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Mit Verbindungstechnik auf Erfolgsspur

Hang, ConstantinConstantin Hang. Foto: Rüdiger Gramsch

Constantin Hang übernimmt mit 25 Jahren das Unternehmen seines Vaters in Göppingen und baut es zum weltweit agierenden Hersteller von Niet-und Ösmaschinen, sowie innovativer Papierbohrmaschinen und Briefordneranlagen aus.

Als sein Studium an der Universität Erlangen-Nürnberg zu Ende ging, hegte der 25 jährige Constantin Hang die Absicht, sein gerade erworbenes Wissen bei Auslandsaufenthalten zu vertiefen. Doch ein Schicksalsschlag machte diese Pläne zu nicht. Im Juni 1963 verunglückten seine Eltern und sein Bruder auf einer Ausflugsfahrt an den Bodensee bei Stockach tödlich. Der junge Mann war von einem Tag auf den anderen in dem florierenden Betrieb seines Vaters gefordert, der in der Zeit des Wirtschaftswunders schnell wachsenden Fabrik für Niet- und Ösmaschinen Constantin Hang in der Ulmer Straße in Göppingen.

Jene Monate im Jahr 1963 haben Constantin Hang geprägt. Heute, im Alter von 80 Jahren, blickt der Vater einer Tochter aus erste Ehe auf sein Lebenswerk mit allen Höhe und Tiefen zurück. Auch wenn er den Ruhestand zusammen mit seiner jetzigen Frau Anna genießt, sich zwei Mal wöchentlich beim gemischten Doppel auf dem Tennisplatz fit hält, so kreisen seine Gedanken oft noch um den Betrieb, dessen Mit-Gesellschafter er noch ist und der sich in seiner Zeit zum Spezialisten für Verbindungstechnik gemausert hat.

Sein Urgroßvater, dessen Vornamen Constantin Hang trägt, hatte die Firma 1869 in Göppingen in der Gebergasse als mechanische Werkstätte gegründet. Kurz zuvor war der Unternehmensgründer von der Walz zurückgekehrt, auf die er mit keinem geringeren als Gottlieb Daimler aus Schorndorf gegangen war. Die beiden jungen Männer schmiedeten unterwegs Pläne für eine gemeinsame Firma, doch wieder daheim, trennten sich ihre Wege. Constantin Hang begann mit drei Beschäftigten Zubehör für Spinnerei- und Webmaschinen herzustellen. Das Filstal war zu jener Zeit geprägt von der Textilindustrie und die in den Betrieben laufenden Maschinen  mussten auch repariert werden – mit Hangs Hilfe. Auch werden Waagen in dem Betrieb gefertigt, der  1880 in ein Gebäude in der Bleichstraße umzieht. Trotz Erweiterungen in dem Gebäude zieht Hang mit seiner Firma 1911 in die Ulmer Straße vor die Tore der Stadt. Bereits 1899 fertigt Hang die erste automatische Ösmaschine und legt den Grundstein für den Erfolg des Unternehmens. Die Zahl der Beschäftigte steigt in den 1920er Jahren auf 59. 1921 stirbt der Firmengründer, dessen Söhne in die Fußstapfen des Vaters treten. Otto Hang übernimmt den Kaufmännischen Bereich der Firma, sein Bruder Eugen verantwortet die technische Seite. Die Weltwirtschaftskrise 1927 übersteht Hang und entwickelt neuartige Nietmaschinen zum Annieten von selbst entwickelten so genannten Flügel-Öffnern an Schuhcremedosen. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg kann Hang mit Papierbohrmaschinen überzeugen und erreicht damit einen Exportanteil von 46 Prozent. Im Krieg produziert Hang, wie schon zwischen 1914 und 1918 fürs Militär.

Constantin Hang erblickt im Januar 1938 das Licht der Welt und besucht 1944 die Volksschule in Göppingen. Nach vier Jahren wechselt er auf die Hohenstaufen-Oberschule und geht nach der Mittleren Reife auf das neugegründete Wirtschaftsgymnasium.  Während es im Unternehmen Hang nach dem Krieg dank Wirtschaftswunder steil bergauf geht – entscheidet sich der junge Hang 1957 für ein Studium der Wirtschaftswissenschaften in Berlin und 1961 an die Universität Erlangen-Nürnberg, wo er sein Diplom als Kaufmann ablegt. Hang steckt voller Pläne, will ins Ausland. Da ereilt ihn am 1. Juni 1963  die Nachricht vom Unfalltod seiner Eltern und seines Bruders. Zum 1. Januar 1964 nimmt er den Platz seines Vaters im unternehmen ein, das er fortan mit seinem Onkel Eugen, später mit dessen Sohn Eberhard führt. Hang wächst weiter. Mitte der 1960er Jahren werden Niet- und Ösmaschinen für die Reisegepäckindustrie, Automobilindustrie, für Ordner- und Ringbuchhersteller sowie Papierbohrmaschinen für Druckereien und Buchbindereien hergestellt. Die Mitarbeiterzahl wächst auf 120 Beschäftigte. Wegweisend sind auch die automatische Ringbuch- und wenig später die automatische Büroordnermontage. Die Maschine misst stolze 17 Meter Länge und fertigt fünfzig Ordner in der Minute. 1990 baut Hang Sondermaschinen für diverse Nietverbindungen für die Automobil- und Papier verarbeitende Industrie. In Ungarn entsteht ein Zweigwerk.

2004 scheidet Constantin Hang mit Vollendung des 65. Lebensjahr als Geschäftsführer aus dem Unternehmen aus. Sein Vetter führt als alleiniger Geschäftsführer das Unternehmen weiter.  Auf der Düsseldorfer  Print und Media Messe Drupa 2008 wird noch das komplette neue Programm an Ringbuch- und Ordnermontagemaschinen sowie der neueste technische Stand beim Papierbohren gezeigt. Auf der Technologiemesse für Blechbearbeitung EuroBlech 2008  ist das Unternehmen mit umfangreichen Lösungen für die Nietverbindungstechnik vertreten. 2009 erreichen Constantin Hang im Ruhestand dann Hiobsbotschaften aus dem Unternehmen. Die Firma steckt in Schwierigkeiten, hat mit Umsatzeinbrüchen von 40 bis 50 Prozent und schlechter Zahlungsmoral der Kunden zu kämpfen. Versuche, das Unternehmen aus der Familie heraus zu retten, zerschlagen sich. Noch im gleichen Jahr wird Insolvenzantrag gestellt. Der eingesetzte Insolvenzverwalter mach, so Constantin Hang heute, gute Arbeit. Wenig später finden sich neue Gesellschafter: der Göppinger Unternehmer Johannes Krauter übernimmt zusammen mit Dr. Ralph Mühleck die Firma, die seither unter dem Namen Constantin Hang Maschinen-Produktion GmbH firmiert.

Nach wie  vor zeigt der heute 80jährige Constantin Hang als Mitgesellschafter und Mitglied des Beirats großes Interesse an der Unternehmensentwicklung. Positiv bewertet er den Umzug der Firma von der Ulmer Straße in die neue ebenerdigen Räume an der Jahnstraße. Auch die 2012 erfolgte Integration des Gingener Nietmaschinenherstellers Pfeil – 1986 gegründet - sei richtig gewesen, urteilt Constantin Hang. Pfeil habe schließlich, bevor er sich in Gingen selbstständig gemacht habe, bei Hang gearbeitet. 2013 übernahm Hang noch den Papierbohr- und Heftmaschinenhersteller Nagel in Stuttgart und ergänzt damit seine Produktpalette.

Bei einem Exportanteil von 60 Prozent zeigt sich Hang mit der Geschäftsentwicklung zufrieden, wenngleich er mit Sorgen auf die Entwicklung in der Automobilindustrie schaut. Denn von einem Aus für Diesel- und Benzinmotoren wäre als Zulieferer auch Hang betroffenen. Der Gesellschaft – „ich bin der letzte Hang in der Firma“ - mag sich die Folgen für das gesamte Filstal nicht ausmalen. Umso mehr freut er sich, wenn er seine aus Ungarn stammende Frau zu Events großer Firmen in der Region begleiten darf, wo ihre Dolmetscherfähigkeiten benötigt werden. Die Liebe zu seiner Frau und zu Ungarn hat den Göppinger Senior veranlasst, an der Volkshochschule einen Ungarisch-Sprachkurs zu belegen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

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