sie höchste Zeit, den Unternehmensumbau anzugehen. Was in der Theorie allerdings einfach klingt, mag in der Praxis Probleme aufwerfen. Nicht immer ist der Chef zu den notwendigen Veränderungen bereit und wenn doch, dann gibt es immer wieder Mitarbeiter, die sich querlegen und die Notwendigkeit der Veränderungen nicht sehen wollen. „Von den Unverbesserlichen wird sich ein Unternehmen über kurz oder lang trennen müssen“, glauben Hill und Venter. Dass in den neuen Strukturen ein Unternehmen erfolgreich sein kann, bestätigte im anschließenden Gespräch der Inhaber eines Automobilzulieferer mit rund 300 Beschäftigten.

Bei den Referenten, die für ihren Vortrag viel Applaus erhielten und zur Diskussion beim anschließenden Mittagsimbiss anregten, sowie bei Gastgeber Rolf Fleury vom IT-Systemhaus Bürokom in Schwäbisch Gmünd bedankte sich BVMW-Kreisvorsitzender Lothar Lehner (Geislingen) mit in einem „Stauferkischtle“ verpackten regionalen Spezialitäten.

 

 

 

Almü wächst doppelt so schnell wie die Branche

 Firmenchef Markus Müller (2.v.r.) führt die interessierten Gäste durch den Rohbau.Markus Schneider von der Bauunternehmung Mörk informierte über Innovationen bei Gewerbebauten.Betriebsbesichtigung: Almü-Chef Markus Müller (links) in der Produktion, rechts im Bild der Kreisvorsitzende des BVMW, Lothar Lehner. Fotos: BVMW/Rüdiger Gramsch

Zell u. A. Der Präzisionswerkzeugmacher und Autozulieferer Almü in Zell u. A. platzt aus allen Nähten. Das Unternehmen, das eigenen Angaben zu Folge doppelt so schnell wächst wie die gesamte Branche, hat in unmittelbarer Nähe zum jetzigen Werk in knapp acht Monaten einen großzügigen Neubau erstellt. Zum Richtfest gab es für interessierte Unternehmer aus dem Bundesverband Mitteständische Wirtschaft (BVMW) und zahlreichen Ehrengästen bei einem Business-Lunch Informationen über das neue Gebäude. Zudem gewährte Firmenchef Markus Müller Einblick in den laufenden Betrieb in den benachbarten Produktionshallen.

Zu einer äußerst innovativen und kurzweiligen Mittagspause hieß der Leiter des BVMW Kreisverbands Göppingen, Lothar Lehner (Geislingen), die Gäste im gerade fertiggestellten Rohbau von Almü in Zell namens Geschäftsführung und Planungs- und Bauunternehmen Mörk willkommen. Unter den Besuchern auch die Präsidentin der Göppinger Wirtschaftsjunioren, Eva Geiselmann, den Kreisvorsitzenden der Mittelstandsvereinigung, Eduard Freiheit, den Geschäftsführer der Wirtschafts- und Innovationsgesellschaft im Landkreis (WIF), Reiner Lohse, sowie Vertreter der Gemeinde Zell. Lehner nutzte die Gelegenheit, den BVMW, in dem 700 000 Unternehmen mit elf Millionen Beschäftigte zusammengeschlossen sind und der über ein weltweites Netzwerk verfügt, vorzustellen. Er bedankte sich bei Almü-Chef Müller, der den Business-Lunch im Rohbau ermöglicht habe. Mehr Platz für Mitarbeiter und Maschinen benötigt Almü in Zell. Das vor über 30 Jahren vom Vater des jetzigen Firmenchefs in einer Garage gegründete Unternehmen wächst seit fast zehn Jahren rasanter als der

Markt. Inzwischen stellen 50 Mitarbeiter die vor allem in der Automobilindustrie gefragten Präzisionswerkzeuge her – Tendenz steigend. Die Fertigstellung des Rohbaus nahmen Firmenchef Markus Müller und das auf Industrie- und Gewerbebauten spezialisierte Unternehmen Mörk aus Leonberg zum Anlass, interessierte Unternehmer aus der Region über den Betrieb, aber auch über innovatives Bauen zu informieren.
Markus Schneider von Mörk hielt für bauwillige Unternehmer jede Menge Tipps parat. Anhand von bereits realisierten Gebäuden zeigte Schneider auf, wie heute zukunftsträchtig in einen Firmen-Neubau investiert wird. Er riet dazu, sich in der Planungsphase Zeit zu lassen. Das sei auch bei Almü so gewesen. Ein gutes Jahr habe man geplant, drei Entwürfe landeten im Papierkorb. Der vierte Entwurf vereinte dann alle Anforderungen an das Projekt und begeisterte mit seiner Architektursprache. Wer neu baut, der sollte von innen nach außen planen, so Schneider. Künftige Produktionsabläufe seien ebenso mit einzubeziehen, wie die - künftige - Organisationsstruktur im Büro und die Bedürfnisse der Mitarbeiter. Auch technische Entwicklungen – Stichwort: Digitalisierung – sollten berücksichtigt werden. Zu erfüllen seien auch die Auflagen im Umweltbereich, zum Beispiel mit modernster Haustechnik, sowie beim Brandschutz. Ins Auge fassen sollte man bei der Planung auch, dass das Gebäude später eventuell auch ganz anders genutzt werden könnte. Höhere Räume vor allem im Erdgeschoss und hohe Lasten tragende Bodenplatten ermöglichen beispielsweise auch andere Nutzungen in dem Gebäude. Ein Treppenhaus mit Weitsicht an die richtige Stelle gesetzt, spart Kosten bei einem Erweiterungsbau. Kosten sparen ließen sich auch, wenn man Zeit bei der Realisierung mitbringt. Angesichts der aktuell guten Auftragslage im Baubereich seien kaum Firmen zu günstigen Baupreisen zu gewinnen. Es gelte, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, um Baufirmen für sein Vorhaben zu finden.
Für Almü in Zell hat Mörk einen dreigeschossigen Neubau mit 1.330 Quadratmeter Nutzfläche in Ellipsenform realisiert und neben Beton auch viel Glas verbaut. Helle Räume für die Mitarbeiter waren wichtig. Im Erdgeschoss hält die Produktion Einzug, die Maschinen sollen entlang
der Außenwand mit der Rückseite zu den Fenstern aufgebaut werden. Das erste Obergeschoss ist für Büros vorgesehen, auch für Freelancer. Das Unternehmen kooperiert mit Partnern im Ausland, deren Mitarbeiter nur für wenige Tage nach Zell kommen. „Aber auch die brauchen Platz“, so Firmenchef Müller. Im zweiten Obergeschoss können die Mitarbeiter vom Casino, von den geplanten Tagungs- und Seminarräumen oder von der Terrasse aus, einen herrlichen Blick auf die Voralb Landschaft genießen. Das Treffen endete mit einer Besichtigung der derzeitigen Produktionsstätten von Almü.

 

 

 

 

Die Welt steht vor gravierenden Umbrüchen

 

Auch Deutschland steht in den nächsten Jahren in vielen Bereichen vor großen Umbrüchen. „Was heute viele noch gern mit dem Satz: „Das dauert ja noch“ abtun, ist schneller Realität als gedacht“, so BVMW-Kreisvorsitzender Lothar Lehner (Geislingen) bei dem von rund 35 Unternehmern besuchten Treffen.

 

Schlaglichtartig stellten mehrere Referenten in kurzen Statements vor, wo und wie sich die Welt in den nächsten Jahren verändert wird. Dipl.-Ing. Axel C. Burgbacher (Göppingen) erläuterte mit Beispielen das Zukunfts­thema Blockchain, das vor allem die Bankenwelt verändern wird. Blockchain, 2008 von jenem unbekannter Japaner ins Netz gestellt, der auch die Idee zum Bitcoin hatte, sieht Blockchain Geldüberweisungen ohne Einbeziehung der Banken vor. Jeder kann jedem direkt Geldbeträge anweisen. Bis in fünf Jahren, so schätzt Experte Burgbacher – von Lothar Lehner auch gerne als der „Daniel Düsentrieb des Landkreises“ bezeichnet  - dürfte sich Blockchain durchsetzen.

 

Wie gravierend die bevorstehenden Veränderungen sind, zeigte auch Ulrich Semle aus Wäschenbeuren auf und sprach von einer mental-geistigen oder spirituellen Revolution. Anzeichen dafür seien Klimaveränderungen, eine völlig anders als gewohnte verlaufende Fußball-WM, die Wahl des US-Präsidenten Trump, Mitarbeitermangel in den Unternehmen. All das hänge miteinander zusammen. Wachsende geistige Armut und ein tiefgreifender Wertewandel würden den Veränderungen Vorschub leisten. Die Kinesiologin Claudia Körper aus Bad Boll, viele Jahre Unternehmensberaterin bei Ernst & Young, zeigte auf, wie die Menschen angesichts der bevorstehenden Veränderungen im Gleichgewicht bleiben können. Dabei gelte es, das persönliche Potential zu entdecken, zu erweitern und zu nutzen.

 

Dass es im Leben im wahrsten Sinne auf die Haltung ankommt, führten Dr. Felicitas Stieber (Owen) und Patrick Schürmann (Geislingen) vor. Stieber, die eine mobile Chiropraxis für Pferde und Kleintiere betreibt, sieht sich u.a. gefordert, wenn ein Reiter Schmerzen an der Wirbelsäule hat, oft einer falschen Haltung im Sattel geschuldet. Da muss nicht nur der Reiter behandelt werden, denn oft hat auch das Pferd Probleme und Ursache für die falsche Reiterhaltung. Ihre Behandlungsmethoden haben auch schon so manch gelähmten Hund wieder auf die Sprünge geholfen. Körper, Geist und Seele sind stets als eine Einheit zu betrachten, so der Masseur und Ostheopath Patrick Schürmann von der Massage- und Therapiepraxis Bodywell. Das heißt für ihn, den Schmerz nicht lokal zu behandeln, sondern nach der Ursache zu forschen. „Wir fangen da an, wo die Schulmedizin oft aufhört“, so der Manualtherapeut und berichtete von an den Rollstuhl gefesselte Menschen, die nach der Behandlung wieder Laufen konnten.

 

Wie stark sich Konflikte unter Mitarbeitern auf die Wirtschaftsleistung in Unternehmen auswirken, zeigte Ralf Hartdegen von Filstal-Mediation (Süßen) auf. Deshalb gelte es, Konflikte richtig aufzuarbeiten und nicht nur nach schnellen Kompromissen zu suchen. Der Mediator sei kein Richter oder Schlichter, sondern jemand, der helfe, die Ursachen des Konflikt zu finden und die Beteiligten auf dem Weg zur Lösung begleitet. Weitere Schlaglichter warfen am Abend der Coach Gerhard Müller und Rainer Bachmann aus Deggingen zum Thema virtuelle Messen.

 

Lothar Lehner nutzte das Unternehmer-Treffen auch, um gegen die geplante Datensteuer zu wettern. Diese bedeute nicht nur einen weiteren bürokratischen Aufwand für die Betriebe, sondern auch zu weiteren, zum Teil existenzbedrohenden Kosten. Lehner appellierte an die Politiker, die Finger von diesen Plänen zu lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

         

 

 

            
  

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